1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Nigerias Nachbarn rüsten auf gegen Boko Haram

Die Terrorgruppe Boko Haram hat noch immer mehr als 200 Mädchen in ihrer Gewalt - auch in Nigerias Nachbarstaaten wächst die Angst vor Angriffen. Kamerun und Tschad schicken nun Militär ins Grenzgebiet.

Der Norden Kameruns ist nicht mehr sicher. Der bergige Zipfel Land zwischen Nigeria und Tschad gilt als Rückzugsgebiet von

Boko Haram

. Jetzt hat Kamerun zum Schutz vor Angriffen etwa 1000 Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge an die Grenze zu Nigeria verlegt. Bei der Suche nach den Islamisten sei die Armee auf Informationen aus der Bevölkerung angewiesen, sagte General Didier Badjeck, Sprecher des kamerunischen Militärs. "Es ist wichtig, dass die Bevölkerung mit uns kooperiert und dass wir wissen: Wir haben bei diesem Einsatz ihre Unterstützung."

Etwa drei Millionen Menschen leben im betroffenen Gebiet im Norden Kameruns, dazu kommen etwa 30.000 Flüchtlinge, die der Terror bereits aus Nigeria über die Grenze getrieben hat. Die Truppen, so der General, seien auf die unkonventionellen Kampfmethoden der Islamisten vorbereitet.

Gemeinsam gegen den Terror

Auch der Tschad habe Soldaten an die Grenze verlegt, sagte Kameruns Verteidigungsminister Edgard Alain Mebe Ngo'o nach einem Treffen mit seinem tschadischen Kollegen Benaindo Tatola in Yaounde. Die Militärs der beiden Staaten sollen Boko Haram demnach auch auf nigerianischem Boden bekämpfen - gemeinsam mit Nigerias Truppen.

Auf die Truppenverlegung hatten sich Tschads Präsident Idriss Déby und Kameruns Staatsoberhaupt Paul Biya bereits vor einer Woche geeinigt. Es sind die ersten konkreten Maßnahmen nach dem Anti-Terror-Gipfel in Paris. Mitte Mai hatten dort Frankreich, Nigeria und die Nachbarstaaten Tschad, Kamerun, Niger und Benin einen

Aktionsplan für den Kampf gegen die Islamisten

beschlossen: Man werde den Informationsaustausch der Geheimdienste verstärken, die Aktionen afrikanischer Militärs koordinieren und die Grenzen in Afrika kontrollieren, hieß es. Nigerias Regierung hatte Kamerun und den anderen Nachbarstaaten immer wieder vorgeworfen, nicht genug zu tun im Kampf gegen den Terror.

Internes Problem Nigerias?

Boko Haram sei bislang ein internes Problem Nigerias gewesen, das sollte man nicht vergessen, erklärte der Gouverneur der kamerunischen Region Hoher Norden, Fonka Awah, und wies damit die Anschuldigungen entschieden zurück. "Wir konnten uns bislang nicht einmischen, aber jetzt müssen wir es, denn sie dringen auf unser Territorium vor."

Erst vor zwei Wochen soll Boko Haram chinesische Arbeiter in Nordkamerun beschossen haben - mindestens ein Mensch soll dabei getötet, zehn weitere verschleppt worden sein. Bei einem Angriff auf einen Militärposten in der kamerunischen Grenzstadt Kousseri konnte Boko Haram auch ein festgesetztes Mitglied befreien; in dem Ort Waza zwölf Fahrzeuge und einen Container mit Sprengstoff stehlen.

Die Angriffe häufen sich - und Kamerun macht Nigeria dafür verantwortlich. Die Armee dort habe die Lage nicht mehr unter Kontrolle, sagt Awah. Nigerianische Soldaten würden sich auf der Flucht vor den Milizen sogar über die Grenze nach Kamerun retten. "Nigeria exportiert seine Probleme, besonders hierher in den Norden", so Awah.

Ex-Präsident will Freilassung der Chibok-Mädchen verhandeln

Auch die Suche nach den

vor über sechs Wochen von Boko Haram entführten Schülerinnen

kommt nur schleppend voran. Nun hat sich Nigerias früherer Präsident Olusegun Obasanjo als Vermittler eingeschaltet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP hat sich Obasanjo bereits am Wochenende mit Boko-Haram-Vertrauten getroffen, um über die Freilassung der Mädchen zu verhandeln. Im Gespräch sei auch ein Austausch gegen inhaftierte Mitglieder Boko Harams. Das hatte die Regierung in Abuja allerdings im Vorfeld ausgeschlossen.

Demonstration Boko Haram Nigeria (Foto: REUTERS/Afolabi Sotunde)

Viele machen die Regierung dafür verantwortlich, dass die entführten Mädchen noch nicht befreit wurden

Für die Eltern sei der Vermittlungsversuch ein Hoffnungsschimmer, sagt Mohammed Ali Ndume, der sich im Senat für die Rettung der verschleppten Mädchen aus Chibok stark macht. "Obasanjo ist eine Persönlichkeit, vor der man Respekt hat. Was er vorhat, verdient unsere Unterstützung. Die ganze Welt wartet doch darauf, dass die Mädchen endlich befreit werden", sagte Ndume der DW.

Nigerianer werfen Regierung Versagen vor

Mehrfach hatten Nigerianer für die Freilassung der Mädchen demonstriert und dabei der Regierung in Abuja Versagen im Kampf gegen den Terror vorgeworfen. "Obasanjo hat dieses Land schon zweimal regiert, er hat schon ein gewisses Alter - alles, was er jetzt macht, macht er nicht für sich selbst, sondern für dieses Land", so der Senator. Obasanjo war bis 2007 Präsident und hat bereits mehrmals erfolglos versucht, mit Boko Haram zu verhandeln. Inwieweit er bei seinem aktuellen Einsatz Rückendeckung von Präsident Goodluck Jonathan hat, ist unklar. Die Beziehungen der beiden Politiker gelten als angespannt.

Nigerias Militärchef, Luftwaffen-Marschall Alex Badeh, hatte Anfang der Woche mitgeteilt, man wisse, wo die Mädchen seien, werde sie aber zu ihrem Schutz nicht mit Gewalt befreien. Washington wiederum bezweifelt, dass die Mädchen tatsächlich geortet werden konnten. Seit der Entführung der Schülerinnen soll Boko Haram nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mehr als 470 Zivilisten getötet haben.

Die Redaktion empfiehlt