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Afrika

Nigerias Militär macht sich unglaubwürdig

Nigerias Armee meldet Erfolge im Kampf gegen Boko Haram. Beobachter bezweifeln allerdings, dass die Soldaten den Anführer der Gruppe oder dessen Double tatsächlich getötet haben.

Mit gleich mehreren Erfolgsmeldungen im Kampf gegen die Terrorgruppe Boko Haram hat die nigerianische Armee für Aufsehen gesorgt. Nachdem die Islamisten seit Monaten unaufhaltsam vorrücken und immer mehr Gebiete ihrem frisch ausgerufenen Gottesstaat einverleiben konnten, will das Militär die Islamisten jetzt im Norden des Landes entscheidend zurückgedrängt haben. Mehrere Hundert Kämpfer hätten sich den Soldaten ergeben, sagte Militärsprecher Chris Olukolade am Mittwoch (24.09.2014). Zudem sei "ein gewisser Mohammed Bashir getötet worden, der in Videos als Abubakkar Shekau posierte - bekannt als Anführer der Gruppe".

Abubakar Shekau von Boko Haram (Foto: AP)

Tot oder lebendig?: Boko Haram Anführer Shekau

Damit verkündet Nigerias Militär, das wegen seines Scheiterns im Kampf gegen Boko Haram heftig in der Kritik steht, den Terroristenchef gewissermaßen zum zweiten Mal getötet zu haben. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Armee bekannt gegeben, Shekau sei bei einem Feuergefecht ums Leben gekommen. Allerdings tauchte der selbsternannte Imam immer wieder in neuen Video-Botschaften auf. Weder konnte die Armee belegen, dass Shekau tatsächlich tot sei, noch konnte Boko Haram Zweifel ausräumen, dass in den jüngsten Videos ein Doppelgänger aufgetreten sei.

Ein Terrorchef mit sieben Leben?

In Nigeria allerdings trifft die Nachricht vom Tod des Terroristenchefs auf große Skepsis. "Nun soll er wieder tot sein", sagte Hamid Ali, ein pensionierter Oberst der nigerianischen Armee, der DW. "Ich wundere mich, wie viele Leben Shekau hat." Erfolgsmeldungen der Armee hätten sich in den vergangenen Jahren regelmäßig als komplett erfunden herausgestellt, sagte Ali.

Doch selbst wenn diese Meldung stimme, sei es "überhaupt nicht entscheidend, ob Shekau tot oder lebendig sei". Es gebe keinen Grund zur Hoffnung, dass die Gewalt von Boko Haram zurückgehe, sagte der nigerianische Analyst Mack Mijinyana im Gespräch mit der DW. Er erinnerte an den - tatsächlich bestätigten - Tod von Mohammed Yousuf, der Gründer von Boko Haram im Jahr 2009. "Es hieß damals, der Tod von Yousuf sei das Ende von Boko Haram, aber was dann geschah, war jenseits unserer Vorstellungskraft."

Foto: AP Photo/Jossy Ola

Hunderttausende sind im Norden Nigerias auf der Flucht vor Boko Haram

Der nigerianische Journalist Ahmad Salikida wies die Behauptungen der Armee als "Falschmeldungen" zurück. Salikida, der bei bisher gescheiterten Verhandlungen zwischen der Regierung und Boko Haram über die Freilassung von mehr als 200 seit Monaten

entführten Schülerinnen

vermittelte, berief sich auf Quellen innerhalb der Terrororganisation selbst. "Keine der Städte, die von Boko Haram besetzt wurden, ist befreit", schrieb Salikida bei Twitter. Anführer Shekau sei immer noch "gesund und lebendig".

Schwaches Militär, starke Islamisten

Selbst für Propagandazwecke ist Shekaus Tod laut Oberst Ali nicht von großem Wert. Die Armee werde sei Monaten von einem "kaum militärisch ausgebildeten Mob vorgeführt". Das Bild der Nigerianer von ihrer gescheiterten Armee werde sich nicht ändern, bis die Soldaten dem Morden von Boko Haram ein Ende setzten. Auch die Erfolgsmeldungen vom Vorrücken der Armee und den gefangen genommenen Terroristen sieht Ali skeptisch. Sie seien bisher nicht von unabhängigen Quellen bestätigt worden.

Karte Nigeria mit den Bundesstaaten Borno und Adamawa

In den Bundesstaaten Borno und Adamawa kontrolliert Boko Haram große Gebiete

In den vergangenen Monaten hatte die Armee Boko Haram weitgehend widerstandslos

große Gebiete in den Bundesstaaten Borno und Adamawa

überlassen. Nach eigenen Angaben errichteten die Islamisten dort einen Gottesstaat und führten ihre drastische Version des islamischen Rechts ein. Hunderttausende Menschen sind bereits vor den heranrückenden Kämpfern geflohen.

Bislang unternahm Boko Haram allerdings keinen Versuch, Bornos Hauptstadt Maiduguri einzunehmen, sondern stoppte den Vormarsch etwa 40 Kilometer vor den Toren der Millionenstadt. Die Regierung müsse das Militär besser ausrüsten, forderte der katholische Bischof von Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, im

Interview

mit der DW. "Und die Regierung muss sicherstellen, dass diejenigen bestraft werden, die den Terror unterstützen und finanzieren". Seit Beginn ihres Terrorkampfes soll die Gruppe in Nigeria mehr als 10.000 Menschen getötet haben.

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