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Afrika

Nigerias gefährliche Fußballbegeisterung

Ein neuer Anschlag auf ein Public Viewing in Nigerias Nordosten zeigt: Die Veranstalter können für die Sicherheit ihrer Gäste nicht garantieren. Mehrere Bundesstaaten haben öffentliche Übertragungen bereits verboten.

Lange hatten die Nigerianer der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien entgegengefiebert. Schließlich hatte das Land seine Nationalmannschaft, den amtierenden Afrikameister,

mit ins Rennen

geschickt. Doch die Begeisterung im Land hat nun einen Dämpfer bekommen: Als am Dienstag (17.06.2014) jenseits des Atlantik der Schiedsrichter das Spiel Brasilien - Mexiko anpfiff, explodierte in der Stadt Damaturu im nigerianischen Bundesstaat Yobe eine Fahrzeugbombe. Sie war versteckt in einem Fahrzeug, das ein Unbekannter im Eingangsbereich eines Lokals geparkt hatte, das das Spiel übertrug. Die Polizei vermutet die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hinter dem Anschlag. Bisher hat sich aber niemand dazu bekannt.

Abubakar Shekau mit umgehängter Maschinenpistole in einer Videobotschaft (Foto: picture alliance/AP Photo)

Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau ist gegen Fußball

Bei dem Anschlag seien 14 Menschen gestorben und 35 schwer verletzt worden, sagte der Mitarbeiter eines lokalen Krankenhauses am Mittwoch der Deutschen Welle. Die Polizei bestätigte die Zahl der Toten. Andere Meldungen gehen von 21 Toten aus. Agenturmeldungen, wonach es sich um ein Selbstmordattentat gehandelt habe, ließen sich nach DW-Recherchen nicht bestätigen. Der Fahrer des geparkten Fahrzeugs sei zum Zeitpunkt des Anschlags über alle Berge gewesen, sagte Nansak Chagwan, der Pressesprecher der Polizei des Bundesstaats. Er drängte die Bevölkerung zu mehr Wachsamkeit. "Wenn sie das Fahrzeug schneller wahrgenommen hätten, hätten sie den Anschlag verhindern können", sagte Chagwan auf Nachfrage der Deutschen Welle. "Es wäre uns eine große Hilfe, wenn die Bevölkerung ihr Bewusstsein schärfen würde."

Fußballübertragungen gefährdet

Der Anschlag kommt indes

nicht überraschend

. Denn Boko Haram hatte bereits in der Vergangenheit seine Ablehnung des Fußballs deutlich gemacht. Ihr Anführer Abubakar Shekau hatte den Sport in einer Videobotschaft als "Verschwörung des Westens" bezeichnet, die "Muslime von der Ausübung ihrer Religion abhalten" solle.

Schon im Vorfeld der WM hatte Boko Haram mit mehreren Anschlägen auf fußballbegeisterte Nigerianer abgezielt. Anfang Juni starben 54 Menschen, als nach einem

Fußballspiel in Mubi

im nordöstlichen Bundesstaat Adamawa eine Bombe detonierte. Wenige Wochen zuvor waren bei einem Selbstmordanschlag bei einer Übertragung des Champions-League-Endspiels in der Stadt Jos im weiter westlich gelegenen Bundesstaat Plateau mindestens drei Menschen getötet worden.

"Fahrlässige Lokalbetreiber"

Aufgrund dieser Vorfälle hatte die nigerianische Regierung eine Warnung ausgesprochen, die Bevölkerung solle sich die Fußballspiele nicht öffentlich ansehen. Die betroffenen Bundesstaaten Adamawa und Plateau hatten öffentliche Übertragungen der Spiele generell verboten. Nach dem jüngsten Anschlag zog am Mittwoch auch der Bundesstaat Yobe nach. Einige nigerianische DW-Nutzer halten dies für die beste Lösung. "Die Menschen sollten sich die Spiele lieber zu Hause ansehen", kommentierte etwa Alhaji Musa Ibrahim Bahadejan Wudil auf der Facebook-Seite des DW-Haussa-Programms.

Zwei nigerianische Polizisten notieren etwas an einem Tatort (Foto: Reuters)

Nigerias Polizei bittet die Öffentlichkeit um Wachsamkeit

In Yobe hatte es kein generelles Verbot gegeben. Allerdings sind die Betreiber der Lokale in Damaturu längst vorsichtig, wie der Krankenhausmitarbeiter im Gespräch mit der Deutschen Welle sagte. "Die meisten Public-Viewing-Stätten sind geschlossen. Nur dieses eine hatte seinen Betrieb nicht eingestellt." DW-Facebook-Nutzer Yahaya Abubakar hält das für fahrlässig. Die Regierung sollte Lokalbetreiber in die Verantwortung nehmen, fordert er. "Die Besitzer können schließlich nicht für die Sicherheit ihrer Gäste garantieren."

Im Bundesstaat Adamawa sei man nun heilfroh, dass die Behörden öffentliche Übertragungen bereits verboten hätten, berichtet DW-Korrespondent Muntaqa Ahiwa aus Yola. Dennoch gebe es Beschwerden: "Die öffentliche Stromversorgung ist in Nigeria so schlecht, dass besonders viele ärmere Menschen Schwierigkeiten haben, die Spiele zu Hause zu verfolgen." Manche, die einen sicheren Stromzugang haben, laden daher Freunde zu den Übertragungen ein. Zumindest zu den früheren Spielen. Ab 23 Uhr gilt nämlich eine Ausgangssperre in dem Bundesstaat, über den die Regierung im vergangenen Jahr den Ausnahmezustand verhängte.

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