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Afrika

Nigerias Ethik bei Organspenden

Eine Organspende ist für viele Organkranke die letzte Rettung. Die Technik wird immer besser, die Operationen gelingen immer öfter. Aber: Es fehlt an Spenderorganen und illegale Geschäfte im Organhandel nehmen zu.

Nierentransplantation (Foto: AP)

Legal beschaffte Niere?

Das Leben in der lauten und ungesunden Megastadt Lagos scheint vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes an die Nieren zu gehen. Nieren-Komplikationen sind in Nigeria ein Riesenproblem und die Dialyse ist so teuer, dass nur wenige sie sich leisten können. Mindestens zehn Prozent der nigerianischen Bevölkerung litten an Nierenproblemen, sagt Ebun Bamgboye, Nierenspezialist am privaten St. Nicholas Hospital, der wichtigsten medizinischen Institution des Landes für Organtransplantationen. "Dazu kommt noch, dass für Menschen afrikanischer Herkunft die Wahrscheinlichkeit, an Nierenproblemen zu erkranken, vier Mal höher ist, als für Menschen europäischer Herkunft. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht einen Patienten bekomme, der etwas an den Nieren hat."

Organe aus dem Ausland

Bamgboye weiß, dass es für die vielen Kranken zu wenig Nieren gibt. Und dass gleichzeitig die Menschen in seinem Land entweder aus großer Armut oder aus Profitgier zu allem bereit sind. Er weiß, dass es in Nigeria schon üble Geschichten über Kinder gegeben hat, die für Organspenden oder religiöse Opferkulte regelrecht gezüchtet worden sein sollen. Und dass der illegale Handel mit Organen auch in einem Krankenhaus für Gutbetuchte zum Problem werden könnte. "In vielen Fällen lehnen wir eine Transplantation ab, weil wir überzeugt sind, dass es sich um eine kommerzielle Spende handelt.

Afrikanische Kinder (Foto: AP)

Zukünftige Organspender?

Diese Leute sind dann nach Pakistan, Indien oder in einem Fall auch auf die Philippinen gereist, um sich dort operieren zu lassen", sagt der Spezialist. Meist handele es sich dann bei den transplatierten Organen um illegal beschaffte. "Was dagegen die Situation innerhalb Nigerias angeht, kann ich sagen, dass nahezu alle Transplantationen aus altruistischen Gründen erfolgen. Transplantationen mit kommerziellen Hintergrund fänden eher im Ausland statt - zumindest bisher.

Bamgboye beruft sich darauf, dass in Nigeria ein ausgeprägter Handel mit Organen kaum möglich sei, denn es gebe nur vier Institutionen, wo Transplantationen überhaupt durchgeführt würden. Und in diesen Häusern herrsche eine strenge ärztliche Ethik. Außerdem dürften Organe nur von engsten Familienmitgliedern gespendet werden. Trotzdem kann auch das vermeintlich beste Krankenhaus Nigerias nicht garantieren, dass ein gespendetes Organ auch auf legalem Wege zum Patienten gelangt ist. "In Pakistan und auch auf den Philippinen kann man vor Ort Organe kaufen – das geht manchmal wie auf dem Markt zu", sagt Bamgboye.

Eine Niere für ein paar Naira

Ibuchukwu Ezike, Direktor der Menschenrechtsorganisation "Civil Liberties Organisation", lässt sich nicht dadurch beruhigen, dass Nigeria bisher noch kein Problem mit Organhandel habe: "Vor dem Hintergrund der Armut würde es mich nicht wundern, wenn Leute diese Situation von Menschen ausnutzen. Und dass verzweifelte Bürger so an Geld kommen wollen", sagt der Direktor. Alle Bereiche der öffentlichen Gesundheitsversorgung seien zusammengebrochen. Ibuchukwu Ezike beklagt, dass es bereits einen medizinischen Handel im großen Stil gebe – und zwar mit Blutkonserven. Überall, auch bei medizinisch zweifelhaften Einrichtungen und solchen, die das Blut nicht ausreichend auf HIV prüften, gebe es jeden Tag Schlangen von bereitwilligen Spendern – für ein paar Naira.

Insofern bereite die wirtschaftliche Misere vieler Menschen den Boden für ein größeres Drama mit illegalem Organhandel. Und dann ist es möglicherweise nur noch eine Frage der Zeit, bis man nicht mehr genau weiß, wo die nächste Spenderniere herkommt.

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Michaela Paul

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