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Aktuell Afrika

Nigeria-Wahl: Opposition reklamiert Sieg für sich

Noch vor Bekanntgabe des Endergebnisses hat sich die Opposition in Nigeria zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. Ihr Kandidat Buhari liegt klar vorn. Noch-Präsident Jonathan soll dem Sieger schon gratuliert haben.

Ein Sprecher der Partei APC von Oppositionsführer Muhammadu Buhari sagte, es sei "das erste Mal in der Geschichte Nigerias", dass die Opposition eine Regierung bei einer Wahl aus dem Amt gedrängt habe, nur durch demokratische Mittel. Die Nigerianer seien Zeugen eines historischen Moments. "Das Volk hat die Macht übernommen", erklärte der APC-Sprecher.

Der noch amtierende Präsident Goodluck Jonathan und seine Partei PDP gratulierten Medienberichten zufolge dem Sieger. Das meldet die britische BBC. In Agenturberichten heißt es, der für Luftfahrt zuständige Minister Osita Chidoka habe bestätigt, dass Jonathan seine Niederlage eingeräumt und Buhari gratuliert habe.

Großer Vorsprung für Buhari

Sicher ist in jedem Fall: Im Verlauf der Auszählung der Stimmen der Parlaments- und Präsidentenwahlen vom Wochenende hatte sich ein immer deutlicherer Vorsprung für Buhari ergeben. Für den Muslim haben nach Berechnungen der Agentur Reuters rund 14,6 Millionen Wähler gestimmt, für den Christen Jonathan etwa 11,3 Millionen. Zwar fehlt unter anderem noch das Ergebnis aus dem Niger-Delta, das eine Hochburg von Jonathan ist. Doch die meisten Experten werteten den Vorsprung Buharis als zu groß, als dass Jonathan ihn noch einholen könnte.

In der nördlichen Stadt Kaduna feierten bereits Hunderte Menschen Buharis Sieg. Seine Anhänger tanzten, umarmten einander und viele ließen ihre Autohupen ertönen.

Nigerias (Noch-) Präsident Jonathan (Foto: AFP/Getty Images)

Nigerias (Noch-) Präsident Jonathan

Nach Angaben der Wahlkommission in der Hauptstadt Abuja gewann Buhari bisher die Hälfte der 36 Bundesstaaten. Amtsinhaber Jonathan konnte sich nur zwölf Staaten und Abuja sichern. Buhari habe seinen Vorsprung auf fast drei Millionen Stimmen ausgebaut, hieß es weiter.

Die Ergebnisse aus den noch ausstehenden Bundesstaaten werden noch an diesem Dienstag erwartet. Der Sieger muss neben der Mehrheit der Stimmen auch mindestens 25 Prozent der Wähler in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten des bevölkerungsreichsten afrikanischen Staates hinter sich bringen; andernfalls gibt es eine Stichwahl.

Kampf gegen Terror und Korruption

Der 72-jährige Buhari war im Wahlkampf mit dem Versprechen angetreten, die Terrorgruppe Boko Haram zu zerschlagen und die Korruption zu bekämpfen. 1983 hatte Buhari mit einem Militärputsch die Macht in Nigeria ergriffen. Er setzte die Verfassung außer Kraft und beschnitt Freiheitsrechte. Seine Regierung konnte die damals bestehenden wirtschaftlichen Probleme jedoch nicht lösen und wurde ihrerseits
weggeputscht. Buhari wurde 1985 von General Ibrahim Babangida abgesetzt.

Seither kandidierte Buhari, der sich inzwischen selbst als geläuterten Demokraten bezeichnet, bei mehreren Wahlen. Nach seiner Niederlage vor vier Jahren hatte es schwere Unruhen gegeben, bei denen über 800 Menschen getötet worden waren.

Trotz Anschlägen von Boko Haram mit etwa 40 Toten waren die Wahlen am Wochenende so glatt verlaufen wie keine andere seit Ende der Militärherrschaft im Jahr 1999. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Rande der Atom-Verhandlungen mit dem Iran in Lausanne, die Nigerianer hätten ein eindrucksvolles Bekenntnis zu ihrer Demokratie abgegeben. Internationale Wahlbeobachter hätten den Verlauf als weitgehend frei und transparent bezeichnet. "Das ist ein gutes Zeichen und ein wichtiger Fortschritt für die Demokratie in West-Afrika", sagte Steinmeier.

Rund 70 Millionen Wahlberechtigte waren in dem ölreichen westafrikanischen Land zur Abstimmung aufgerufen gewesen. Die Wahl war ursprünglich bereits für den 14. Februar angesetzt, wurde aber wegen des Terrorfeldzugs von Boko Haram im Nordosten des
Landes verschoben.

wl/haz (dpa, afp, rtr)