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Afrika

Nigeria: Schul-Prämien gegen Boko Haram geplant

Die Regierung des Bundesstaats Borno will Eltern finanziell unterstützen, die ihre Kinder zur Schule schicken. Die Ankündigung folgt auf Berichte, laut denen Eltern ihre Töchter an die Terrormiliz Boko Haram "spenden".

Den Rettungskräften bot sich ein schreckliches Bild, als sie den Schauplatz eines Sprengstoffanschlags im nordostnigerianischen Konduga erreichten. "Alles war voller Blut", schildert Helfer Satomi Shamed seine Eindrücke. Zwei Frauen mit Sprengstoffwesten hatten sich Dienstag auf einem belebten Marktplatz in die Luft gesprengt und 16 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Immer wieder werden in Nordnigeria junge Frauen und Mädchen als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt.

Als Gegenmittel plant die Lokalregierung von Borno mehr Schulbildung. Eltern im nordöstlichen Bundesstaat von Nigeria könnten bald Prämien erhalten, wenn sie ihre Kinder zur Grundschule schicken. Der Bildungsbeauftragte von Borno, Musa Inuwa Kubo, kündigte auf einer Pressekonferenz in Maiduguri das neue Programm an: Finanzielle Unterstützung soll Eltern dazu ermutigen, der Ideologie von Boko Haram entgegenzutreten, die säkulare Schulbildung ablehnt.

Höhere Prämie für Mädchen

Seit acht Jahren terrorisiert Boko Haram die Region – und insbesondere das Bildungswesen: 2014 entführte die Terrormiliz mehr als 200 Mädchen aus einer Schule im Ort Chibok. Prediger machen in Moscheen Stimmung gegen "westliche Bildung". Mehr als 800 Schulen in Nordostnigeria sind beschädigt, abgebrannt oder geplündert worden oder dienen als Unterkünfte für Vertriebene. Viele Eltern haben Angst, ihre Kinder könnten in der Schule Opfer von Gewalt werden. Die meisten Kinder in Borno wurden durch Kämpfe oder Vertreibung um mindestens ein Schuljahr zurückgeworfen. Weil Mädchen noch stärker unter der Krise leiden als Jungen, sollen Eltern eine höhere Prämie erhalten, wenn sie ihre Töchter zur Grundschule schicken.

Für den Besuch der staatlichen Grundschule werden in Borno keine Gebühren erhoben. Eltern müssen jedoch für Schulbücher und -uniformen bezahlen. Das sind je nach Schule umgerechnet etwa 100 Euro pro Jahr und Kind. Zusätzlich müssen die Eltern die Fahrtkosten für den Schulweg bezahlen. Vor allem arme Eltern, die mehrere Kinder haben, können sich das oft nicht leisten. Inwieweit das angekündigte Regierungsprogramm daran etwas ändern könnte, ist unklar, denn die Höhe der Prämie wurde nicht bekanntgegeben. Sie soll ab dem neuen Schuljahr, das im September beginnt, monatlich ausgezahlt werden. Eltern, die kein Bankkonto besitzen, wurden aufgefordert, eines zu eröffnen, damit das Geld überwiesen werden kann.

Die Ankündigung des neuen Förderprogramms folgt auf Berichte, laut denen einige Eltern ihre Töchter freiwillig zu Boko Haram geschickt haben sollen, um Selbstmordattentate zu verüben. Ein Sprecher der nigerianischen Armee, Sani Usman, rief religiöse und nicht-religiöse Führer dazu auf, Menschen davon abzuraten, ihre Töchter den Terroristen zu übergeben.

Diskussion um junge Selbstmordattentäterinnen

"Wenn Eltern imstande sind, ihre Kinder für Selbstmordanschläge herzugeben, werden sie Teil des Problems, anstatt ein Teil der Lösung zu sein," sagt der nigerianische Sicherheitsexperte Sheru Umar. Das erschwere den Kampf gegen den Terror in der Region weiter. Borno gilt als letzte Hochburg von Boko Haram in Nigeria.

Nigeria Soldaten in Damboa (Getty Images/AFP/S. Heunis)

Das nigerianische Militär hat weite Teile Nordnigerias bereits von Boko Haram befreien können

Die meisten Familien in der Region reagierten mit Verärgerung auf die Vorwürfe, so auch der vierfache Vater Sani Yara aus Maiduguri: "Kein vernünftiger, gottesfürchtiger Mensch gibt sein Kind her, damit es als Waffe gegen unschuldige Zivilisten eingesetzt wird, es sei denn, dieser Mensch ist Mitglied einer Terrorgruppe. Wir verurteilen solche Taten. Wir sind gesetzestreue Bürger und werden den Behörden jeden melden, der eine Tochter für einen Selbstmordanschlag hergibt."

Der Politik-Experte Abdullahi Inuwa erinnert an die nigerianische Verfassung, die vorschreibe, dass alle Bürger mit den Behörden kooperieren, wenn dies nötig sei. Gleichzeitig müsse aber auch das Militär, das vielfach Schlagzeilen aufgrund von Gewalt gegen Zivilisten gemacht hat, an seiner Haltung arbeiten: "Erst dann werden die Menschen Vertrauen fassen und Informationen weitergeben. Und dann wird auch dieser Krieg irgendwann enden."

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