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Aktuell Afrika

Nigeria nun doch offen für Verhandlungen mit Extremisten der Boko Haram

Der Führer der Islamistengruppe Boko Haram, Shekau, verlangte im Austausch für entführte Schülerinnen die Freilassung inhaftierter Mitglieder. Die Regierung Nigerias signalisierte erstmals Verhandlungsbereitschaft.

Rund einen Monat dauert nun schon das Entführungsdrama in Nigeria, weltweit wächst die Empörung. Die Regierung in Abuja, der oft Unfähigkeit vorgeworfen wurde, zeigte sich nun zum ersten Mal bereit, mit den Kidnappern der 200 verschleppten Schülerinnen zu verhandeln. Bisher waren Kontakte zu der Terror-Sekte Boko Haram immer ausgeschlossen worden, Gerüchte über einen möglichen Dialog wurden vehement dementiert.

"Nigeria war immer zum Dialog mit den Aufständischen bereit", behauptete jetzt der Minister für besondere Angelegenheiten, Taminu Turaki. Er leitete im vergangenen Jahr eine Kommission mit dem Auftrag, mit Boko Haram über ein Amnestie-Programm zu beraten. Die Regierung sei bereit, "über alle Probleme zu sprechen" und dazu gehöre die Entführung der Mädchen, erklärte er weiter. In einem Interview forderte er die Islamisten auf, Vertreter zu Verhandlungen zu entsenden.

Trotz dieser diplomatischen Signale kündigte Präsident Goodluck Jonathan an, den Ausnahmezustand in den umkämpften drei nördlichen Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa um ein halbes Jahr zu verlängern. Der Sonderstatus sollte dazu dienen, die Militäraktionen gegen die Boko-Haram-Milizen stärker und wirkungsvoller zu gestalten.

Boko-Haram-Kämpfer hatten Mitte April eine Schule in der Stadt Chibok im nordöstlichen Staat Borno überfallen und 276 überwiegend christliche Schülerinnen verschleppt. Einige konnten fliehen, doch werden noch immer 223 Schülerinnen vermisst. Vor einer Woche entführte die Gruppe, die für einen islamistischen Staat Nigerias kämpft, elf weitere Mädchen. Boko Haram will die Geiseln nur im Austausch gegen inhaftierte Sektenmitglieder freilassen, wie ihr Anführer Abubakar Shekau in einem Propagandavideo erklärte.

Am Montag waren etwa 130 der verschleppten Schülerinnen in einem Video vorgeführt worden. Sie wurden im Ganzkörperschleier beim gemeinsamen Gebet gezeigt. Der Gouverneur von Borno, Kashim Shettima, erklärte, dass die gezeigten Mädchen Schülerinnen der Schule in Chibok seien. Sie seien alle "identifiziert" worden. Auch die Eltern vieler Mädchen erkannten ihre Töchter.

Die USA wollen mit Aufklärungsflügen die Suche nach den Entführten voranbringen. Der Kommandeur des US-Afrikakommandos, General David Rodriguez, traf am Dienstag in Abuja ein, um mit der nigerianischen Regierung über US-Unterstützung zu sprechen.

SC/wl (adp, rtre, KNA)