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Wirtschaft

Nigeria kämpft gegen die Pharma-Mafia

Nigeria hat ein Problem mit gefälschter Arznei. Laut staatlicher Regulierungsbehörde NAFDAC waren 2002 rund 60 Prozent aller Medikamente Plagiate. Das Land beschloss zu handeln - mit Erfolg, wie sich mittlerweile zeigt.

In einem Lagerhaus sammelt die Regulierungsbehörde NAFDAC beschlagnahmte Medikamente

Beschlagnahmte Medikamente: In den vergangenen Jahren vernichtete die Regulierungsbehörde NAFDAC Plagiate im Wert von 100 Millionen US-Dollar

1990 sterben 109 Kinder an einem Hustensaft, der mit giftigem Lösungsmittel verdünnt wurde. Ungenehmigte Antibiotika-Test kosten 1996 zahlreiche Kinder das Leben. Und 2003 sterben drei Kinder an einem unwirksamen Herzkreislauf-Mittel.

Über Jahrzehnte waren mindestens 60 Prozent aller verfügbaren Medikamente entweder unwirksam oder lebensgefährlich. Das verhalf Nigeria zu einer zweifelhaften Spitzenposition in den weltweiten Statistiken für Arzneimittelfälschungen.

Unkontrollierte Arznei-Schwemme

Für die Schwemme gibt es viele Gründe: intransparente Vertriebswege, keine staatliche Regulierung und laxe Sanktionen gegen schwarze Schafe. Oft fehlt auch einfach das Problembewusstsein.

Etwa zehn Prozent aller Medikamente weltweit sind gefälscht, schätzt Valerio Reggi von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Darunter haben vor allem die Entwicklungsländer zu leiden. Das größte Problem sieht er in der Armut dieser Länder – und darin, dass ihr Gesundheits-System nicht funktioniert.

Vor allem der Vertrieb von Medikamenten ist ein Problem, denn die meisten Mittel sind noch immer ohne Rezept erhältlich. Für Hinterhof-Produzenten und ihre gepanschten Präparate ist das geradezu eine Einladung.

Das weiß auch Hashim Ubale Yusufu von der nigerianischen Regulierungsbehörde NAFDAC. Deswegen hat die Behörde in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen gestartet. Mit Erfolg, denn die Zahl der gefälschten Antibiotika, Chemotherapie-Mittel und Entzündungs-Hemmer sei um 80 Prozent gesunken. Für Yusufu kein Zufall: Neben dem Kampf gegen Korruption habe man eine Öffentlichkeitskampagne ins Leben gerufen, um die Menschen besser zu informieren.

An der Kampagne beteiligten sich neben der Regulierungsbehörde auch Zoll, Polizei und andere Institutionen wie die Verbraucherverbände und Vertreter der 92 nigerianischen Pharma-Hersteller.

Und das scheint Wirkung zu zeigen: Yusufu glaubt, dass die gefälschten Arzneimittel heute ausschließlich aus dem Import kommen.

Besonders wichtig: Import verhindern

Als Ursprungsländer der Fälschungen sieht er wie WHO-Experten vor allem China, Indien und einzelne Länder Südostasiens. Ein echtes Problem für Nigeria, denn 70 Prozent der eingenommen Pillen kommen aus dem Ausland – meist aus diesen Ländern.

Um auch diese Grauzone zu schließen, wurden Kontrolleure in die Fabriken nach China und Indien entsandt und der Zulassungs-Prozess für Medikamente gestrafft. Unregistrierte Mittel werden an Flughäfen sofort beschlagnahmt. In den vergangenen Jahren konnte die Behörde so Plagiate im Gesamtwert von 100 Millionen US-Dollar vernichten. Außerdem hat die Behörde eine Liste von 30 unerwünschten ausländischen Pharma-Firmen veröffentlicht.

Für die Kontrolleure der Arzneimittel-Plagiate allerdings oft ein Spiel mit ihrem Leben: erst 2004 gingen zahlreiche Lagerhallen der Regulierer in Flammen auf. 2003 gab es gar einen bewaffneten Angriff auf die Leiterin von NAFDAC, Dora N. Akunyili.

Kein Grund für Yusufu, den eingeschlagenen Weg zu korrigieren. Im Gegenteil: Der Kampf gegen die Medikamenten-Mafia könne jetzt erst richtig losgehen.

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