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Afrika

Niger auf dem Weg in die Demokratie

Am Samstag haben die Nigrer einen neuen Präsidenten gewählt. Damit endet nach einem Jahr die Militärherrschaft im Land. Die aussichtsreichsten Kandidaten: ein langjähriger Oppositioneller und der Ex-Premierminister.

Mahamadou Issoufou (Foto: DW)

Nigers neuer Präsident? Mahamadou Issoufou

Mahamadou Issoufou – so heißt der Favorit, der schon vor dem ersten Wahlgang als möglicher Gewinner der Präsidentschaftswahl gehandelt wurde. Tatsächlich erhielt seine Partei für Demokratie und Sozialismus, kurz PNDS, im ersten Wahldurchlauf die meisten Stimmen und sicherte ihrem Spitzenkandidaten so einen Platz für die Stichwahl. Als langjähriger Oppositionskandidat verkörpert Issoufou für viele Aufbruch und Wandel. Sein ambitioniertes Wahlprogramm scheint sie zu überzeugen. Sein Programm verspreche einen neuen Wirtschaftsaufschwung für das Land, sagt ein Händler aus der Hauptstadt Niamey. "Er hat überzeugende Pläne, wie wir die hohe Armut und Jugendarbeitslosigkeit in unserem Land bekämpfen können. Das verpflichtet uns, für ihn zu stimmen."

Neuanfang für die alte Garde?

Frau im Wahllokal (Foto: DW)

Wählerin in Tahoua/Niger

Bei anderen dagegen kommen die Versprechungen Issoufous nicht so gut an. Sie halten das Programm für schlichtweg zu ambitioniert und nicht umsetzbar. Das gelte vor allem angesichts der großen Herausforderungen, vor denen das Land stehe: Neben der hohen Jugendarbeitslosigkeit sorgen Dürreperioden immer wieder für Hunger. Issoufous Kritiker unterstützen daher den Vertreter der alten Garde, Seyni Oumarou. "Es stimmt, das Wahlprogramm von Seyni Oumarou ist eine Fortführung des Werkes unseres gestürzten Präsidenten Mamadou Tandja", sagt ein Lehrer aus Niamey. Aber selbst die Opposition im Niger habe irgendwann anerkannt, dass sein Programm sehr gut sei, vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales. "Bei dem Programm von Mahamadou Issoufou dagegen frage ich mich, wie er es finanzieren will, denn es will zu viel auf einmal."

Seyni Oumarou gilt als enger Vertrauter des im Februar 2010 gestürzten Präsidenten Mamadou Tandja. Von 2007 bis 2009 war er unter ihm Premierminister. Und auch wenn seine Partei, die Nationale Bewegung für Fortschritt der Gesellschaft, MNSD, nach inneren Streitigkeiten an Einfluss verloren hat, ist sie nach wie vor gut lokal vernetzt. Und das ist in einem so großen Land, das nur dünn besiedelt ist und eine Analphabetenrate von über 80 Prozent hat, ein wichtiger Faktor. Hier entscheidet oft noch die Meinung traditioneller Führungspersönlichkeiten, welcher Kandidat die Wahl gewinnt.

Chancen auf friedlichen Wechsel

Seyni Oumarou (Foto: AP)

Ex-Premier Seyni Oumarou

Gegen Seyni Oumarou sprechen allerdings zahlreiche Korruptionsaffären, in die er und seine Partei verwickelt sind und die von der Interimsmilitärregierung aufgedeckt wurden. Sie spielen nun im Wahlkampf der Opposition in die Hände. Diese hat gute Chancen, die Abstimmung zu gewinnen, glaubt Sebastian Elischer, Niger-Experte beim GIGA-Institut in Hamburg. Er ist trotz der politischen Spannungen davon überzeugt, dass die Stichwahlen ruhig verlaufen werden. Im Niger sei es schon in der Vergangenheit zu friedlichen und demokratischen Machtwechseln gekommen, erklärt Elischer. "Das heißt, die Tatsache, dass hier eine frühere Regierungspartei in die Opposition gewählt werden könnte, ist nicht neu im Niger. Und es war auch in der Vergangenheit so, dass die Verlierer die Wahlergebnisse immer anerkannt haben."

Wie Elischer gehen die meisten Experten davon aus, dass der Kandidat der Opposition, Mahamadou Issoufou, als Sieger hervorgehen wird. Denn – anders als noch vorher angekündigt – hat nun der drittstärkste Kandidat aus dem ersten Wahlgang, Hama Amadou, dem Favoriten seine Unterstützung zugesagt. Somit dürfte Issoufou problemlos vorne liegen. Die wahre Herausforderung beginnt jedoch erst nach den Wahlen. Dann hat der potenzielle Gewinner genau fünf Jahre Zeit, um die groß angekündigten Wahlversprechen auch umzusetzen.

Autorin: Elisabeth Jahn

Redaktion: Christine Harjes