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Fußball

Niersbach: "WM-Titel muss unser Ziel sein"

DFB-Präsident Niersbach wünscht sich im DW-Interview bei der WM in Brasilien den Titel, bremst aber die Erwartungen. In der Bundesliga sieht er die Bayern favorisiert, jedoch nicht so sehr wie in der Vorsaison.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vor dem in Eis eingefassten Wappen des Deutschen Fußball-Bundes. (Foto: Uwe Zucchi dpa/lhe)

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

Vor dem Freundschaftsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Paraguay blickte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach im Interview mit der Deutschen Welle auf die bevorstehende Weltmeisterschaft in Brasilien und auf die Lage der Bundesliga.

DW: Das ausverkaufte Stadion in Kaiserlautern beim Länderspiel gegen Paraguay und die 25.000 Fans beim öffentlichen Training haben gezeigt: Deutschland ist heiß auf die Nationalmannschaft und die WM und lechzt nach einem Titel. Sie auch?

Wolfgang Niersbach: Wer sehnt sich nicht danach? Ich weiß ja noch gut, wie sich so etwas anfühlt, weil ich als Pressechef 1990 [Anmerkung der Redaktion: Gewinn des WM-Titels in Italien] und 1996 in Wembley beim Gewinn der Europameisterschaft dabei sein durfte. Aber wir können die Wünsche äußern und das Ziel ausgeben. Das Problem im Fußball ist ja, dass da immer elf andere auf dem Platz stehen, die so ziemlich genau das Gegenteil wollen. Erst einmal müssen wir uns qualifizieren. Und wenn wir dann dabei sind, wird es vielleicht schon nach dem Achtelfinale in der K.o.-Runde jedes Mal eine 50:50-Situation. Aber wir haben eine starke Truppe. Wir sind selbstbewusst und sagen: Ja, natürlich muss der Titel unser Ziel sein!

Nur Brasilien und Deutschland immer dabei

Was sind Ihre Wünsche für die nächsten vier Qualifikationsspiele? Bundestrainer Joachim Löw hat ja bereits gesagt, er will als Tabellenerster und ungeschlagen zur WM fahren?

Da kann ich mich nur anschließen. Und das könnten wir jetzt auch noch mit breiterem Kreuz sagen, wenn wir das historische 4:4 gegen Schweden nicht erlebt hätten. Aber das ist nun mal passiert, jetzt haben wir die zwei Punkte da nicht abbuchen können. Aber wir sind immer noch souverän Erster und es kann ja gut sein, dass wir sogar schon im September, also nach den Spielen gegen Österreich und Färöer sagen können: Wir sind in Brasilien dabei. Wir sind übrigens neben Brasilien die einzige Mannschaft, die sich seit 1954 immer qualifiziert hat. Dies fortzusetzen wäre schon mal eine große Leistung.

Schwedens Johan Elmander erzielt ein Tor beim WM-Qualifiaktionsspiel gegen Deutschland. (Foto: Thomas Eisenhuth/dpa)

Deutschland kassierte trotz einer 4:0-Führung gegen Schweden noch den Ausgleich

Es ist auch eine große Leistung, dass mit Bayern München und Borussia Dortmund zwei deutsche Mannschaften im letzten Champions-League-Finale standen. Nun hat die Bundesliga gerade wieder begonnen. Sehen Sie die beiden und vor allem den FC Bayern München auch so exponiert? Wie ausgeglichen ist die Bundesliga Ihrer Meinung nach?

Ich wage mal eine Prognose: Es werden in keinem Fall am Ende der Saison zwischen Platz eins und zwei 25 Punkte liegen. Das war ja eine außergewöhnliche Situation in der Vorsaison. Und der Start hat ja schon gezeigt, was in dieser Liga drin ist. Ich habe selber zwei Spiele gesehen: München gegen Mönchengladbach und Mainz gegen Stuttgart - auch ein hervorragendes Spiel. Ich sage immer: Der gewissenhafte Prophet wartet den Eintritt der Ereignisse ab. Natürlich sind die Bayern der Favorit. Das gehört nun mal zum Fußball. Im Gegensatz zu Kino, Schauspiel oder Theater – da gehen die Stücke seit 100 Jahren immer gleich aus. Im Fußball werden wir immer wieder Überraschungen erleben.

Der deutsche Fußball steht international blendend da. Nun soll es auch Blut-Dopingproben geben. Wie weit ist Deutschland im Anti-Doping-Kampf und könnte die Bundesliga auch international eine Vorreiterrolle spielen?

Wir haben gerade einen Brief von der FIFA bekommen. Von Jiri Dvorak, dem Leiter der medizinischen Kommission, der expressis verbis sagt: Es gibt zwei Verbände in der FIFA, die eine Vorbildfunktion und eine Vorreiterrolle im Anti-Doping-Kampf haben. Das sind England und Deutschland.

Wolfgang Niersbach berichtete über 15 Jahre lang als Sportredakteur der Sportnachrichtenagentur sid unter anderem über den Fußball und die Nationalmannschaft. Als Pressechef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) begleitete er die Nationalmannschaft von 1988 bis 2001, wurde später geschäftsführender Vizepräsident und Pressechef des Organisationskomitees zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Danach durchlief er weitere Posten bis hin zum DFB-Generalsekretär. Im März 2012 übernahm Niersbach die Nachfolge von Theo Zwanziger als Präsident des DFB.

Das Interview führte Olivia Fritz.