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Fußball

Niersbach: Kein Kommentar

Keine Äußerung zu den angeblich von ihm stammenden Handschrift-Notizen in einem brisanten Brief: Die Situation für DFB-Präsident Niersbach vor den Sitzungen von Präsidium und Amateurchefs wird immer schwieriger.

Vor der außerordentlichen Präsidiumssitzung und dem nicht minder brisanten Treffen mit den Chefs der Amateurverbände wächst der Druck auf DFB-Boss

Wolfgang Niersbach.

Nach der Veröffentlichung eines Dokuments mit angeblich handschriftlichen Notizen von Niersbach auf einem Briefentwurf des WM-Organisationskomitees an die FIFA aus dem Jahr 2004 durch das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gerät der Topfunktionär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch mehr in Erklärungsnot. Eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen gab es am Samstag weder von Niersbach noch vom DFB. "Wir kommentieren dies nicht", hieß es vonseiten des Verbandes.

In den Brief sind die Worte "das vereinbarte Honorar für H.L.D." geschrieben. "H.L.D." stehe demnach für Herrn Louis-Dreyfus. Autor der Notiz soll Niersbach sein, dies legen nach "Spiegel"-Angaben Vergleichsproben mit seiner Handschrift nahe. Von dem Dokument hatte das Nachrichtenmagazin seit drei Wochen berichtet, es nun aber erstmals als Faksimile veröffentlicht. Sollte die Notiz tatsächlich von Niersbach stammen, wäre belegt, dass der DFB-Präsident nicht wie von ihm behauptet erst in diesem Sommer von dem dubiosen Geldfluss im Zuge der Vorbereitungen zur WM 2006 erfahren habe. Niersbach hatte beteuert, in die Absprachen einer Rückzahlung der Summe von 6,7 Millionen Euro an den früheren Adidas-Chef Louis-Dreyfus nicht eingebunden gewesen zu sein.

Auf dem Prüfstand

Am Montag befassen sich nicht nur die Mitglieder des DFB-Präsidiums mit dem neuen Sachstand im Skandal um die Macher des Sommermärchens. Anschließend muss sich Niersbach auch vor den Chefs der fünf Regional- und 21 Landesverbänden erklären - traditionell kein Heimspiel für den DFB-Boss. Beide Sitzungen waren einberufen worden, um die Lage nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen Niersbach, seinen Vorgänger Theo Zwanziger und den früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt zu erörtern.

Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger (Foto: Getty Images)

Horst R. Schmidt (l.) und Theo Zwanziger im Jahr 2007

Bislang galt ein Rücktritt Niersbachs am Montag als unwahrscheinlich. Vielmehr erhofften sich die Funktionäre von ihrem Vorsitzenden ein aktives Mitwirken an der Aufklärung der Anschuldigungen. Durch die Handschrift-Probe hat sich die Lage allerdings nochmals verschärft. Weder DFB-Präsidium noch die Amateurvertreter alleine können Niersbach laut Statuten von seinen Aufgaben entbinden. Ein Vertrauensentzug würde aber die Demission des 64-Jährigen unausweichlich machen.

Sollte

Steuerhinterziehung

bewiesen werden, könnte dem DFB für das Jahr 2006 sogar die Gemeinnützigkeit aberkannt werden - eine Strafzahlung in zweistelliger Millionenhöhe könnte die Konsequenz sein, berichtet "Der Spiegel". Dieses Szenario sei beim DFB bislang kein Thema, hieß es aus Verbandskreisen.

Niersbachs Reisepläne

Jerome Champagne (Foto: picture alliance)

FIFA-Präsidentschaftskandidat Jerome Champagne

Die Reise mit der Nationalmannschaft nach Paris zum Testspiel gegen Frankreich am kommenden Freitag will sich Niersbach nicht nehmen lassen. Wie geplant solle er die Delegation des Deutschen Fußball-Bundes anführen, hieß es vom DFB. Offen sei jedoch noch, ob Niersbach mit der Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag von München aus nach Frankreich fliegt. Am Dienstag will Niersbach zu einer UEFA-Sitzung nach Nyon in die Schweiz reisen. Auf der Gästeliste des Sportpresseballes am Samstagabend in Frankfurt stand Niersbach nicht mehr.

Eine Reaktion der internationalen Fußball-Gremien steht weiter aus. Die FIFA-Ethikkommission hatte betont, sie "beobachte die Lage in Deutschland". FIFA-Präsidentschaftskandidat Jerome Champagne forderte den DFB derweil auf, "alles sauber aufzuklären, Reformen anzugehen, damit die Wahrheit ans Licht kommt", sagte er dem TV-Sender Sky. Auch Niersbach müsse Verantwortung übernehmen. "Es läuft eine Untersuchung und alle beim DFB müssen offen damit umgehen."

ck/hw (dpa)

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