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Fußball

Niersbach: Blatter-Wiederwahl gekauft

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung belastet der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei seiner Freshfields-Befragung Franz Beckenbauer: Die Wiederwahl von FIFA-Boss Joseph Blatter 2002 sei gekauft.

Der im Zuge der WM-Affäre zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat Franz Beckenbauer im Gespräch mit der ermittelnden Kanzlei Freshfields offenbar schwer belastet. Das geht aus Vernehmungsprotokollen hervor, aus denen die "Bild"-Zeitung am Dienstag zitiert. Demnach sei die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die angeblich vom verstorbenen Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus stammten, inoffiziell an die Finanzkommission des Weltverbandes FIFA geflossen, um damit 2002 die Wiederwahl von Präsident Joseph S. Blatter zu finanzieren.

Niersbach erinnere sich laut der Protokolle, dass Beckenbauer ihm 2002 nach Blatters Wiederwahl gesagt habe: "Der ist auch mit meinem Geld gewählt worden." Ähnlich soll sich auch der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans geäußert haben. Beim FIFA-Kongress 2002 in Seoul, bei dem Blatter im Amt bestätigt wurde, habe Beckenbauer auf die Frage, wem Blatter seine Wiederwahl zu verdanken habe, auf sich gezeigt.

Oder doch eine FIFA-Forderung?

Beckenbauer hatte Ende November die ominöse Überweisung der WM-Macher von 6,7 Millionen Euro an die FIFA aus dem Jahr 2005 mit fragwürdigen Begleitumständen eines drei Jahre zuvor vereinbarten Deals begründet: Die FIFA-Finanzkommission soll 2002 für einen späteren Organisationszuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken eine Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) verlangt haben.

Der Präsident des deutschen FIFA Organisationskomitees, Franz Beckenbauer (l.), spricht am 07.12.2005 mit seinem Vize-Präsidenten, Wolfgang Niersbach (r.) (Foto: Peter Endig/dpa)

Bilder aus alten Tagen: Franz Beckenbauer (l.) und Wolfgang Niersbach im Dezember 2005

Außer Beckenbauer hatten zuvor auch Niersbach und weitere Mitglieder des WM-Organisationskomitees die FIFA-Forderung als Voraussetzung für den Millionen-Zuschuss genannt. Blatter bezeichnete diese Darstellung im Spiegel-Interview als

"absurd".

Der Zuschuss für die deutschen WM-Macher sei "an keinerlei Bedingungen durch die FIFA geknüpft" gewesen.

Verärgerung beim DFB

Bei ihren Ermittlungen ist die Kanzlei Freshfields angeblich auch auf ein Dokument gestoßen, das eine Bestechung des verstorbenen FIFA-Exekutivmitglieds Charles Dempsey aus Neuseeland vor der Abstimmung des Gremiums über den WM-Gastgeber 2006 nahelegt. Die Frage, ob aus der Codierung des Papiers zu schließen sei, dass Dempsey am Vorabend der WM-Vergabe 250.000 US-Dollar erhalten habe, verneinte Niersbach. Das Dokument soll eine Vorzimmer-Dame Niersbachs in einem Ordner entdeckt haben. Laut "Bild" legte Freshfields in den Vernehmungen keine Belege dafür vor.

Das offizielle Ergebnis der externen Ermittlungen soll frühestens Ende Februar vorliegen. Der DFB will den Bericht trotz der vorzeitigen Veröffentlichungen nicht früher als geplant bekanntgeben. "Es bleibt trotz dieser äußerst ärgerlichen Indiskretionen dabei, dass Freshfields seine gesamten Ergebnisse vorstellt, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind", teilte der Verband am Dienstag mit. "Ich bedauere, dass Infos durchgestochen worden sind", sagte der mögliche Niersbach-Nachfolger

Reinhard Grindel

in Berlin. Der Verband betonte, dass weder der Präsidialausschuss noch das Präsidium Zugang zu den Protokollen der externen Ermittler der Kanzlei Freshfields hatten.

FIFA-Präsident Sepp Blatter wird mit Geldscheinen beworfen (Foto: EPA/ENNIO LEANZA)

Immer wieder Gerüchte um Blatter und kein Ende in Sicht

Schweizer schalten sich ein

In der WM-Affäre des DFB ermittelt nun offenbar auch die Schweizer Bundesanwaltschaft. Wie "Spiegel Online" am Montagabend berichtete, hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft ihre eidgenössischen Kollegen eingeschaltet. Demnach haben die Strafverfolger in Bern in der vergangenen Woche ein Rechtshilfeersuchen erhalten. Gegen den DFB wird im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem "besonders schweren Fall" ermittelt.

Die Frankfurter Strafverfolger wollen klären, wann und wofür der bis zu seinem Tod in der Schweiz lebende Louis-Dreyfus den deutschen WM-Bewerbern umgerechnet 6,7 Millionen Euro geliehen hatte. Dem DFB, der die Summe als Betriebsausgabe auswies, könnte eine

Steuernachzahlung

inklusive Zinsen in Höhe bis zu 25 Millionen Euro drohen, vor allem im Falle einer nachträglichen Aberkennung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006.

ck/mak (sid)

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