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Amerika

Niemand kennt die Kosten der Ölkatastrophe

Das Öl im Golf von Mexiko scheint gestoppt. Doch die Region kann kaum aufatmen. Die Kosten der Katastrophe sind gigantisch. Wie viel Geld für Umweltschäden und Ausfälle gezahlt werden muss, kann noch niemand sagen.

Unterwasseraufnahme an der Bohrstelle (Foto: AP)

Das Loch gestopft: Die Vorrichtung im Golf von Mexiko

Es war eine heikle Aussage: "BP wird alle notwendigen Reinigungsarbeiten bezahlen", hatte Lamar McKay, Präsident von BP Amerika, im Mai vor einem Ausschuss im US-Kongress gesagt. "Und wir werden auch alle legitimen Ansprüche erstatten."

Schlagzeile der britischen Financial Times (Foto: AP)

Aufmacherthema weltweit: Das Ende der Ölpest?

Doch wie teuer all das wird, das weiß McKay gar nicht. Niemand weiß das. Selbst wenn in den kommenden Monaten wirklich kein Öl mehr austreten sollte: Die Region ist verseucht und alle Versuche, die dramatische Lage zu mildern, werden teuer.

BP zahlt Tourismus-Werbefilme

Rund 940 Kilometer Strand sind an der US-Küste bereits von Öl verdreckt, mehrere Nationalparks bedroht. Die Tourismusbranche ist alarmiert. Verzweifelt zeigen Badeorte wie Pensacola in Florida Werbefilme zur besten TV-Zeit auf CNN und Co. Die Aussage: Es ist noch immer schön hier. Ein Großteil der Werbefilme wird von BP finanziert.

Und 35 Prozent der US-Gewässer sind immer noch für die Fischerei gesperrt. Viele Fischer haben ihre Jobs verloren, manche brauchen nun psychologische Hilfe. Die Behörden von Louisiana schickten BP zwei Briefe und baten um 10 Millionen US-Dollar für die Betreuung für die Fischer. Doch der Ölkonzern spricht nur von einem "guten Dialog", gezahlt hat er noch nichts.

Reichen 20 Milliarden Dollar?

Über 3,5 Milliarden US-Dollar will BP schon ausgegeben haben: Für den Versuch, das Leck zu stopfen, die Gewässer zu reinigen und für die Entschädigung der Bevölkerung. Das Weiße Haus in Washington brachte BP dazu, einem Fonds mit 20 Milliarden Dollar zuzustimmen. Das klingt nach viel Geld, jedoch streckt BP diese Summe auf einen Zeitraum von vier Jahren. Nach Einschätzung von vielen Beobachtern will sich BP mit dem Fonds eine bessere Verhandlungsposition verschaffen und allzu teure Gerichtsurteile verhindern.

Obama beim Statement zur jüngsten Entwicklung im Golf von Mexiko (Foto: AP)

Katastrophe hat auch seinem Image geschadet: US-Präsident Barack Obama

Ob die 20 Milliarden Dollar ausreichen, ist unklar. Und damit ist auch unklar, ob BP nicht noch viel tiefer in die Tasche greifen muss. US-Präsident Barack Obama sagte denn auch am Freitag (16.07.2010): " BP muss den Schaden bezahlen, den es angerichtet hat. Sie müssen nicht nur für die Umweltschäden und die Reinigungsarbeiten aufkommen. Sie müssen auch die Menschen entschädigen."

Kaum jemand will eine Pleite von BP

Neben dem Hilfsfonds stemmt BP eigene Ausgaben für die Reinigungsarbeiten und eine millionenschwere Marketingkampagne in den USA. Zum Verhängnis werden könnte BP ein US-Gesetz für sauberes Wasser. Danach könnten die USA von BP Schadenersatz für jeden Liter ausgelaufenen Öls verlangen – bis zu 27 Dollar pro Liter. Dies würde zu weiteren Milliardenkosten führen.

Doch bei aller Verzweiflung, bei aller Wut auf BP und bei aller Geldnot. Kaum jemand will, dass BP so viel zahlen muss, dass der Konzern Pleite geht. Dann nämlich wäre der Hilfsfonds bedroht. Viele fürchten auch, dass sich BP aus der Region zurückzieht und vor anderen Kontinenten nach Öl bohrt. Dann würden die Golfstaaten viele Arbeitsplätze verlieren. Die Kosten der Ölkatastrophe würden ein weiteres Mal steigen.

Autor: Benjamin Hammer

Redaktion: Marko Langer

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