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Wirtschaft

Niedriger Ölpreis macht die OPEC nervös

Der Ölpreis ist seit seinem Hoch im Sommer um etwa zwei Drittel gesunken. Verbraucher freut das. Ölförderländer dagegen ärgert der Preisverfall. Sie werden wohl mit einer Verknappung ihres Angebots reagieren.

Zapfsäule (AP Photo/Christof Stache)

Der Ölpreis sinkt und mit ihm die Benzin-, Diesel- und Heizölpreise

Die vielen trüben Wirtschaftsmeldungen über schwächelnde Autobauer, angeschlagene Banken und weltweite Rezessionsängste haben in den vergangenen Wochen eine erfreuliche Nachricht an den Rand gedrängt: den rapiden Rückgang des Ölpreises. Seit seinem Höchststand im Juli 2008 bei fast 150 US-Dollar je Barrel sank er um zwei Drittel und liegt derzeit bei kaum mehr als 40 Dollar. Das ist so wenig wie im Jahr 2004.

Das freut Autofahrer an der Zapfsäule ebenso wie Hausbesitzer, die ihren Öltank für den Winter noch füllen müssen. Denn auch die Benzin- und Heizölpreise sind stark gefallen. Ein Liter Superbenzin kostet derzeit im Durchschnitt 1,13 Euro, ein Liter Diesel 1,09 Euro. Im Juli hatten Autofahrer in Deutschland für den Liter Benzin erstmals im bundesweiten Durchschnitt 1,60 Euro zahlen müssen. Gleichzeitig stieg der Dieselpreis auf 1,56 Euro je Liter. Der Liter Heizöl kostet 98 Cent, während es derzeit nur noch 55,70 Cent sind. Der Hamburger Energieinformationsdienst (EID) sprach deshalb bereits von einem "Heizölpreiskollaps", so drastisch sei der Wert gefallen.

Infografik Entwicklung des Ölpreis 5 Jahres-Chart deutsch Datum 10.12.2008 Grafik DW/Olof Pock

Gründe für den Preisverfall

Zwei Hauptursachen gibt es nach Einschätzung von Fachleuten für den Preisverfall: Zum einen haben die Märkte das stark übertriebene Niveau der Sommermonate korrigiert. Dieses war entstanden, weil Finanzinvestoren in der Krisenzeit in Rohstoffe auswichen und dort vehement investierten. Als die Krise sich weiter verschärfte und auch der Ölmarkt sich überhitzte, begannen Investoren, ihr Geld wieder abzuziehen. Der andere Grund ist die in vielen Ländern grassierende Rezession, die auf die Nachfrage nach Öl drückt und damit auch auf den Preis.

Ein "gerechter Preis", sagte Saudi-Arabiens König Abdullah in einem Zeitungsinterview, liege bei 75 Dollar. Diese Einschätzung teilt auch die Rohstoff-Expertin der Deka Bank, Dora Borbély. Die Ölförderländer stürze der Preisverfall in ein Dilemma, sagt sie. Dieses werde die OPEC auch bei ihrem nächsten Treffen am 17. Dezember kaum auflösen können. "Einerseits sinken ihre Einnahmen aufgrund der Preisrückgänge. Wenn sie jetzt auch noch die Fördermengen kürzen, dann haben sie noch weniger Einnahmen", sagt Borbély. Sie geht trotzdem davon aus, dass die OPEC eine Fördermengenkürzung um mindestens eine Million Barrel beschließen werde. Derzeit gelangen täglich etwa 83 Millionen Barrel auf die Weltmärkte, wovon die OPEC etwa 40 Prozent produziert.

Vergebliche Verknappung des Angebots?

Das Werksgelände der Sinopec Zhenhai Refining & Chemical Company Limited in Ningbo in der Provinz Zhejiang bei Nacht. (Aufnahme vom 1.4.2002).

Raffinerien in China drosseln ihre Produktion

Mit der Fördermengenkürzung verfolgt die OPEC das naheliegende Ziel, das Angebot auf den Märkten zu verknappen und so den Preis in die Höhe zu treiben. Aus Borbélys Sicht werden die Ölländer damit aber zumindest kurzfristig keinen Erfolg erzielen. Denn auch die Nachfrage geht zurück - und zwar erstmals seit rund einem Vierteljahrhundert. Das teilte die US-Energie-Informationsbehörde (EIA) am Dienstag mit. Demnach wird der weltweite Bedarf nach Öl in diesem Jahr um 50.000 Barrel pro Tag und 2009 sogar um 450.000 Barrel pro Tag abnehmen. Die EIA-Prognose ist die erste größere Vorhersage eines weltweit sinkenden Energiebedarfs infolge der Finanzkrise. Das letzte Mal sank die Öl-Nachfrage der Behörde zufolge im Jahr 1983.

Auch in der ölverarbeitenden Industrie macht sich die schwache Nachfrage bemerkbar. So wollen die größten Raffinerien Chinas einer Reuters-Umfrage zufolge ihre Produktion auf das niedrigste Niveau seit fast zwei Jahren zurückfahren. Zwölf größere Raffinerien, die für ein Drittel der gesamten Kapazität stehen, wollen im Dezember ungefähr fünf Prozent weniger Benzin oder Heizöl herstellen als im November.

Preisanstieg erst wieder im Frühjahr oder Sommer 2009

Rohstoffexperten wie Borbély und andere erwarten erst für das Frühjahr oder den Sommer 2009 wieder steigende Ölpreise von dann 50 Dollar und mehr je Barrel. Erst dann dürfte die Verknappung des Angebots Wirkung zeigen. Zudem seien mittel- und langfristig steigende Preise nicht vermeidbar, meint Borbély: "Denn die Nachfrage nach Rohöl ist insgesamt kräftiger als die Möglichkeit, das Angebot auszuweiten." Langfristig hänge der Preisanstieg auch davon ab, wann es für den Massenmarkt Alternativen zu Rohöl gebe. Diese sind nach ihrer Einschätzung grade im Bereich Kraftstoffe noch überhaupt nicht absehbar. "Solange da keine echten Alternativen auf den Markt kommen, rechnen wir ganz fest mit steigenden Rohölpreisen."

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