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Deutschland

Niedersachsenwahl: Wer hat am Ende die Nase vorn?

Die Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag (27.1.2008) scheint schon entschieden zu sein. Ministerpräsident Wulff (CDU) hält Meinungsforschern zufolge alle Trümpfe in der Hand. Ist Herausforderer Jüttcher chancenlos?

So könnte es auch wieder am Sonntag sein: Christian Wulff (CDU) in Jubelstimmung, Quelle: AP (02.02.2003)

Christian Wulff: Ist er am Sonntag der lachende Sieger?

Wenn man den Umfragen der Wahlforschungsinstitute Glauben schenken darf, dann ist das Ergebnis der Wahl in Niedersachsen, dem flächenmäßig zweitgrößten Land der Bundesrepublik, jetzt schon entschieden.

Laut Umfrageergebnissen liegt CDU vorn

So veröffentlichte die Berliner Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung, Infratest dimap, Mitte Januar Zahlen, wonach die CDU mit 44 Prozent deutlich vorne liegt. Zusammen mit der FDP (7 Prozent) würde sich eine Neuauflage der bisherigen Koalition ergeben, weil die SPD-Opposition nur 34 Prozent der Stimmen erhielt. Eine Regierungsbildung zusammen mit den Grünen (7 Prozent) wäre für die SPD demnach nicht möglich.

Den Trend bestätigte auch die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen kurz darauf: CDU 46 Prozent, SPD 33 Prozent, FDP und Grüne jeweils sieben Prozent. Außerdem sollte man die Linke nicht außer Acht lassen: Sie könnte laut jüngsten Umfragen über die Fünf-Prozent-Hürde in den Landtag einziehen.

Klare Sache für Wulff?

Aussichtslos scheint nach einer Umfrage des Mannheimer Forschungsinstitutes die Kandidatur von SPD-Herausforderer Wolfgang Jüttner für das Amt des Ministerpräsidenten zu sein. Wenn es eine Direktwahl gäbe, würden sich demnach bloß 23 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung für den selbst ernannten Parteisoldaten entscheiden, für Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hingegen stolze 57 Prozent.

SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner macht sich Hoffnungen, Quelle: AP

SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner macht sich Hoffnungen

"Die Popularität für Wulff ist ganz einfach da. Er hat seinen Job als Ministerpräsident nach Meinung der Menschen gut gemacht und hat sich um das Land gekümmert. Sein Erfolg ist aber nicht objektiv feststellbar, die Umfragewerte beruhen eher auf Sympathie und Wertschätzung", erklärt Matthias Jung, Leiter der Forschungsgruppe Wahlen.

Wulff ist - im Gegensatz zu seinem Pendant in Hessen, Roland Koch, - gänzlich ohne polarisierende Themen im Wahlkampf ausgekommen, dennoch oder vielleicht deshalb wird er trotzdem von den Menschen des Landes hoch geschätzt. Der Jurist habe das auch gar nicht nötig, sagt der Politikwissenschaftler Oscar Gabriel von der Universität Stuttgart.

Parteisoldat versus Schwiegersohn

"Wulff haftet das Etikett des populären Schwiegersohnes an. Auch wenn er ein schwaches Profil im Wahlkampf abgeliefert hat, profitiert er von seinem großen Amtsbonus. Die Erwartungshaltung in der Bevölkerung ist doch so, wenn er in seiner Amtszeit keine größeren Fehler gemacht hat und skandalfrei geblieben ist, dann ist das für alle in Ordnung", sagt Gabriel.

Als typisches Phänomen bezeichnet Gabriel Wulffs Status als Landesvater: "Er muss sich nicht über bestimmte Themen definieren, sondern überzeugt mit seiner Führungsqualität und Persönlichkeit. So ist es für Jüttner ausgesprochen schwierig, etwas dagegenzusetzen."

Eine Schülerin probiert sich an einer Tafel an der neuen Rechschreibregelung, Quelle: AP

Wulff möchte die Bildung in Niedersachsen voranbringen

Dem Image des 48-jährigen Wulff begegnete Gegenkandidat Jüttner mit seiner ganz eigenen Weise - nämlich der Taktik der lauten Worte. Jüttner kritisierte die Trennung Wulffs von seiner Ehefrau Christiane und den privaten Neubeginn mit seiner Partnerin, mit der er ein Kind erwartet. Von einer "Schmutzkampagne" sprach die CDU, von einem "Eigentor" des Kandidaten der hannoversche Kommunikationsprofessor Helmut Scherer. Denn Jüttners Kritik ziele auf eine eher konservative Klientel, bei der er ohnehin nichts gewinnen könne, sagte Scherer.

"Schlammschlacht" hilft Jüttner auch nicht weiter

Auch der Politikwissenschaftler Gabriel vertritt die Meinung, dass diese Schlagzeilen Wulff nicht geschadet haben. Ganz im Gegenteil: "Diese Aktion von Jüttner ist bei der Bevölkerung nicht gut angekommen. Zudem spielen in Deutschland die persönlichen Lebensverhältnisse gar nicht so eine große Rolle - anders als in den USA."

Ein Fensterputzer putzt Scheiben, Quelle: AP

Nicht nur für Fensterputzer will Jüttner Mindestlöhne einführen

Und so darf sich Wulff, der nach drei Anläufen 2003 Ministerpräsident für die CDU geworden ist, große Hoffnungen machen, noch fünf weitere Jahre Regierungschefs zu bleiben. Jüttner dagegen bleibt wohl weiterhin nur die zweite Reihe der Landespolitik. Es sei denn, die SPD in Niedersachsen kann unentschlossene Bürger noch für sich Lager mobilisieren. Die Anhänger der großen Parteien jedenfalls haben sich laut Infratest-Institut im Schnitt bisher zu 85 Prozent für eine Partie entschieden.

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