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Politik

Niederlage für Chinas Sicherheitsapparat in Tibet

Der chinesische Sicherheitsapparat geht mit Gewalt gegen die Demonstranten in Tibet vor. Dabei wollte sich China im Olympiajahr eigentlich als modern und weltoffen zeigen. Doch das Gegenteil scheint sich einzustellen.

Polizeistreife in Tongren in der chinesischen Provinz Qinghai (Foto: AP)

Diese Unruhen dürfte es eigentlich gar nicht geben

Für die chinesische Staatsführung könnten die Unruhen in Lhasa nicht ungünstiger kommen. Denn in nicht einmal mehr fünf Monaten werden die Olympischen Spiele in Peking eröffnet, und während der Spiele will sich China der Welt von seiner Schokoladenseite präsentieren.

Insbesondere das Olympiajahr ist in China mit vielen Erwartungen und viel Imageaufbau der chinesischen Regierung verbunden. Darum habe die chinesische Regierung in den vergangenen Monaten einerseits demonstrieren wollen, wie modern und weltoffen China geworden sei, und damit durchaus Recht habe, meint Christoph Müller-Hofstede, China-Experte bei der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn. Gleichzeitig scheine durch diese große Anspannung der Sicherheitsapparat die Schrauben immer enger zu stellen und sich teilweise der gegenteilige Effekt einzustellen, ergänzt Müller-Hofstede. "Denn die Kritik an China, das muss man ganz klar sagen, hat in den letzten Monaten eher zugenommen."

"Füchterlich außer Kontrolle geraten"

Gerade weil die internationale Gemeinschaft im Olympiajahr mit großer Aufmerksamkeit nach China blickt, ist Müller-Hofstede nun verwundert darüber, dass es überhaupt zu den Unruhen in Lhasa kommen konnte. Denn der chinesische Sicherheitsapparat habe sich in den letzten 20 Jahren systematisch präventiv auf mögliche Unruhen vorbereitet und immer die Philosophie verfolgt hat, diese im Keim zu ersticken. "Das ist ihnen offensichtlich überhaupt nicht gelungen. Da ist etwas fürchterlich außer Kontrolle geraten, was die Spontanität und das Ausmaß der Unruhen angeht", meint Müller Hofstede. "Insofern ist das eine richtige Niederlage für den chinesischen Sicherheitsapparat."

Die Frage ist nun, wie sich die Situation in Tibet weiterentwickeln wird. Westliche Beobachter wie etwa der China-Kenner Thomas Heberer sind angesichts der Proteste in Lhasa zurückhaltend: "Das Ganze wird mit einer Übermacht an Bewaffneten beendet werden, es wird zu Haftstrafen kommen, die Restriktionen in den Klöstern werden verstärkt werden." Positive Auswirkungen für Tibet und die Tibeter erwartet er nicht.

IOC: Kein Boykott

Unterdessen ist die Diskussion darüber entbrannt, wie man angesichts der aktuellen Krise mit den Olympischen Spielen umgehen soll: Das Internationale Olympische Komitee lehnt einen Boykott der Spiele ab, wie IOC-Präsident Jacques Rogge am Samstag (15.3.2008) mitteilte. Und in der Tat ist es eher unwahrscheinlich, dass es dazu kommen wird.

Aber die Tibetfrage wird in den Wochen bis zu den Olympischen Spielen weitere Diskussionen aufwerfen, sagt Müller-Hofstede. Unter anderem würden etwa die Sponsoren der Olympiade in die Kritik geraten. Denn spätestens nach den Unruhen Mitte März ist deutlich, dass die Olympischen Spiele in Peking nicht unpolitisch sein werden.

"Es gibt Menschenrechts-Lobbyorganisationen in den USA mit Richard Gere oder Mia Farrow, die massiven Druck schon auf einzelne Personen wie Steven Spielberg ausgeübt haben, der sein Amt als künstlerischer Berater niedergelegt hat, und die irgendwann auch an diese Firmen herangehen werden", sagt der China-Kenner von der Bundeszentrale für politische Bildung.

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