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Fußball

Nie wieder "Wembley-Tore"

Die FIFA setzt bei der WM 2014 auf die Torlinientechnik. Elektronische Systeme signalisieren dem Schiedsrichter sofort, ob ein Ball drin war oder nicht. Welches System zum Einsatz kommt, ist noch unklar.

War der Ball drin, oder war er es nicht? Diese Frage beschäftigt Fußballfans und -berichterstatter immer wieder – und das schon seit Generationen. Um bei der kommenden WM 2014 in Brasilien strittige Situationen wie beim berühmten "Wembley-Tor" von 1966 auszuschließen, bekommen die Schiedsrichter technische Unterstützung. Der Weltverband FIFA bestätigte, dass beim Turnier in Brasilien die in Europa weiter umstrittene Torlinientechnologie GLT (Goal Line Technology) eingesetzt wird. "In jedem Stadion wird ein System installiert, das von den Spieloffiziellen vor den Partien jeweils getestet wird", schrieb die FIFA in einer Pressemitteilung. Auch schon bei der WM-Generalprobe, dem Confederations Cup, der vom 15. bis zum 30. Juni in Brasilien stattfinden wird, soll die Technologie zum Einsatz kommen. Vorausgegangen war die laut FIFA "erfolgreiche Anwendung bei der Klub-Weltmeisterschaft" im Dezember.

"GoalRef" vs. "Hawk-Eye"

Bei der Klub-WM 2012 testete die FIFA die beiden konkurrierenden Systeme "GoalRef" und "Hawk-Eye". Bei "GoalRef", das vom Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelt wurde, befinden sich ein Chip im Ball und ein Magnetfeld am Tor. An der Strafraumgrenze und hinter dem Tor werden dünne Stromkabel verlegt. Computerunterstützt wird dem Schiedsrichter sofort auf einer speziellen Armbanduhr ein Signal übermittelt, sobald der Ball die Torlinie in vollem Umfang überquert.

Blick in den Ball mit Chip (Foto: dpa)

Beim System "GoalRef" befinden sich ein Chip und Kupferspulen im Spielball

Das System funktioniert ähnlich wie der Diebstahlschutz im Kaufhaus. Der Chip kann theoretisch in jeden Ball eingesetzt werden. Allerdings, so behaupten Kritiker des Systems, verändere der Chip im Ball die Flugeigenschaften der runden Lederkugel. "Der Ball ist etwas schwerer, fliegt allerdings auch gerader", meinte zum Beispiel Markus Miller, der Ersatztorwart des Bundesligisten Hannover 96, im vergangenen Herbst. Die Hannoveraner hatten den veränderten Ball damals als erster deutscher Verein getestet.

Nur bei freier Sicht

Das englische System "Hawk-Eye" kommt bereits bei anderen Sportarten wie Tennis oder Cricket zum Einsatz. Mehrere Kameras werden so positioniert, dass sie aus unterschiedlichen Perspektiven mehrere hundert Bilder pro Sekunde aufnehmen. So kann die Position des Balles in 3-D-Simulationen bis auf wenige Millimeter genau dargestellt werden. Das System wurde vom britischen Mathematiker Paul Hawkins entwickelt, es hat aber einen Nachteil: Ist die Sicht auf den Ball behindert, kann auch die modernste Kamera nichts zeigen. Außerdem ist das System nicht gerade preiswert.

Angesichts der verschiedenen Technologien hat die FIFA nun eine Ausschreibung mit den technischen Anforderungen veröffentlicht. "Interessierte GLT-Unternehmen können voraussichtlich Mitte März an Inspektionsbesuchen in den Stadien des Confed-Cups teilnehmen, ehe Anfang April der definitive Entscheid bestätigt wird", heißt es darin.

In den europäischen Wettbewerben scheint die baldige Einführung des Hilfsmittels dagegen ausgeschlossen. "Ich war immer gegen den Einsatz von Technik im Fußball", sagte UEFA-Präsident Michel Platini. "Deshalb wird es in den europäischen Wettbewerben keine Torlinien-Technologie geben." Platini führte dafür auch finanzielle Gründe an: "Wenn ich die Technik in der Champions League und der Europa League einführe, kostet mich das jetzt 32 Millionen Euro für 78 Stadien. In fünf Jahren kostet es dann 54 Millionen." Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte sich bereits gegen die Pläne der FIFA gestellt und eine Einführung der Torlinientechnik zur Saison 2013/14 ausgeschlossen.