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Afrika

Nick-Krankheit in Uganda gibt Rätsel auf

Es sei wie ein zweiter Krieg, berichten betroffene Familien in Nord-Uganda. Während sich die Erwachsenen von den Schrecken des 20-jährigen Bürgerkriegs erholen, erkranken viele Kinder an einem mysteriösen Leiden.

Das 12-jährige Kind Tony Odong vor seiner Hütte in Pader, Uganda (Foto: Xinhua/Yuan Qing) 8.3.2012

Kind mit Nick-Krankheit in Uganda

Das sogenannte Nick-Syndrom stellt Gesundheitsexperten vor Rätsel. Zunächst wurde es für eine Form der Epilepsie gehalten. Meist beginnt es mit einfachen Konzentrationsstörungen. Später setzen Krämpfe ein, zu denen auch das Kopfnicken gehört, nach dem die  Krankheit benannt ist. Wird die Krankheit schlimmer, bleiben die Kinder geistig und körperlich zurück, verlieren ihre Sprache und Erinnerung und werden schließlich so schwach, dass sie kaum noch Nahrung zu sich nehmen können. Das Nick-Syndrom tritt ausschließlich bei Kindern aus Flüchtlingsfamilien auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von mittlerweile 3000 erkrankten Kindern, einige Hundert sind bereits gestorben.

Internationale Wissenschaftler forschen seit Jahren nach den Ursachen der Krankheit. "Wir haben mehr als drei Dutzend möglicher Ursachen ausgeschlossen", berichtet Scott Dowel, Leiter des Center for Disease Control in Atlanta. Bisher konnten sie nicht herausfinden, wie die Krankheit behandelt werden kann. Eine Studie der Universität Gulu gibt jetzt neue Anhaltspunkte. Sie sieht die Krankheit im Zusammenhang mit den Folgen des Bürgerkriegs in Norduganda.

Die Krankheit - eine Folge der Flucht

Die meisten der erkrankten Kinder wuchsen in Flüchtlingslagern auf. Während des 20 Jahre dauernden Krieges zwischen den Rebellen der Lords Resistance Army und der ugandischen Regierung wurden sie zu Flüchtlingen im eigenen Land. Die Regierung  richtete örtliche Flüchtlingscamps ein. Dort litten die vertriebenen Familien unter extrem schlechten hygienischen Bedingungen, mangelnder Ernährung und der permanenten Angst vor gewaltsamen Übergriffen.

Flüchtlinge stehen bei der Lebensmittelverteilung des Welternährungsprogramms im Pabo Camp bei Gulu an. (Foto:ddp images/AP Photo) 15.6.2012

Während des Bürgerkriegs: Leben im Flüchtlingscamp

Vor einigen Jahren wurden die letzten Camps aufgelöst, die Kinder - heute zwischen fünf und fünfzehn Jahre - sind in ihre Dörfer zurückgekehrt. Dort traten die ersten Krankheitsfälle auf. Die Familien können die Hilfe kaum leisten, die diese Kinder brauchen. Oft kommt es zu Unfällen, die Kinder verletzen sich an den offenen Feuerstellen oder ertrinken in Gewässern. Manche Familien haben bis zu fünf Kinder, die an dem Syndrom leiden.

Der Nick-Krankheit ähnliche Symptome zeigten sich bereits Anfang der 60er Jahre bei Kindern in einigen abgelegenen Bergregionen Tansanias. Seit 2003 gibt es auch Fälle im Süd-Sudan. Die starke Ausbreitung in Norduganda bedeutet jedoch eine neue Dimension der Krankheit.

Lokales Wissen gibt den Wissenschaftlern neue Anhaltspunkte

Simon Oringa, ein Kind mit der Nick-Krankheit ist bei den Krämpfen hin gefallen und hat sich verletzt (Foto: XINHUA /LANDOV) 13.3.2012

Gezeichnet von der Nick-Krankheit

Mitten in der betroffenen Region liegt die Universität Gulu. Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat nun erstmals die lokale Bevölkerung zu den Ursachen der Krankheit befragt. Nach deren Angaben werden - neben der spirituellen Erklärung, dass die im Krieg gestorbenen und nicht traditionell bestatteten Vorfahren Unglück über die Gemeinden brächten - vor allem die vom World Food Programme verteilten Nahrungsmittel als Auslöser gesehen. Das medizinische Personal vor Ort sieht die chronische Unterernährung der Flüchtlinge, toxisches Saatgut, das in der Not gegessen wurde, und Vergiftungen durch biologische und chemische Waffen als Ursachen an. Darüber hinaus vermuten die Mediziner der Universität, dass es zu Verunreinigungen des Flusswassers durch den Abbau von Mineralien gekommen ist.

Dr. Kitara David Lagoro, Dozent und Forscher an der Universität Gulu (Foto: David Lagoro) 12/2012

David Lagoro Kitara

Die Forscher sind diesen Hinweisen nachgegangen und haben bei Untersuchungen erste neue Erkenntnisse gewonnen. So ist der Säuregehalt im Blut aller Kinder extrem hoch. David Lagoro Kitara, Leiter des Forschungsteams erklärt: "Dies mag ein Resultat chronischer Unterernährung sein oder sie haben ein Stoffwechselproblem, das die Nahrungsaufnahme beeinflusst."

Die von der WHO und dem Gesundheitsministerium empfohlenen Medikamente haben bisher keine Wirkung gezeigt. Dagegen haben die Forscher der Universität Gulu einen ersten Erfolg erzielt: Mit viel Milch und Nahrungszusätzen geht es den Kindern schnell besser. Ihr Zustand stabilisiert sich. Nun hoffen sie, bald eine wirksame Behandlung für die Kinder zu finden.

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