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Sprachbar

Nichts

"Nichts geht mehr", sagt der Croupier. Jetzt bleibt dem Spieler nichts anderes übrig als auf sein Glück zu vertrauen. Denn er will in null-Komma-nix reich sein und nicht am Ende vor dem Nichts stehen.‎

"Viel Lärm um Nichts" heißt ein Stück von Shakespeare. Der Titel ist längst Redensart geworden. Hier, wie in anderen Wendungen auch, hat das Wort "nichts" etwas Herablassendes. Es hat aber weitaus mehr Bedeutungen zu bieten!

Nichtsdestoweniger

Na dann, nichts wie hin! Das heißt so viel wie: nicht lange gezögert, sondern unverzüglich begonnen! "Nichts wie hin" ist halt kürzer. Man benutzt die Formel, wenn es schnell gehen muss. Und das muss es ja meistens. Nichtsdestotrotz kann es auch mal langsam gehen.

"Nichtsdestotrotz" übrigens ist, so ein Sprachwissenschaftler, eine scherzhafte Nachbildung von "nichtsdestoweniger", und er fährt fort: "Dessen Etymologie ist dem Gefühl des Laien unzugänglich." Da mag der Wissenschaftler recht haben, allein: Ich verstehe nichts. Vielleicht klingt der Satz ja bloß gebildet und es ist nichts dahinter, dann wäre der Satz nichtssagend und man könnte ihn ruhig weglassen mit dem Kommentar: "Satz mit x – war wohl nix."

Der tut nichts!

Etwas, was von Herzen kommt, muss nicht sichtbar sein. Nichts kann also mehr sein, als man denkt. Da kann der alte Philosoph Lukrez ruhig behaupten: "Denn wir sehen, dass nichts von nichts entstehen kann" – heute meist zitiert als "Von nichts kommt nichts". Lukrez spielt auf das Faulsein an, auf "das süße Nichtstun", dessen italienische Form noch bekannter ist: das "dolce far niente".

Der fleißige Mensch fühlte sich zu allen Zeiten umgeben und bedroht vom Nichtstuer, vom Nichtskönner, vom Nichtsnutz und vom Taugenichts. Der stete Vorwurf: "Der tut nichts." Sagt von einem Hund dessen Besitzer "der tut nichts", ist das kein Vorwurf, sondern eine Beruhigung: "Der tut Ihnen nichts Böses an." Auch wenn es heißt, der tut nichts: Sowohl Hund als auch Faulpelz tun nicht nichts. Wenigstens atmen sie. Hoffentlich.

Davor oder mitten drin

Der Habenichts, der alles verloren hat, besitzt nichts Materielles mehr – bloß noch sein Leben. Er steht, wie man sagt, vor dem Nichts. Es bleibt ihm der bittere Trost des Sprichworts "Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren".

Gibt es "nichts"? Das "Nichts" steht für Finsternis oder für die seelische Stimmung der Finsternis, die Depression. Was einem fehle, so ein Betroffener, "ist eigentlich nichts, es ist das Nichts – das ist es." Man hat nichts, das Nichts aber hat einen – nämlich in die Tiefe gezogen. Das Substantiv "Nichts" kann bezogen werden auf etwas nicht Vorhandenes, auf etwas Wesenloses, oder auf ein Etwas, dem der Inhalt fehlt.

Gemischtes Doppel

Ein für unbedeutend gehaltener Mensch, einer, dem es an irgendwas fehlt, wird von den "Normalen", von denen, die ihn für unbedeutend oder unfähig halten, oft bösartig als eine Null oder ein Nichts bezeichnet. Bekannt ist die Formel "null und nichtig". Sie wird emotional verstärkend im Sinne von "ungültig" gebraucht, so zum Beispiel wenn ein Gericht einen Vertrag für null und nichtig erklärt. Eine Sache gilt daraufhin als erledigt.

Und in null-Komma-nix, ganz schnell, sind wir da, wohin wir ganz schnell müssen, wenn wir mal "müssen". Auf der Toilette. Sie ist häufig gekennzeichnet durch eine Doppel-Null. "00" ist schlicht der Raum, der im Hotel nicht als Zimmer gilt, daher keine Nummer hat.

Glänzend unsichtbar

Null ist nicht nichts. Die Null ist eine Zahl: Zwar sind null Äpfel nichts, aber die Zahl Null ist nicht nichts, genauso wenig wie die Zahl Eins ein Apfel ist. – Klingt eindrucksvoll, nicht wahr? Habe ich aber bloß irgendwo abgeschrieben. Im Mathematikunterricht habe ich häufig gefehlt. Oder wie man auch sagt "durch Abwesenheit geglänzt".

Wie kommt das Verb "glänzen" zur Abwesenheit? Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schildert den Brauch, bei Beerdigungen die glänzenden Wachs-Totenmasken der Ahnen voranzutragen. Zu Tacitus' Zeit war es jedoch verboten, Bildnisse der Mörder Cäsars zu zeigen, und so stachen die Mörder Cassius und Brutus dadurch hervor, dass ihre Bilder eben nicht zu sehen waren.

Mir nichts dir nichts

"Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen." Eine Lüge, die sich die Polizei erlaubt. Das, was es zu sehen gibt, soll der Öffentlichkeit verborgen bleiben, meint also "hier gibt es für Sie nichts zu sehen." Wenn man das weiß, kann man einsichtig sagen: "Na dann, nichts für ungut."


Man weiß ja insgesamt sehr wenig, so gut wie nichts. Aber zum Beispiel der Fußballer, der "aus dem Nichts auftaucht" und ein Tor schießt, der hat etwas geleistet, einfach so bzw. "mir nichts dir nichts". Und das ist eine Verkürzung – es muss ja wieder schnell gehen – von "ohne dir und mir zu schaden". Und wer niemandem schadet, der leistet ja schon Erhebliches. Oder ist das etwas nichts ...?

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