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Nichts ist beständig

Das Weltklima, die katholische Kirche, das spätmittelalterliche Kaufmannswesen, altgriechische Philosophen und deutsche Kurorte. Das alles hat eigentlich nichts miteinander zu tun. Eigentlich!

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Nichts ist beständig

Gerne hätten wir manchmal, dass alles immer so bleibt wie es ist oder wie es einmal war. Doch der Wandel macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wo der Wandel ist, da ist Veränderung, entwickeln sich die Dinge einfach weiter.

Der unaufhaltsame Wandel

Gerade war er noch ein gesellschaftskritischer junger Mann, der sich selbst als „links“ bezeichnet hätte und am liebsten die ganze Welt auf einen Schlag verändern würde. Doch allmählich wandeln sich seine Ansichten. Manchmal kann er seinen Gesinnungswandel gar nicht verstehen. Klar, alles ist im Wandel, aber auch die eigene Meinung?

Ein Mann und eine Frau gehen mit einem Esel über ein ausgetrocknetes Feld

Der Klimawandel verwandelt weite Gebiete Afrikas in Dürrezonen

Einige seiner alten Freunde sagen, er hat sich zu seinem Nachteil gewandelt. Er selbst hat die Wandlung vielleicht nicht einmal bemerkt. Der Wandel kam auf leisen Sohlen, ganz still und langsam. Doch auch wenn er sich heute nicht mehr als Revolutionär bezeichnen würde, der Klimawandel, der der Erde droht, macht ihm schon Sorgen. Allerdings weiß er nicht, ob man den Wandel wirklich aktiv gestalten kann, wie Politiker oder Manager das gerne formulieren.

Verwandlungen

Mittelalterliches Ritterspiele mit Fanfarenbläser und Rittern

Rollenspiele sind sehr beliebt

Auch wenn man seinen Lebenswandel größtenteils als unauffällig bezeichnen kann, manchmal verwandelt er sich doch, wird zum Verwandlungskünstler. Er zieht sich mittelalterliche Gewänder an, steckt sich ein Schwert in den Gürtel und trifft sich mit anderen zum Rollenspiel. Er verwandelt sich in eine mittelalterliche Spielfigur und ist dann wie verwandelt. Wenn die Freunde von früher ihn sehen, rümpfen sie nur die Nase über diese wundersame Wandlung.

Ihm selbst sind Wandlungen jedoch nicht fremd. Er ist Soziologe und schreibt Bücher über gesellschaftliche Veränderungen, zum Beispiel über den Wertewandel, darüber, wie sich die Einstellungen und Wünsche der Menschen in den letzten Jahrzehnten geändert haben, oder über den Strukturwandel ganzer Staaten.

Schlafwandeln und Lustwandeln

Nur wenige Schlafwandler finden den Weg aufs Dach

Normalerweise passiert Schlafwandlern nichts

Leider verfolgt ihn der Wandel bis in die Träume. Es macht ihm schon zu schaffen, dass er sich zum Schlafwandler entwickelt. Das passiert ihm ziemlich oft und lässt ihn mitunter recht müde wirken.

Deshalb hat er vor ein paar Monaten beschlossen, eine Kur zu machen. Er will schließlich nicht wie eine wandelnde Leiche aussehen. Er kommt in einen sehr malerischen Kurort, um sich zu entspannen. Dazu gehört auch, in einer Wandelhalle lustzuwandeln.

Wandel der Zeiten

Allerdings weiß er als Wissenschaftler natürlich genau, dass nichts so beständig ist wie der Wandel. Und den Satz „Alles fließt!“, der Heraklit, einem der ersten griechischen Philosophen zugeschrieben wird, findet er regelrecht beruhigend. Aber irgendwie mag er auch die Wandlung im katholischen Gottesdienst, die Stelle in der heiligen Messe, an der Brot und Wein zu Jesu Leib und Blut verwandelt werden.

Ein Priester mit Hostie und Weinkelch

Für die Christen ist das Abendmahl die „heilige Wandlung“

Ob das nun wirklich geschieht, oder nur symbolisch gemeint ist, kümmert ihn dabei wenig. Auch die Tatsache, dass sich ein Mensch vom Saulus zum Paulus wandeln kann, hat ihn immer fasziniert. Über so etwas kann er nachdenken, wenn er in seinen Büchern liest, die, wie er wohl sagen würde, noch aus echtem Papier sind, denn mit dem digitalen Wandel hat er es nicht so. Auch kommt die Musik, die er hört, nicht aus dem Computer, sondern von einer alten Stereoanlage. Doch wie sich das gehört, hat die natürlich hervorragende Klangwandler.

Handel und Wandel

Bevor er gleich ins Bett geht, um auf Traumpfaden zu wandeln – ja, die Kur hat geholfen, er schläft jetzt wirklich besser! – muss er noch kurz auf den Artikel schauen, den er gerade für ein Internetmagazin schreibt: „Handel und Wandel“.

Kaufmannsladen-Museum

Im Kaufmannsladen dreht sich alles um den Handel

Dieses schöne Reimpaar, das man seit Luthers Zeiten kennt, kommt eigentlich aus der Kaufmannssprache. „Handel“ bezeichnet das Kaufen und Verkaufen von Waren, also Ware gegen Geld, „Wandel“ steht für Tauschgeschäfte aller Art, also Ware gegen Ware.

„Handel und Wandel“ war also ursprünglich eine Bezeichnung für das kaufmännische Leben als Ganzes. Heute hat sich der Ausdruck so stark verallgemeinert, dass damit auch schon mal das ganze Leben gemeint ist – wenn man zum Beispiel fragt: „Und, wie geht's, wie steht's, was machen Handel und Wandel?“

Der Wandel macht vor keinem halt

Ein Wandel im kaufmännischen Sinne findet auch statt, wenn ein Geschäft rückgängig gemacht wird, also etwa, wenn einem die neuen Schuhe doch nicht gefallen und man dafür sein Geld zurückbekommt. Nicht schlecht denkt unser Soziologe, der natürlich auch mit dem Internet auf Kriegsfuß steht. Ein bisschen oberflächlich vielleicht, aber was will er machen, er braucht das Geld. Die Welt ist im Wandel, und der macht eben auch vor ihm nicht halt.


Glossar

Gesinnungswandel (m., nur Singular) – die Tatsache, dass man seine Meinung oder Überzeugung ändert

sich zum Nachteil wandeln – sich so verändern, dass etwas oder jmd. nicht mehr beliebt ist

Lebenswandel (m., nur Singular) – die Art, wie man sein Leben führt

Verwandlungskünstler, - / Verwandlungskünstlerin, -nen – jemand, der verschiedene Rollen spielt

wie verwandelt – wie ausgewechselt; so, dass jemand oder etwas plötzlich ganz anders ist

wundersame Wandlung (f., nur Singular) – eine Veränderung, die man nicht versteht

Strukturwandel (m., nur Singular) – grundlegende Veränderung eines Gebietes, einer Gesellschaft oder einer Bevölkerungsgruppe

wie eine wandelnde Leiche aussehen – sehr schlecht bzw. sehr krank aussehen

Wandelhalle, -n (f.) – Halle oder Vorraum eines öffentlichen Gebäudes, in der man spazieren gehen kann

lustwandeln – in einem Park oder Garten langsam spazieren gehen

sich vom Saulus zum Paulus wandeln – (aus der Bibel) plötzlich ein guter Mensch werden

digitaler Wandel (m., nur Singular) – gesellschaftliche Veränderungen durch Computer und Digitaltechnik

Klangwandler, - (m.) – technisches Bauteil, das digitale Signale in Schall umwandelt

auf Traumpfaden wandeln – schlafen; träumen



Arbeitsauftrag
Der Begriff Wandel hat unterschiedliche Bedeutungen. Ordnet thematisch alle Begriffe und Wendungen aus diesem Text und definiert sie. Bildet anschließend eigene Sätze. Nutzt dabei auch die Erklärungen aus dem Glossar.

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