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Nichts Genaues weiß man nicht

Eigentlich weiß man es, aber eigentlich auch nicht so richtig. „Nichts Genaues weiß man nicht“ ist eine beliebte Floskel dafür, dass an irgendeiner Sache schon was dran ist – aber was, weiß man eben nicht.

„Hast du schon gehört, Herr Maier und Frau Schmidt sollen vergangene Woche in einer Bar, einträchtig miteinander plaudernd, gesichtet worden sein? Das hat mir zumindest Frau Löffelbier gesagt, und die hat es von Frau Schaumschläger und die wieder, ach habe ich vergessen. Aber, Nichts Genaues weiß man nicht.“

Weit verbreitete Floskel

Also, eigentlich weiß man es, denn logischerweise bedeutet eine doppelte Verneinung eine Bejahung. Aber die Umgangssprache ist nicht immer logisch: Nichts Genaues weiß man nicht bedeutet, dass man eigentlich nichts weiß. Entscheidend in dieser Floskel ist das Wort nicht.

Es verändert den – um es grammatisch auszudrücken – Wahrheitswert des Satzes: Nichts Genaues weiß man. Das heißt: Etwas weiß man ja schon, aber was? Irgendetwas ist doch an der Sache dran, oder? Hat der was mit ihr? Immer gemeinsam zum Parkplatz nach Büroschluss und zur gleichen Zeit in Urlaub? Nichts Genaues weiß man nicht.

Die Saat geht auf

Heiße Lava in einem Vulkan

Es brodelt wie in einem Vulkan

Aber man spricht trotzdem darüber. Natürlich nicht laut und offen. Ist ja auch nichts Schlimmes. Soll jeder machen, was er will. Oder sie. Oder beide zusammen. Selbstverständlich verbietet es sich von selbst nachzufragen, auch wenn die Neugier noch so groß ist. Aber rauskriegen will man schon, ob da was dran ist.

Also wird geredet. Vertraulich natürlich, unter vier Augen. Was nicht immer eine Garantie ist. Denn sagt jemand: „Ich sag's nur Ihnen“, kann man meist darauf wetten, dass es binnen kurzer Zeit der ganze Flur weiß. „Ich sag's nur Ihnen, ganz im Vertrauen“. So können böse Gerüchte entstehen. Die Gerüchteküche brodelt.

Das Ondit

Die Franzosen haben ein wunderbares Wort für Gerücht, das die Deutschen adaptiert haben: das Ondit. Übersetzt man das französische on dit, dann kommt heraus: man sagt.

Die Frage ob das, was man da sagt, zutrifft oder nicht, gebietet eine gewisse Zurückhaltung. Man sagt etwas hinter vorgehaltener Hand. Leise und gewissermaßen versteckt. Nur für die Ohren der Person bestimmt, die nun unmittelbar vor einem steht.

Heimliches Tuscheln

Senf, der aus zwei Tuben herauskommt

Meist gibt jeder noch seinen Senf dazu

Wie wird diese nun reagieren? Flüsternd wahrscheinlich. Sich umschauend, ob auch niemand in der Nähe ist und dann ihren Senf dazugebend. Mit gesenkter Stimme. Tuschelnd. Vielleicht ab und an von einem verhaltenen Kichern begleitet.

Man hat es ja schon immer geahnt und nun ist es vielleicht wirklich so. Wird sich noch rausstellen. Tuscheln, flüstern, kichern über andere. Das bleibt nicht lange verborgen. Das verbreitet sich. In Windeseile. Da säuselt der Kollege X der Kollegin Y ins Ohr: „Du, hast du schon gehört?“ – und sie hat natürlich nicht, will es aber wissen.

Hinter verschlossener Tür

Ein Golfball vor einem Schläger

War das nicht so, dass der Mann von Kollegin Y ...

Das kann man ihr doch nicht verdenken. Also wird weiter getratscht: „Ich mach mal eben die Tür zu.“ Man hätte doch gerne Mäuschen sein wollen, als besagte Kollegin neulich schon wieder eine halbe Stunde beim Chef war. Es heißt ja schon seit längerem, dass er und seine Frau ... – na ja.

Übrigens wird gemunkelt, Kollegin Y habe den Job damals nur bekommen, weil der Personalchef mit ihrem Mann Golf spielt. Oder Tennis? So genau, weiß man das nicht, aber spielt ja auch keine Rolle.

Die Macht des Gerüchts

Wenn erst einmal ein Gerücht in die Welt gesetzt ist, gibt es keine Macht der Welt, die es restlos wieder ausräumt. Denn Gerücht bleibt Gerücht, ein Ondit bleibt ein Ondit. Gerüchteküchen gibt es überall. Da zischelt und wispert, gärt und brodelt es, da geht es halblaut zu, da will niemand etwas gesagt haben, wenn dann doch jemand mit Nachdruck fragt, was denn eigentlich Sache sei.

Ein Steak und Flammen im Hintergrund

Manches Gerüchteopfer wird „gegrillt“ wie ein Steak

„Was soll sein?“, flötet die zuckersüße Intrigantenstimme, „man wird doch noch miteinander reden dürfen?“ – „Ach, das ist uns nur mal eben so rausgerutscht. War nicht so gemeint. Hat nichts weiter zu bedeuten. Man soll ja nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.“ Das sind so die Sprüche, die Floskeln, mit denen sich die Zeitgenossen rausreden, die nie etwas gesagt haben wollen.

Vorsicht ist geboten

Denn eigentlich: Nichts Genaues weiß man nicht. Die Redewendung kommt zwar ziemlich flapsig daher. Dennoch vermittelt sie eine Botschaft, die für vieles gilt – nämlich ‚Sei vorsichtig mit dem, was du zu einer Sache von dir gibst'. Und die zweite Botschaft: ‚Bevor du etwas auf die Stimmen der anderen gibst, höre auf die eigene, innere Stimme'. Die ist häufig deutlich vernehmbar. Und sollte man dennoch nach seiner Meinung gefragt werden, bleibt nur eine Antwort: Nichts Genaues weiß man nicht!




Fragen zum Text

Wenn viel über jemanden geredet wird, dann …
1. brodelt die Gerüchteküche.
2. kocht der Topf über.
3. heizt jemand die Stimmung ein.

Ein Ondit ist ein …
1. Gericht.
2. Gerücht.
3. Geruch.

Gemunkelt wird bedeutet, dass …
1. etwas offen angesprochen wird.
2. heimlich über etwas geredet wird.
3. geheime Absprachen getroffen werden.

Arbeitsauftrag
Gerüchte entstehen aus ganz verschiedenen Gründen. Manche werden gezielt in die Welt gesetzt, andere eher durch Naivität. Schreibe einen Meinungskommentar zum Thema. Was hältst du von Gerüchten? Wie reagierst du, wenn dir etwas erzählt wird?

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