1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

"Nicht wohl bedacht"

Die gezielte Tötung des Hamas-Anführers Abdel-Asis el Rantisi ist auf scharfe internationale Kritik und Ablehnung gestoßen. Allein Israel fühlt sich im Recht.

default

Abdel Asis Rantisi wurde gezielt getötet


Die Europäische Union hat die gezielte Tötung des neuen Hamas-Führers Abdel Asis Rantisi durch Israel verurteilt. "Israel hat das Recht, seine Bürger gegen Terroranschläge zu schützen. Schritte dieser Art sind aber ungesetzmäßig und führen nicht dazu, die Spannung zu vermindern", erklärte der Beauftragte für die gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik der Union, Javier Solana. Dies treffe besonders zu in einer Zeit, wo die internationale Gemeinschaft Wege überlege, den Gaza-Abzugsplan des israelischen Regierungschefs Ariel Scharon zu unterstützen.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan äußerte die Befürchtung, dass "diese Aktion zu einer weiteren Verschlechterung der schon Besorgnis erregenden und brüchigen Lage" in der Region führen werde. Er forderte einen "unverzüglichen Stopp" der "außergerichtlichen Tötungen". Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sprach von "Staatsterrorismus". China hat die gezielte Tötung "scharf verurteilt". Der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Kong Quan, sagte nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, China sei tief beunruhigt über die mögliche Eskalation der Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern. Kritik kam auch aus Australien, aus Jordanien und dem Iran.

Palästinenser: "Terroristische Offensive"

Palästinenserpräsident Jassir Arafat erklärte, angesichts der "Barbarei der Besatzung" werde der Widerstand nur stärker werden. Unter den Palästinensern gab es einen Aufschrei der Empörung. Zehntausende zogen durch die Straßen von Gaza-Stadt und schworen Rache. Die militärische Kassam-Brigaden der Hamas, die bereits Dutzende Selbstmordanschläge in Israel verübt haben, kündigten "100 Vergeltungsschläge" an und riefen ihre Kämpfer auf, dafür bereit zu sein. Viele Palästinenser machten die USA für den Anschlag auf Rantissi mitverantwortlich. Nach Ansicht des palästinensischen Regierungschefs Ahmed Kureia resultiert diese "terroristische Offensive" Israels aus der Rückendeckung der US-Regierung für "die Unterwerfung palästinensischen Landes, um zu töten, zu unterdrücken und zu zerstören."

Zurückhaltende Äußerung des Verbündeten USA

Ein Vertreter des US-Außenministeriums, der nicht namentlich genannt werden wollte, widersprach diesen Vorwürfen. "Es gab keine Änderung unserer Haltung. Wir sind der Meinung, dass Israel die Konsequenzen seines Tuns im Blick behalten sollte; und wir sind auch der Meinung, dass die Palästinenser wirksam gegen den Terrorismus vorgehen sollten", sagte er. Die USA distanzierten sich von dem Attentat.

Zwar habe Israel "das Recht, sich selbst zu verteidigen", es müsse aber die "Konsequenzen seiner Handlungen bedenken", erklärte US-Präsidentensprecher Scott McClellan. Die Vereinigten Staaten seien "sehr in Sorge" wegen des Friedens und der Sicherheit in der Region, hieß es in der Erklärung des Weißen Hauses weiter. Washington rufe beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Die Hamas wurde in der Erklärung als "Terrororganisation" bezeichnet. Einem US-Regierungsvertreter zufolge waren die Vereinigten Staaten nicht von der bevorstehenden Tötung unterrichtet. Schon die Tötung von Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin sei "nicht wohl bedacht" gewesen.

Kein Bedauern in Israel Minister der israelischen Regierung haben die Liquidierung des Hamas-Führers Abdel Asis Rantisi als großen Erfolg bezeichnet. Die Tötung zeige, dass sich kein Terrorist unangreifbar fühlen könne, zitierte der israelische Rundfunk am Sonntag den stellvertretenden Regierungschef Ehud Olmert. Der israelische Regierungssprecher Avi Pasner sagte, Rantisi sei getötet worden, um "die Hamas zu schwächen". Der Nachfolger Jassins sei "einer der gefährlichsten Terroristen" gewesen. Die Tötung stehe in keinem Zusammenhang mit dem geplanten israelischen Abzug aus dem Gazastreifen, sondern sei Teil des Anti-Terrorkampfes Israels. Die Armee rechtfertigte den Angriff in einer Erklärung. Rantisi sei "direkt verantwortlich für zahlreiche Morde an israelischen Zivilisten bei zahlreichen terroristischen Angriffen". Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat der Armee seines Landes zur Liquidierung des Hamas-Führers Abdel Asis Rantisi gratuliert. (arn)

Die Redaktion empfiehlt