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Filme

Nicht schießen, bitte!

"Bowling for Columbine" geht den Ursachen und Folgen amerikanischer Waffenvernarrtheit auf den Grund. Die kritische Doku-Satire des prominenten Filmemachers Michael Moore hat sich zum Hit in den US-Kinos entwickelt.

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Mit seinem Film zielt Moore in die Herzen der amerikanischen Waffenbesitzer

Als "Bowling for Columbine" Mitte Oktober diesen Jahres in den USA in die Kinos kam, war das auf unpassende Art genau der passende Zeitpunkt: Während der Sniper von Washington wahllos mordete, ging Michael Moores Doku-Satire der amerikanischen Waffenverrücktheit auf den Grund. Zunächst nur mit wenigen Kopien gestartet, hat sich der Film zu einem echten Hit entwickelt und hielt sich - außergewöhnlich für einen Dokumentarfilm - über einen Monat in den Top Ten der US-Kinocharts.

Ob Amerika auf diesen Film gewartet hat? Im Land der Viertelmilliarde Schusswaffen ist Tötung durch deren Gebrauch laut Statistik auch die zweithäufigste Ursache unnatürlicher Tode - nach den Verkehrsunfällen. Mit der eigenen Waffe zeigt man dennoch "amerikanische Verantwortung", wie im Film das Mitglied einer Bürgerwehr erklärt: "Wer sonst wird deine Kinder beschützen?"

Kultur der Angst

"Bowling for Columbine" ist ein Film von Michael Moore, seit "Roger and Me" von 1989 wohl der bekannteste US-Dokumentarfilmer. Und das heißt, dass den Ursachen eines Phänomens mit Penetranz und Humor nachgegangen wird: "Sind wir verrückt nach Waffen - oder einfach nur verrückt?"

Gleich zu Beginn kann Moore demonstrieren, wie einfach es ist, in den USA an eine Schusswaffe zu kommen: Er geht im besten Cinéma Vérité-Stil in eine Bank, eröffnet ein Konto - und erhält anstandslos sein schießendes Willkommensgeschenk.

Der zweistündigen Film ist montiert mit Fernsehausschnitten, Polizeivideos, Trickfilmen und Interviews. Der Filmemacher folgt zunächst dem Zufall, dass in seinem Heimatort in Michigan nicht nur einer der beiden Bombenattentäter von Oklahoma City aufwuchs, ebenso wie einer der beiden Amokläufer der Columbine Highschool in Littleton, sondern auch der Waffenlobbyist und Ex-Hollywoodstar Charlton Heston. Dem stattet Moore natürlich auch einen unbequemen Besuch ab.

Grundgefühl der Bedrohung

Warum also werden in den USA jährlich durchschnittlich 11.000 Menschen erschossen, obwohl in anderen Nationen, wie dem Nachbarland Kanada, ebenso viele Waffen im Umlauf sind? Eine Schlussfolgerung Moores: Seit Beginn werde die Geschichte der Amerikaner von Angst begleitet - von der Verfolgung der Pilgerväter in der alten Welt über die Angst vor der "Rache des schwarzen Mannes" für Sklaverei und Ausbeutung bis zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Guns don't kill people...

Die Western Americana Gun Show im Kalifornien

Moore beschränkt sich deshalb nicht auf die Ebene von Interviews, sondern führt mit einer rasanten Montage der US-Militärinterventionen der vergangenen 50 Jahre eine leicht polemische Metaebene ein. Moore sieht Paranoia in den USA als ein sozialpsychologisches Problem. Und er fragt nach den gesellschaftlichen Ursachen: Gewalt entsteht nicht zuletzt durch soziale Unsicherheit. Moores Suche muss erfolglos bleiben - was endgültige Antworten angeht. Aber sie wirft von den Medien vernachlässigte Zusammenhänge auf: Aufklärung als erster Schritt zur Besserung.

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