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Kultur

Nicht ob, sondern wann

Während in Dresden die Pegel langsam sinken, sind andernorts die Wassermassen noch gar nicht angekommen. Das Unausweichliche steht erst noch bevor. DW-Reporter Alexander Scheibe ist unterwegs in Magdeburg.

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Normalerweise fließt die Elbe gemächlich

18. August 2002. Ein Samstagnachmittag. In Bitterfeld brechen die Dämme, doch hier - etwas über 100 Kilometer stromabwärts - herrscht noch die sprichwörtliche 'Ruhe vor dem Sturm'. Die Menschen laufen in Shorts und Sandalen umher, auf den ersten Blick ist nichts von Hochwasserangst zu sehen. Vereinzelt heulen Martinshörner. Blaulichter zucken um die Ecke. Auf der Fahrt nach Magdeburg haben wir auf der Autobahn mehrere Konvois von Fahrzeugen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft überholt. Sie hatten Rettungsboote im Schlepptau.

Eines ist sicher: Das Hochwasser kommt. Auch in die Hauptstadt Sachsen-Anhalts. Die Frage ist nur wann und wie hoch. Darüber zerbrechen sich zahlreiche Krisenstäbe den Kopf. Und vergessen darüber, die Ergebnisse ihres Denkens kundzutun. Es ist nicht gerade einfach, an Daten zu kommen. Entweder sind die Telefone besetzt oder es geht keiner ran. Hat man dann endlich mal jemanden an der Strippe, heißt es nur: "Das hängt von verschiedenen Faktoren ab." Die Standardantwort auf so gut wie jede Frage.

Also gehe ich selber los. Den aktuellen Pegelstand der Elbe ablesen, zum Beispiel. Vier Meter 90 gestern abend, sechs Meter null-zwei heute am späten Nachmittag. Das Wasser steigt. Und es steigt schneller als erwartet. Das DRK hat eine Meldestelle für freiwillige Sandsackschipper eingerichtet. Schaufeln sind mitzubringen. Gerade verschwand ein Kerl mit Springerstiefeln und Rucksack auf'm Rücken in eben jenem Büro, seine Schaufel über der Schulter.

Außerdem schippen 250 Bundeswehrsoldaten: 1000 Sack pro Mann ist das Soll. Ihre Unterkunft musste inzwischen geräumt werden - Hochwassergefahr. Sie schlafen draußen. Unterm Sternenhimmel. Es ist ja Sommer. 30 Grad im Schatten, tagsüber. All jene, die hoch genug wohnen, genießen die Sonne. Die Menschen direkt am Fluss räumen stattdessen ihre Keller. Verbarrikadieren die Fenster. Jeder will gegen das Wasser gewappnet sein. Morgen Abend, allerspätestens, soll die Flut nämlich hier sein.

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