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Bücher

Nicht nur bei Harry Potter: Die Quidditch-WM 2016

Fliegende Besen, lebensgefährliche Duelle - und das alles in der Luft. Quidditch ist durch Harry Potter bekannt geworden. Doch der Sport hat den Sprung in die Realität geschafft: Es gibt sogar Weltmeisterschaften.

Im Original-Kinofilm "Harry Potter" sieht das so aus: Hoch oben in der Luft fliegen die Spieler auf ihren Besen. Sie kämpfen um den Sieg, egal ob bei Regen, Schnee oder dem schlimmsten Sturm, und ein einzelnes Spiel kann Tage dauern.

Um eine Vorstellung des real existierenden Spiels, das aus der Potter-Vorlage entstanden ist, zu bekommen, hier eine kurze Einführung: Es spielen zwei Mannschaften mit je sieben Spielern (Frauen und Männer gemischt) gegeneinander. Drei Spieler (die "Jäger") versuchen, einen Ball (den "Quaffel") durch drei Torringe am Ende des Feldes zu werfen und so Punkte zu erzielen. Der "Hüter" setzt alles daran, das zu verhindern.

Die "Klatscher", zwei freifliegende massive Bälle, bemühen sich, willkürlich Spieler von ihren Besen zu stoßen. Zwei weitere Spieler, die "Treiber", müssen das mit Schlägern verhindern. Der "Sucher" versucht unterdessen, eine kleine goldene Kugel mit Flügeln einzufangen. Schnappt er sie, beendet er das Spiel und bringt seinem Team Extrapunkte.

Testspiel Deutschland gegen Australien im Vorfeld der Quidditch-WM, Foto: DW/R. Kalus

Quidditch ist eine Mischung aus Rugby, Handball und Völkerball und wird mit vollem Körpereinsatz gespielt

Aus den Büchern in die Realität

Vor gut zehn Jahren schaffte es der fiktive Zaubersport ins wahre Leben und entwickelte sich seitdem rasant - und das nicht nur unter Harry Potter Fans. Man muss noch nicht einmal die Bücher gelesen haben, um Spaß daran zu haben. Dies betonen die Spieler der insgesamt 21 Mannschaften aus aller Welt, die an diesem Wochenende bei der

Quidditch-Weltmeisterschaft in Frankfurt am Main

gegeneinander antreten.

"Ich denke, generell finden es die meisten Menschen komisch, dass wir Quidditch spielen und sehen es als ein Harry-Potter-Ding an", erzählt Laurens Grinwis Plaat Stultjes, der Präsident des belgischen Quidditchverbandes und Team-Manager der belgischen Mannschaft. Auch unter eingefleischten Harry Potter-Anhängern gebe es Fans, die Quidditch als Spiel im wahren Leben seltsam finden. Trotzdem wachse Quidditch als junge Sportart in Belgien verhältnismäßig schnell. Das belgische Team hofft, es unter die ersten vier zu schaffen.

Zwei Spieler versuchen den Schnatz zu fangen, . Foto: DW/R. Kalus

Den "Schnatz" verkörpert ein unabhängiger Spieler mit einem an der Hose befestigten Ball, den es zu fangen gilt

Dass Quidditch oft als merkwürdig oder als Spinnerei abgetan wird, dürfte vor allem an den Besen liegen, üblicherweise weiche PVC-Stangen, die die Spieler durchgehend zwischen den Beinen halten müssen. Zugegeben: Dieser Anblick ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn fliegen können die Besen natürlich nicht. Aber sie sind keineswegs nutzlos, erklärt Bex McLaughlin aus Großbritannien: "Sie sind ein Handicap. So wie man beim Rugby den Ball nur nach hinten werfen oder beim Fußball nicht mit der Hand spielen darf. Ohne Besen würde das Spiel viel schneller und dynamischer, aber auch gefährlicher werden. Es würde größere Unterschiede zwischen den verschiedenen Geschlechtern geben."

Die USA als großer Favorit

Die meisten Spieler nennen am Vortag der WM, an dem neben Trainingseinheiten auch mehrere Demonstrationsspiele stattfinden, die USA als aussichtsreichen Favoriten. Sie gewannen die letzten beiden Weltmeisterschafen 2012 und 2014. Verwunderlich ist dies nicht, denn Quidditch wurde in dieser Form 2005 in den USA von einer Handvoll Leute erfunden.

Der Coach der USA, James Hicks, . Foto: DW/R. Kalus

James Hicks und sein USA-Team sind die Favoriten

Mittlerweile gibt es dort mehrere hundert Teams und Tausende von Spielern. Eine Entwicklung, die für den Coach der US-Mannschaft, James Hicks, immer noch beeindruckend ist: "Es begann mit ein paar Kids, die auf einem Campus spielten und ist heute ein internationaler Sport", erzählt er im Gespräch mit der DW. Als Sieger sieht er die USA aber noch nicht, schließlich sei noch kein Spiel gespielt und im Quidditch könne alles passieren. Weitere Favoritenteams sind Australien, Frankreich und Großbritannien.

Das deutsche Team hat sich zum Ziel gesetzt, es unter die ersten zehn zu schaffen, verrät der "Sucher" Christian Zimpelmann, der im Verein für die "Bonner Rheinos" spielt. "Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir zeitlich ein bisschen hinterher, aber ich glaube, dass wir da durchaus eine Chance haben, unser Ziel zu erreichen“, sagt er.

Vor gut zwei Jahren gründeten sich in Deutschland die ersten Teams. Aus anfänglich vier Mannschaften sind mittlerweile zwölf offizielle Teams geworden. Von der WM im eigenen Land verspricht sich Zimpelmann auch einen kräftigen Schub für Quidditch in Deutschland. Schon jetzt sind mehrere hundert Besucherkarten verkauft.

Das Deutsche Quidditch-Team, Foto: DW/R. Kalus

Das deutsche Team hofft, es über die Vorrunde hinaus ins Achtelfinale zu schaffen

Spaß und Ehrgeiz gehen Hand in Hand

Bei allem sportlichen Ehrgeiz herrscht vor der WM in Frankfurt eine freundschaftliche und familiäre Atmosphäre unter den Teams. Die Spieler begrüßen sich vor dem Match mit Umarmungen, und die Zuschauer sorgen durch aktives Mietfiebern für gute Stimmung. "Beim Quidditch kann jeder sein, wie er ist", sagt der deutsche Co-Trainer und "Hüter" Adrian Schleen im Gespräch. Egal ob Mann oder Frau, jeder darf mitspielen. Es gibt festgelegte Gender-Regeln: Nicht mehr als vier Spieler eines Geschlechts dürfen gleichzeitig auf dem Feld stehen, wobei auch Transgender berücksichtigt werden.

Die Begeisterung für Quidditch fasst Kaan Bolat, der türkische Coach, dessen Team wegen der politischen Unruhen in der Türkei von 21 auf 15 Spieler geschrumpft ist, gut zusammen: "Quidditch heißt alle willkommen, es ist offen und steht für Gleichberechtigung. Alle verstehen sich untereinander, tauschen Trikots und haben eine gute Zeit. All das macht Quidditch für mich zum besten Sport der Welt."

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