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Aktuell Amerika

Nicht Jacke wie Hose

Eine Welle der Empörung schwappt durchs Land: Die Outfits des Olympiateams der USA wurden zwar von US-Designer Lauren entworfen, aber in China produziert. "Verbrennen", wird da gefordert und: "Die Ehre wiederherstellen".

Ausgerechnet das amerikanische Olympia-Team, ein Aushängeschild der Nation, soll Uniformen tragen, die in China hergestellt wurden. Zwar hat der US-Stardesigner Ralph Lauren die blauen Blazer und weißen Hosen der Sportler für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London entworfen, aber sie sind in der Volksrepublik produziert worden, wie Presse und TV-Stationen berichteten. Ein willkommener Anlass für Politiker und Prominente, sich als wahre Patrioten zu profilieren. 

Glaube an amerikanische Nation erschüttert

Amerika ist für viele nicht mehr das, was es einmal war. Die große Nation, die als erste Menschen auf den Mond geschickt habe, sei nun "auf fremde Hilfe angewiesen, wenn es um Uniformen geht", hieß es da hämisch. "Und ausgerechnet die chinesische Konkurrenz!", wo es doch überall in den USA an Arbeitsplätzen mangelt.  "Es ist beschämend, dass unsere amerikanischen Sportler während der Olympischen Spiele in China gefertigte Uniformen tragen werden", klagte der demokratische Kongressabgeordnete Steve Israel. Der Chef der Demokraten im Senat, Harry Reid, meinte, das Olympia-Komitee "solle sich schämen". Man solle "alle Outfits nehmen, sie auf einen großen Haufen werfen und sie verbrennen und noch einmal ganz von vorn anfangen".

Sein Kollege, Senator Charles Schumer, forderte das Komitee auf, die Garderobe der Athleten neu anfertigen zu lassen und schlug hierfür gleich die im Bundesstaat New York ansässige Traditionsschneiderei Hickey Freeman vor. Der US-Wirtschaft entgehe mit der Verlagerung der Produktion nach China insgesamt ein Milliardengeschäft, lautet einer der Vorwürfe. Die Kleidungsstücke und Accessoires sind auch im Handel erhältlich und kosten zwischen 55 (45 Euro) und 795 Dollar.

Private Finanzierung

Ein Sprecher des Olympischen Komitees verteidigte die Entscheidung mit der Begründung, dass das amerikanische Olympiateam privat finanziert wird. Man sei dankbar für die Unterstützung der Sponsoren und stolz auf die Zusammenarbeit mit Ralph Lauren.

Selbst das Weiße Haus kam offenbar um eine Stellungnahme nicht herum. Ein Sprecher wiegelte zwar ab: Der Herstellungsort der Olympia-Outfits "kein Thema der Regierung". Aber: Präsident Barack Obama glaube an "die hohe Qualität amerikanischer Produkte" - das beinhalte auch in den USA hergestellte Kleidung.

Die betroffenen Olympia-Sportler nehmen die Sache scheinbar gelassener. "Wir leben in einer globalen Welt", sagte etwa Beachvolleyballer Todd Rogers. Es gebe Wichtigeres, als die Frage, wo Ralph Lauren seine Klamotten herstellen lasse.

SC/gmf (dpa, afpe, APE)