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Kultur

"Nicht immer in den Grenzen der eigenen Generation denken"

Mit dem "Kosovision Contest" ermunterte die KFOR Jugendliche, sich Gedanken über ihr Land zu machen. DW-WORLD.DE sprach mit Robert Habermann, dem Leiter des Projekts.

Ein Poster mit Zeichnungen und Fotos. In der Mitte sind zwei Tauben, die sich auf ein Nest von Herzen betten.

Das Gewinnerplakat

Ein Mann mit Brille in Tarnkleidung, die Ärmel sind hochgekrempelt.

Robert Habermann, Projektleiter der KFOR

DW-WORLD.DE: Warum haben Sie den Ideenwettbewerb veranstaltet?

Robert Habermann: Mit dem "Kosovision Contest" wollten wir Grundschüler anregen zu zeigen, wie für sie der Kosovo in der Zukunft aussieht. Es ging um die vier Ziele Zusammenleben, Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur. Auf einem Poster sollten die Kinder ihre Ideen darstellen. Uns hat dabei am meisten interessiert, welchen Beitrag die Kinder selbst leisten möchten, um ihre Träume zu realisieren.

Wie ist die Idee des Contests entstanden?

Die ältere Bevölkerung im Kosovo ist stark von der Vergangenheit geprägt, sowohl was ihr Denken als auch was ihr Verhalten betrifft. Für uns war es deshalb wichtig, die Jüngeren anzusprechen. Wir glauben, dass den Kindern und der Jugend die Zukunft des Landes gehört. Sie wollten wir in ihrer Aufbruchstimmung bestärken und das gleichzeitig mit den Zielen verbinden, die wir für wichtig halten. Die verschiedenen Ethnien und Religionen müssen vernünftig miteinander auskommen. Die Kinder machen keinen Unterschied, ob ein Kind einen serbischen oder albanischen Hintergrund hat. Das ist ihnen egal, sie spielen miteinander und können gemeinsam Spaß haben.

Welche Hindernisse gab es?

Hindernisse gab es keine. Das Bildungsministerium im Kosovo war sofort Feuer und Flamme. Es gab logistische Herausforderungen, die wir aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit der KFOR-Abteilungen sehr gut gemeistert haben. 23.000 Kinder und 1000 Lehrer und Direktoren auch in den entlegendsten Bergregionen des Kosovo mussten erreicht werden. Sie mussten erfahren, dass es den Ideenwettbewerb gibt und animiert werden, daran teilzunehmen. Für die Lehrer haben wir zum Beispiel einen Lehrplan ausgearbeitet, zusammen mit dem kosovarischen Bildungsministerium und der Hochschule für Pädagogik in Zürich. Danach sollten die Kinder in Gruppen arbeiten und diskutieren - also gemeinsam ihre Ideen umsetzen. Das war vielleicht für den einen oder anderen Lehrer hier im Kosovo etwas neues, denn Unterricht bedeutete bisher eher Frontal-Unterricht. Insgesamt haben wir 794 Poster eingesammelt und daraus acht Sieger gekürt.

Warum veranstaltet die KFOR einen solchen Wettbewerb und nicht eine Nichtregierungsorganisation?

Man kann nicht davon ausgehen, dass die Menschen die KFOR per se gut finden, weil wir für Sicherheit sorgen. Wir wollten die Menschen für uns gewinnen. Die KFOR ist nun schon ein Weile im Kosovo und es geht darum, den Menschen zu helfen, etwas mehr Eigeninitiative zu zeigen. Mit dem Projekt wollten wir die Bevölkerung auffordern, eigene Ideen für die Zukunft des Landes zu entwickeln und zwar realisierbare Ideen.

Was haben die Kinder gemalt?

Zwei Frauen stehen vor einem Plakat. Es ist lila und zeigt in bunten Farben die Provinzen des Kosovo. Darüber steht Kosovision. Quelle: dpa

Werbeplakate für "Kosovision"

Die Kinder haben die Probleme des Landes gemalt - die kennen sie genau. Zum Beispiel den Vater, der zu Hause sitzt und Zeitung liest, während die Kinder in der Schule sind. Die Arbeitslosenrate liegt bei fast 60 Prozent. Sie haben auch den Müll gemalt, denn die Entsorgung des Hausmülls ist noch ungeklärt. Jeder entsorgt ihn dort, wo es ihm günstig erscheint.

Sie haben aber auch gemalt, was schon erreicht wurde: Viele haben Straßen gemalt und schöne Häuser und tolle Schulen, was es auch wirklich alles gibt. Der Kosovo hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt, das haben die Kinder realisiert. Aber sie wissen natürlich, dass es noch viel zu tun gibt.

Ist ein solches Projekt nicht ein Tropfen auf den heißen Stein? Wie geht es weiter?

Auf den Stein müssen noch viele Tropfen fallen. Bei Gesprächen mit den Menschen auf den Dörfern hat sich gezeigt, dass sie eine große Erwartungshaltung haben, was die unmittelbare Zukunft angeht. Sie erwarten eine Klärung der gesellschaftlichen Lage und eine Verbesserung ihrer individuellen Situation. Ich erkläre den Menschen, das Geduld wichtig ist. Eine politische Umstrukturierung, wie sie hier stattfindet, hat nicht von jetzt auf sofort Wirkung für jeden einzelnen. Man kann eben nicht immer in den Grenzen der eigenen Generation denken, sondern muss auch für die Generation denken, die auf einen selbst folgt.

Hauptmann Robert Habermann arbeitet in der Abteilung "Psychological Operations" bei der KFOR Multinational Taskforce Süd. Psychological Operations ist eine Abteilung, die versucht mit Hilfe von Medien - zum Beispiel mit Lautsprecheraufrufen, Handzetteln, Magazinen und Radiosendungen - Menschen in ihrem friedlichen Beisammensein zu unterstützen.

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