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Europa

Nicht einfacher

Im griechischen Teil Zyperns hat am Sonntag (16.2.) der Oppositionskandidat Tassos Papadopoulos die Präsidentenwahl gewonnen. Ein Rückschlag für den Wiedervereinigungsprozess? Rainer Sollich kommentiert.

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So viel steht fest: Die Friedensverhandlungen auf Zypern werden mit dem jüngsten Wahlergebnis nicht einfacher. Im schlimmsten Fall könnten sie sogar scheitern. Der neue griechisch-zyprische Präsident Tassos Papadopoulos gilt als Hardliner und dürfte in den Verhandlungen um eine Wiedervereinigung der Insel weniger kompromissbereit sein als sein Vorgänger. Insbesondere dürfte Papadopoulos stärker auf die Interessen der rund 160.000 griechischen Zyprer pochen, die beim Einmarsch der türkischen Armee 1974 aus ihrer angestammten Heimat flüchten mussten und bis heute auf Wiedergutmachung warten - immerhin fast ein Viertel der Bevölkerung im griechischen Teil Zyperns. Es dürften nicht zuletzt diese Flüchtlinge und ihre Nachfahren gewesen sein, die Papadopoulos mit ihren Stimmen zum Sieg verholfen haben.

Doch es gibt auch andere Gründe. Bei den Wählern ist es offenbar überhaupt nicht gut angekommen, dass Amtsinhaber Glafkos Klerides im Falle eines Wahlsiegs nur für 16 Monate weiterregieren wollte. Das hatte sich der alte Mann wohl einfach zu rosig ausgemalt: Die Insel möglicherweise wieder zu vereinigen, auf jeden Fall aber den griechischen Teil in die EU führen und dann auf dem Höhepunkt des eigenen Lebenswerks umjubelt in den Ruhestand treten - diesen Triumph wollten ihm die Wähler nicht gönnen. Durchaus verständlich, denn bei allen Verdiensten, die sich Klerides in den letzten Jahren erworben hat - er ist in den vergangenen Jahrzehnten selbst auch oft genug Teil des Zypern-Problems gewesen. Dass obendrein mit Alekos Markidis ein Klerides-Vertrauter konkurrierend zur Wahl stand, dürfte die Chancen des 83-Jährigen zusätzlich geschmälert haben.

Die besten Wahlhelfer hatte der siegreiche Hardliner Papadopoulos aber jenseits der Demarkationslinie - bei den Hardlinern der anderen Seite, also im türkischen Teil Zyperns und in Ankara. Der Widerstand des türkisch-zyprischen Volksgruppenführers Rauf Denktasch und der türkischen Militärs gegen den Friedensplan von UN-Generalsekretär Kofi Annan haben Papadopoulos direkt in die Hände gespielt. Auch Papadopoulos verlangt Nachbesserungen an dem Plan, der eine Wiedervereinigung nach dem Schweizer Kantonsmodell vorsieht. Und sein Wahlsieg wiederum schwächt jetzt auf türkischer Seite all diejenigen, die bislang zu einem historischen Kompromiss bereit schienen: die neue türkische Regierung unter Führung der Reform-Islamisten, aber vor allem auch ein Großteil der türkisch-zyprischen Bevölkerung. Großdemonstrationen gegen Denktaschs Blockadekurs im türkischen Teil Nikosias haben dies in den letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen.

Jetzt drängt die Zeit: Wenn bis Ende Februar kein Kompromiss zwischen beiden Volksgruppen erreicht wird, dürfte im Mai 2004 alleine der griechische Teil Zyperns der EU beitreten. Manch ein Wähler mag darauf sogar spekuliert haben. Aber Vorsicht: Die Verhandlungsposition der griechischen Zyprer würde dadurch nur vordergründig gestärkt. In Wirklichkeit würde ein alleiniger EU-Beitritt der griechischen Inselhälfte im wirtschaftlich verarmten türkischen Teil das Gefühl von hoffnungsloser Unterlegenheit verstärken. Und somit ebenfalls den Hardlinern und Maximalisten in die Hände spielen. Keine Frage: Papadopoulos' Wahlsieg ist ein Rückschlag für die Wiedervereinigungsbemühungen auf Zypern.