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Deutschland

NGOs fordern mehr Hilfe für Afghanistan

Organisationen wie die Welthungerhilfe kritisieren, dass Afghanistan immer weniger Spenden- und Entwicklungsgelder erhält und Medienberichte über das Land einseitig sind. Eine Kampagne soll das ändern.

Dutzende Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wollen die internationale Aufmerksamkeit auf die fragile Situation der Bevölkerung in Afghanistan lenken. Es treibt sie die Sorge, dass das Land wegen der Syrien-Irak-Krise und der Ebola-Epidemie zu Unrecht vernachlässigt wird. Die Afghanen speziell im Osten und Süden des Landes brauchten noch weitere 10 bis 20 Jahre internationale Hilfe, sagte Klaus Lohmann, Afghanistan-Koordinator der Welthungerhilfe, am Montag in Berlin. Zwar sei in den vergangenen zehn Jahren schon viel erreicht worden, doch einige Regionen seien noch immer nicht stabilisiert.

Der Regierungswechsel und die Staffelübergabe der internationalen Truppen an die nationalen Sicherheitskräfte stelle Afghanistan vor neue Herausforderungen, heißt es in dem Aufruf.

Wegbrechende Spendengelder

Klaus Lohmann Welthungerhilfe für Afghanistan

Klaus Lohmann von der Welthungerhilfe

Initiator ist die afghanische

Hilfsorganisation Acbar

, die inzwischen als Dachverband die Arbeit der 128 nationalen und internationalen Hilfsorganisationen koordiniert. Von deutscher Seite haben sich unter anderem die

Johanniter

und die

Welthungerhilfe

dem Aufruf angeschlossen. Die Kampagne mit dem Titel "

Do not forget Afghanistan

" läuft noch bis Ende des Monats. Hintergrund sind wegbrechende Hilfsgelder. So hätten die USA als mit Abstand größte Geber ihre Entwicklungszahlungen bereits halbiert.

"Wir brauchen viel Hilfe, denn wir haben noch kein etabliertes und nachhaltiges Wirtschaftssystem", betonte der Vorsitzende der afghanischen Hilfsorganisation Ahead, Said Assadullah Faiz. Positiv dagegen sei seit Langem das Engagement der deutschen Regierung, hob Lohmann von der Welthungerhilfe hervor.

Mit verschiedenen Events - Konferenzen, Fachgesprächen und Foto-Ausstellungen - in 23 Ländern wollen die NGOs sowohl an die Spendenbereitschaft der Bevölkerung appellieren als auch die Politik auffordern, ihre Prioritäten in der Entwicklungszusammenarbeit zu überprüfen.

Medienberichte über Zivilbevölkerung gefordert

Said Assadullah Faiz, Direktor der Hilfsorganisation Ahead (Foto: DW/Scholz)

Said Assadullah Faiz, Direktor der Hilfsorganisation Ahead

Der Aufruf richtet sich auch an die internationalen Medien. Denn wenn Afghanistan auf der Agenda stehe, liege der Fokus zu stark auf der militärischen Situation im Land, kritisieren die Organisationen. Zu wenig werde dagegen über die Lebensbedingungen der 25 Millionen Afghanen berichtet. Es gebe in den 34 Provinzen des Landes Defizite bei der medizinischen Versorgung, der Bildung und in der ländlichen Entwicklung.

Afghanistan sei noch immer ein Land mit einer international gesehen extrem hohen Kindersterblichkeit, erinnerte Alex Miller von der

Hilfsorganisation Borda

, die sich weltweit für eine ausreichende Versorgung mit Trinkwasser engagiert. Besonders in den afghanischen Großstädten gebe es ein Problem mit kontaminiertem Grundwasser, das zu Krankheiten führe. Insgesamt habe die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Zwei Drittel des Landes sind unsicher

Alex Miller von Borda (links) und Andre Breitenstein von der Johanniter-Auslandshilfe (Foto: DW/Scholz)

Alex Miller von Borda (links) und Andre Breitenstein von der Johanniter-Auslandshilfe

Zugleich seien die Taliban nach wie vor in allen Landesteilen aktiv. Die Instabilität steige täglich, sagte Faiz. "Nach Angaben des Staates sind 67 Prozent des Landes als unsicher einzustufen." Die eigene Armee sei noch immer nicht gut ausgerüstet und auf ausländische Hilfe angewiesen, beispielsweise fehle weiterhin eine Luftwaffe.

Die Sicherheit sei aber nicht allein eine Frage von Waffen oder Ausrüstung, sagte André Breitenstein von den Johannitern. "Wir sitzen auf einer riesigen Bevölkerungsbombe." Es gebe eine große Gruppe von Unzufriedenen ohne Aussicht auf einen Job. Das werde die Instabilität erhöhen, wenn die allgemeine Situation nicht besser werde, warnte Breitenstein.

Dennoch gibt es auch Lichtblicke. In den vergangenen Jahren habe sich viel zum Positiven gewandelt. Die Stadt Masar-i-Scharif beispielsweise habe sich von einer Provinzstadt zu einer wirklichen Metropole entwickelt, sagte der Welthungerhilfe-Vertreter Lohmann.

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