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Europa

NGOs beklagen Gewalt gegen Flüchtlinge auf dem Balkan

Noch immer warten in den Staaten an der Balkanroute Flüchtlinge auf eine Möglichkeit, nach Westeuropa zu gelangen. Mehrere NGOs schlagen Alarm. Die Migranten würden dort geschlagen, ausgeraubt und unmenschlich behandelt.

Griechenland Mazedonien Flüchtlinge bei Idomeni (Getty Images/D. Kitwood)

Flüchtlinge an der mazedonischen Grenze (Archivbild)

Gewalt, Brutalität und unrechtmäßige Behandlung prägen die Erfahrung von Flüchtlingen auf der sogenannten Balkanroute. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Nichtregierungsorganisationen (NGOs). In einem Bericht, der an diesem Donnerstag offiziell in Berlin vorgestellt wird, dokumentieren Oxfam, das Belgrader Menschenrechtszentrum (BCHR) und der Mazedonische Verband junger Anwälte (MYLA) zahlreiche Flüchtlingsschicksale. Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Armut fliehen, wurden demnach geschlagen, ausgeraubt und unmenschlich behandelt.

NGOs rufen EU zum Handeln auf

Die drei NGOs fordern Serbien, Mazedonien, Kroatien, Ungarn und Bulgarien auf, menschenrechtliche Standards einzuhalten. "Menschen, die häufig vor unfassbarer Gewalt in ihren Heimatländern fliehen, müssen nun hier in Europa erneut brutale Gewalt erfahren", so der Referent für Krisen und Konflikte bei Oxfam Deutschland, Robert Lindner. Die geannten Staaten müssten dafür sorgen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden. Auch die EU müsse dafür Sorge tragen, dass völkerrechtliche und menschenrechtliche Verpflichtungen in Europa eingehalten werden. Für den Bericht mit dem Titel "A dangerous 'game'" wurden insgesamt 140 Flüchtlinge befragt. 

In Ungarn wurden dem Bericht zufolge Migranten gezwungen, sich nackt auszuziehen und in den Schnee zu setzen, während Polizisten kaltes Wasser über sie gossen. In Bulgarien nahmen Polizisten einer Gruppe von Menschen sämtliche Wertsachen ab und brachten sie zurück über die Grenze. Ein aus Afghanistan stammender Mann berichtet, gemeinsam mit anderen Flüchtlingen drei Tage ohne Essen in einer käfigartigen Zelle eingesperrt und mit Elektroschocks misshandelt worden zu sein. Grenzpolizisten in Kroatien zwangen Migranten demnach, Kleidung und Schuhe auszuziehen und über die Grenze zurück nach Serbien zu laufen. Dabei schlugen die Polizisten die Migranten mit Knüppeln. Auch Kinder seien von den Misshandlungen betroffen. Zudem haben die Geflüchteten laut dem Bericht keinen Zugang zu einem fairen Asylverfahren. Vielfach komme es zu "illegalen Sammelausweisungen".

Infografik Karte Flüchtlingsdeal EU Türkei

Gefangen auf der Balkanroute

Nach der Sperrung der Balkanroute mit Zäunen, Wachhunden und Polizisten mit Schlagstöcken und dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Paktes im April 2016 ist der Zustrom von Flüchtlingen über die Türkei und Griechenland nach Mitteleuropa deutlich zurückgegangen. Dennoch befinden sich noch immer tausende Geflüchtete in der Region. Registriert sind laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rund 8700 Migranten, die irgendwo auf der Balkanroute festsitzen. 

EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte in jüngster Zeit die Grenzsicherung durch Mazedonien, Bulgarien und Slowenien ausdrücklich gelobt. Bulgarien nannte er das "beste Beispiel, wie unsere Grenzen zu schützen seien", und Mazedonien dankte er für seine Anstrengungen beim Schließen der Balkanroute.

qu/wa (afp, kna)

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