1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

Neymar-Schock für Brasilien

Brasilien kann den Viertelfinal-Sieg gegen Kolumbien nur bedingt genießen. Neymars bitteres WM-Aus muss die Selecao erstmal verarbeiten. Im Mittelpunkt der Kritik steht der FIFA-Schiedsrichter.

Die Hiobsbotschaft vom WM-Aus für Superstar Neymar hat im Land des WM-Gastgebers einen Schockzustand ausgelöst und die Vorfreude auf das Halbfinale gegen Deutschland getrübt. Ohne ihren Top-Stürmer muss die Selecao am Dienstag (08.06.2014) den Traum vom sechsten WM-Titel am Leben erhalten. Der 22-Jährige hat das brasilianische Mannschaftsquartier einen Tag nach seiner Verletzung verlassen und sich per Helikopter nach Hause zu seiner Familie fliegen lassen, wo er sich auskurieren möchte. "Es wird sehr schwierig. Aber wir werden alles geben, damit unser Traum weitergeht", sagte Luiz Gustavo vom VfL Wolfsburg vor der nächsten Herausforderung des WM-Gastgebers.

Neymar fehlt dann wegen eines Wirbelbruches, den er beim 2:1 im Viertelfinale gegen Kolumbien erlitt. Die Nachricht von der Verletzung des 22-Jährigen verbreitete sich wie ein Lauffeuer und erstickte den Jubel über den Einzug ins Halbfinale. Torschütze und Innenverteidiger David Luiz brach in den Katakomben des Castelao von Fortaleza in Tränen aus. "Wir werden einen Pakt abschließen, um ihn zu unterstützen, um an seiner Seite zu sein. Und auch um die Stärke dieser Mannschaft auf dem Platz zu zeigen", sagte er. "Ich bin sehr besorgt. Wir werden für ihn beten."

Heftige Kritik am Schiedsrichter

Der Kolumbianer Pablo Armero (r.) regt sich über eine Entscheidung von Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo aus Spanien auf (Foto: Marius Becker/dpa)

Armero (r.) regt sich über Schiedsrichter Velasco auf

Neymar wurde vom Platz getragen, nachdem ihm der Kolumbianer Juan Zuniga kurz vor Schluss mit dem Knie in den Rücken gesprungen war. Das Foul löste vor allem harsche Kritik an der Leistung des spanischen Schiedsrichters Carlos Velasco Carballo aus. "Es ist eine Sünde, dass Neymar seine WM verpasst", sagte Argentiniens Fußball-Idol Diego Maradona dem spanischen Sender Cadena Ser und schimpfte: "Der Schiedsrichter war der mieseste, den ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe."

Dem schloss sich auch ARD-Experte Mehmet Scholl an. "Das kommt dabei raus, wenn die Schiedsrichter nicht in der Lage sind oder die Vorgabe haben, brutale Fouls nicht zu stoppen", sagte der Ex-Nationalspieler, der sich in Rage redete: "Dann wird ein Neymar verschluckt, der wird vom Platz getragen. Wenn es zugelassen wird, dass die Kleinen vernichtet werden, dann haben wir ein Problem, und dann ist es auch nicht mehr unsere Sportart! Das war ein Gladiatorenkampf, aber es hatte mit dem Spiel nichts zu tun."

Der frühere Top-Schiedsrichter Urs Meier gab dem Fußball-Weltverband FIFA eine Mitschuld an Neymars schwerer Verletzung. "Das hat die FIFA mitzuverantworten", schrieb der Schweizer in einem Gastbeitrag für Focus Online. "Der Fußball bei dieser WM ist viel zu physisch und körperbetont, die Messlatte für Gelbe Karten viel zu hoch angesetzt worden. Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert - die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche", schimpfte Meier.

Umdenken gegen Deutschland

Die Ersatzspieler auf der brasilianischen Bank: Jo, Dani Alves, Dante und Willian (l.-r.) (Foto: Laurence Griffiths/Getty Images)

Jo, Dani Alves, Dante und Willian (l.-r.) wollen spielen

Die Brasilianer müssen sich nun schnell aufrappeln. Gegen die DFB-Auswahl wird wohl Bundesliga-Profi Gustavo nach seiner Gelbsperre in die Startformation zurückkehren, und auch Dante fiebert dem Spiel in Belo Horizonte entgegen. Der Innenverteidiger vom FC Bayern München darf sich wegen des Ausfalls von Kapitän Thiago Silva große Hoffnungen auf seine WM-Premiere machen. Silva sah seine zweite Gelbe Karte. "Wir sind in einer Situation, dass sich das jetzt alles ändert gegen Deutschland. Aber wir haben große Spieler wie Dante", deutete Trainer Luiz Felipe Scolari einen Einsatz des Bayern-Profis an.

Der Brasilianer David Luiz, der "Man of the Match" gegen Kolumbien, meinte zum kommenden Halbfinale: "Jetzt haben wir das tolle Duell mit Deutschland: eine große Mannschaft, mit einer großen Spielphilosophie, einem großen Coach". Dante verbarg seine Begeisterung über diese Konstellation erst gar nicht. "Ich freue mich sehr und bin schon ein bisschen heiß", sagte der 30-Jährige. "Wir spielen zu Hause, deshalb haben wir mehr Druck. Aber Deutschland ist auch einer der Favoriten."

Die Redaktion empfiehlt