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Wirtschaft

New Yorker Börse zeigt sich ganz neu

Es ist ein Umbruch für die größte Börse der Welt: Die New York Stock Exchange hat sich mit Archipelago zusammengeschlossen und setzt zunehmend auf den elektronischen Handel. Und: sie ist nun selbst als Aktie handelbar.

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Der Parketthandel an der NYSE bleibt erhalten - zumindest vorerst

Für die New York Stock Exchange (NYSE) endete am Dienstag (7.3.2006) nach 213 Jahren das Dasein als exklusiver Club mit zuletzt 1366 Mitgliedern. Durch die Fusion mit der Archipelago Holdings mit ihrem erfolgreichen elektronischen Wertpapier-Handelssystem hält auch an der NYSE das moderne Börsenzeitalter Einzug.

New Yorker Börse in der Wallstreet

Die NYSE an der Wall Street in Manhattan

Gleichzeitig wandelte sich die NYSE in eine Aktiengesellschaft um heißt nun NYSE Group. Die neue NYSE will in Zukunft den elektronischen Wertpapierhandel intensivieren, gleichzeitig aber auch den traditionellen Parketthandel beibehalten. Das dürfte allerdings nach Ansicht vieler Börsenexperten nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu einer rein elektronischen Börse sein.

New Yorker Börse will weiter zukaufen

John Thain Börse New York

John Thain

All dies hat die NYSE ihrem dynamischen Chef John Thain zu verdanken, einem früheren Elektro-Ingenieur und Spitzenmanager der Investmentbank Goldman Sachs, der im Januar 2004 die Führung der in negative Schlagzeilen geratenen Börse übernommen hatte. Thain will den Handel mit Optionen und anderen neuen Wertpapiergruppen einführen und den Anleihehandel massiv ausbauen. Damit will er den Börsenhandel sowie Umsätze und Gewinne stark erhöhen. Kurz vor dem eigenen Börsengang am Mittwoch (8.3.) betonte er erneut das Interesse an einer Allianz mit einer europäischen Börse. Dies sei jedoch nicht die einzige strategische Option für die NYSE, sagte er in einem Interview. Der NYSE-Börsengang könnte ihm finanzielle Munition für mögliche Kaufexpeditionen liefern.

In den vergangenen Jahren hatte die NYSE an der Wall Street zunehmend Kunden an die NASDAQ am Times Square und andere elektronische Wertpapiermärkte verloren, weil sie dort schnellere Transaktionen durchführen konnten. Hinzu kamen die Kontroverse über ein Gehalts- und Ruhestandspaket von 140 Millionen Dollar für den ehemaligen NYSE-Chef Dick Grasso sowie Vorwürfe über Missstände auf dem Börsenparkett.

Handel von NYX

Die neue NYSE Group gehört zu 30 Prozent den Archipelago-Aktionären, die pro eigener Aktie eine NYSE-Aktie erhalten, und zu 70 Prozent den 1366 Mitgliedern der New Yorker Börse. Die NYSE-Aktien werden von Mittwoch an unter dem Aktiensymbol "NYX" an der New Yorker Börse gehandelt. Im März oder April dürfte es eine Zweitemission geben. Dabei werden die NYSE-Mitglieder wahrscheinlich etwa ein bis zwei Milliarden Dollar Anteile versilbern und erstmals in großem Stil Kasse machen.

Wall Street Straßenschild

Verlor an Reiz: Die Wall Street

Insgesamt ist das zusammengeschlossene Unternehmen - ausgehend von dem Gesamtwert der Archipelago-Aktien von rund 3,2 Milliarden Dollar - wahrscheinlich deutlich über zehn Milliarden Dollar wert. Der Kurs der Archipelago-Aktien hatte sich seit der Ankündigung der Fusion im April 2005 mehr als verdreifacht, weil die Anleger hochgesteckte Erwartungen an die fusionierte Gesellschaft haben. Der Kaufpreis für einen NYSE-Börsensitz hatte sich ebenfalls verdreifacht und betrug zuletzt vier Millionen Dollar.

Am Anfang wurden täglich fünf Wertpapiere gehandelt

Seit die New Yorker Börse im Jahr 1792 an der Wall Street von 24 Maklern und Kaufleuten gegründet wurde, gehörte sie ihren Mitgliedern. Damals wurden anfangs täglich im Freien nur fünf Wertpapiere gehandelt: drei Anleihen und zwei Bankaktien. Heute notieren an der NYSE Aktien von mehr als 2800 Großunternehmen aus aller Welt. Es werden täglich im Schnitt 1,6 Milliarden Aktien mit einem Gesamtwert von durchschnittlich 56 Milliarden Dollar gehandelt.

Der Gesamtwert aller an der NYSE notierten Aktien beträgt rund 13,5 Billionen Dollar gegenüber nur rund 3,7 Billionen Dollar Gesamtwert für die an der elektronischen NASDAQ notierten Aktien, dem Hauptkonkurrenten der NYSE. Die NASDAQ hatte sich zuvor durch den Aufkauf des elektronischen Instinet-Systems für den intensiveren Wettbewerb mit der NYSE fit gemacht. (kap)

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