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Kultur

Neun berühmte Trauersongs und ihre Geschichte

Wenn Menschen trauern, kann ihnen Musik über ihren Verlust hinweghelfen. Denn wenn einem selbst die Worte fehlen, hat sie vielleicht ein anderer schon aufgeschrieben und ein Lied daraus gemacht.

Only Time

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 ging ein Lied um die Welt: "Only Time" von Enya. Im Text heißt es unter anderem: "Zeit ist das einzige, was Wunden heilen lässt. Man kann Wunden nie ganz loswerden, aber Zeit hilft, damit fertig zu werden". Ob es diese Worte waren, die einen New Yorker nach den Attentaten dazu veranlasst haben, eine Videocollage aus Fotos von den Ereignissen und den Opfern mit diesem Lied zu unterlegen? Das Video verbreitete sich sofort, im Netz und im Fernsehen. Enyas Lied wurde ein trauriger Hit – obwohl es schon ein Jahr auf dem Markt war. Nun ist es untrennbar mit 9/11 verbunden.

Tears In Heaven

Eric Clapton war nie ein guter Vater - sagte er von sich selbst. Doch dann kam der Tod seines Sohnes, und das hat ihn zutiefst schockiert. Der vierjährige Connor ist aus dem Fenster im 53. Stock eines New Yorker Appartmenthauses gefallen. Die Putzfrau hatte aus Versehen das Fenster offengelassen. Ein tragischer und vermeidbarer Unfall. Der Tod des eigenen Kindes ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Eric Clapton schrieb ein Jahr nach dem Unfall das Lied "Tears In Heaven", in dem er seinen Sohn fragt, ob er ihn wohl erkennen werde, wenn sich beide im Himmel treffen.

Herbert Grönemeyer (picture alliance/Eventpress/Borns)

Herbert Grönemeyer verarbeitete seine Trauer in mehreren Liedern

Der Weg

Herbert Grönemeyer hat in kurzen Abständen seinen Bruder und seine Frau verloren. Er zog sich zunächst vollkommen zurück. Er schrieb an seinem Album "Mensch". Dort verarbeitete er seine Trauer in mehreren bewegenden Songs: "Mensch", "Unbewohnt" und "Der Weg" – letzteres Lied geht besonders unter die Haut, wenn es im Refrain heißt: "Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet, hast jeden Verdruss ins Gegenteil verkehrt (...) das Leben ist nicht fair." Grönemeyer sagte zu dem Album, dass Tod eine Farbe sei, die zu ihm gehöre und die man auch auf seinen nächsten Alben finden werde.

Candle In The Wind

Elton John hat den Song "Candle in the Wind " 1973 der Hollywooddiva Marilyn Monroe gewidmet. 24 Jahre später gab es für ihn einen Anlass, dieses Lied umzudichten: Der tödliche Unfall von Prinzessin Diana im September 1997. Die beiden waren eng befreundet. Elton John spielte das Lied live bei der Trauerfeier für Diana, es begann mit den Worten: "Auf Wiedersehen, Rose von England, du wirst in unseren Herzen weiter wachsen." Eine Woche danach brachte John die Single heraus, mit dem Untertitel "In loving memory of Diana, Princess of Wales". Es wurde die erfolgreichste Single aller Zeiten. Live hat Elton John diese Version des Liedes nie wieder gesungen.

Stark wie zwei

Udo Lindenberg verlor 2006 seinen Bruder. Zu einer Zeit, in der er sich beinahe selbst verloren hatte; seine Karriere befand sich in einem Tief. Und dann entstanden der Song "Stark wie zwei" und das gleichnamige Album. Udo war fertig mit seinem Tief und kam mit seinen neuen Songs stärker aus der Krise heraus als jemals zuvor. Seinem Bruder widmete er diese Zeilen: "Stark wie zwei, ich geh die Straße runter, stark wie zwei, egal, wo ich hingeh, du bist dabei, ich bin jetzt stark wie zwei."

Udo Lindenberg (picture-alliance/dpa/C. Bilan)

Udo Lindenberg verlor seinen Bruder

Hurt

Geschrieben hat dieses Lied der Nine Inch Nails-Kopf Trent Reznor. Er nannte ihn seinen persönlichsten Song, in dem er sich mit seinen früheren Drogenerfahrungen und seinen Depressionen auseinandersetzt. Darin entscheidet er sich für das Leben und überwindet das Tief. Die Coverversion von Johnny Cash ist eine völlig andere Interpretation: Hier singt ein alter, sterbender Mann, der mit seinem Leben abschließt. Die Botschaft: "Der Tod ist unvermeidbar und kommt auf jeden Fall, egal was du in deinem Leben gemacht hast.”

Amazing Grace

Im 18. Jahrhundert verfasste der ehemalige Sklavenschiffer John Newton ein Lied über seine Bekehrung. Während einer seiner Reisen überlebte er einen schweren Sturm und stellte daraufhin sein früheres Leben in Frage. Er wurde zum Geistlichen. "Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden, ich war blind, aber nun sehe ich." US-Präsident Barack Obama sang dieses Lied bei einer Trauerfeier in Charleston, wo eine Woche zuvor neun Afroamerikaner in einer Kirche erschossen worden waren.

Hallelujah

Leonard Cohen schrieb diesen Song 1984. Eigentlich ist es kein Trauersong. Aber es ist so eine kraftvolle Hymne, dass sie zu fast jedem feierlichen Anlass dazugehört. Unzählige Male wurde dieses Lied schon gecovert. Es geht in dem schwer interpretierbaren Text um biblische Metaphern. Prominente Neuinterpretationen kommen von Jeff Buckley, John Cale, Damien Rice und Popa Chubby.

Sting (picture-alliance/AP Photo/M. Sayles)

Stings Lied "Fragile" ist ein offener Song

Fragile

Dies sei ein offener Song, und es sei gut, dass die Menschen ihn mit Sinn füllen, sagte Sting über seinen Song. Er schrieb ihn 1987, nachdem ein Soldat einer US-Friedenstruppe in Nicaragua von Contras ermordet worden war. Seitdem gab der Song vielen traurigen Anlässen eine Stimme: Nach 9/11 sang Sting das Lied bei einem Benefizkonzert für die Opfer. Bei der Eröffnung des Musikclubs Bataclan in Paris spielte er es auch. Dort hatten Attentäter im November 2015 während eines Konzerts 90 Menschen umgebracht. Die Botschaft des Songs: "Wir sind zerbrechlich".

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