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Kultur

Neumeiers Meisterschüler

Hamburger Herbstwind pfeift um das alte Gebäude. Regen prasselt gegen die Fenster. In dem großen Backsteinbau interessiert das niemand. Hier in der Ballettschule von John Neumeier wollen alle nur eins: tanzen.

Ballett-Training in der Neumeier Schule

Besonders intensives Training: Maurus Gauthier

Aus dem Raum Fokine ist lautes, rhythmisches Trommeln zu hören. Es wird gerade Moderner Tanz unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler gehören bereits den Theaterklassen an. Sie sind die Ältesten an der Schule. Sie konzentrieren sich auf das was ihnen ihre Lehrerin, Beatrice Schickendantz-Giger, erklärt und vortanzt. Aber vielen ist doch anzusehen, dass ihnen diese Form des Tanzes schwerer fällt, als das klassische Ballett. "Ich mag das klassische Ballett am liebsten", sagt Maurus Gauthier. Aber das Moderne möge er auch.

John Neumeier

Der Meister im Unterricht: John Neumeier

Schüler als Choreographen

Der junge Schweizer ist seit zwei Jahren in Hamburg. Er hatte sich auch andere Schulen angesehen, aber dann, nachdem er eine Woche lang beim Unterricht im Ballettzentrum war, entschied er sich für diese. "Der Unterricht hier ist sehr intensiv", sagt Maurus. Und besonders gefällt ihm "Kompo" - das eigene Komponieren. In den Theaterklassen sollen die Schüler auch ihre eigenen Choreographien erstellen.

Hamburg Ballettschule Neumeier

Die eigene Choreografie gehört dazu

Internationale Kaderschmiede

John Neumeier - der große Meister der deutschen Ballettszene - hat selbst einst so von sich Reden gemacht. Als er in den 60er Jahren aus den USA nach Europa kam und von John Cranko in Stuttgart gefördert wurde, fiel er besonders durch seine kleinen selbst entwickelten Matinee-Choreografien auf. Seitdem war Neumeier Ballettdirektor in Frankfurt und Hamburg. 1989 kam die Hamburger Ballettschule hinzu, eine deutsche Kaderschmiede, die seit ihrem Bestehen immer internationaler geworden ist. Von den derzeit gut hundert Schülern kommt die Hälfte aus dem Ausland. Im Internat wohnen etwa 30 Kinder aus 14 verschiedenen Ländern. Dabei wollte John Neumeier mit der Gründung der Schule 1989 eine Ballettschule für deutsche Talente schaffen. "Ich wollte Deutschland etwas zurückgeben als Dank, für die Jahre, in denen er sich hier als Tänzer und Choreograph verwirklichen konnte", sagt John Neumeier.

Sprung in die Theaterklasse

Maurus sitzt verschwitzt auf den Stufen zum Ballettsaal. Er hat eine kurze Pause, bevor der Unterricht gleich weitergeht. Er besucht die siebte Klasse. Dafür hat er im vergangen Jahr hart gearbeitet. Denn in der sechsten wird noch mal streng bewertet, wer gut genug ist, weiter zu kommen. Denn nur die Besten dürfen ihre Ausbildung bei John Neumeier machen. "Mir wurde gesagt, ich müsse mehr Kraft bekommen, die Füße verbessern, meine Arme beweglicher machen", sagt Maurus. Also ging er jeden Tag zum Krafttraining.

Internat im Ballettzentrum

Er tanzt seitdem er elf ist. Die ersten Jahre hat er in der Schweiz Unterricht bekommen, so konnte er bei seiner Familie bleiben. "Ich wäre nicht so früh von Hause weggegangen", sagt Maurus. "Ich brauchte da noch meine Mutter." Viele seiner Mitschüler kamen jedoch bereits als Kinder nach Hamburg, ohne ihre Eltern. Sie leben im Internat, das auch im Ballettzentrum untergebracht ist. Auch ältere Schüler, die nicht in der Nähe wohnen, teilen sich hier Zimmer mit ihren Mitschülern. Doch Maurus wohnt lieber in einer Wohngemeinschaft. "Da kann ich mich auch mal etwas zurückziehen und für mich sein", sagt er.

Schüler und Ensemble unter einem Dach

Eins ist Neumeier gelungen: Ein Ballettzentrum zu schaffen, das Schule und Compangnie unter einem Dach vereint. Davor würden nicht nur die jungen Schüler etwas haben, die ihre großen Vorbilder so jeden Tag vor Augen haben. "Es tut einem Tänzer vom Ensemble auch gut, wenn er die Kleinen trainieren sieht, wenn er sich erinnert, welchen Weg er bereits zurückgelegt hat", sagt Neumeier. Das würde manchmal für die Motivation sehr hilfreich sein, wenn man erschöpft sei.

Turnhalle mit Maßen der Staatsoper

Mit dem alten Schulgebäude im Hamburger Osten hat das Ballettzentrum seinen perfekten Sitz gefunden. Nach aufwendigem Umbau können die Schüler und das Hamburg Ballett in neun Trainingsräumen, die hier Studio genannt werden, tanzen. Alle sind sie nach berühmten Choreographen benannt. Das besondere: Die alte Turnhalle, heute das Petipa Studio, hat die gleichen Maße wie die Hauptbühne der Staatsoper.

Nach Ende der Ausbildung auch dem Hamburg Ballett anzugehören, das wünschen sich wohl alle Schüler. Doch selbst wer es bereits bis in die Theaterklasse geschafft hat, kann sich da nicht sicher sein. "Ich denke eigentlich nicht darüber nach, ob ich da rein komme", sagt Maurus. Für ihn ist nur klar, dass er immer tanzen wird, egal wo. Denn Tanz sei sein Leben.

Autorin: Janine Albrecht
Redaktion: Elena Singer

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