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Kultur

Neuland im deutschen Fernsehen

Aufwendig produzierte Schmachtgeschichten mit vielen Tanzeinlagen und kunstvolle Kleider aus Satin und Seide: Das sind die Zutaten für indisches Kino. Jetzt soll "Bollywood" nach Deutschland kommen – in die Wohnzimmer.

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Szene aus "Sometimes Happy, Sometimes Sad"

Indische Filme werden immer beliebter. Schon längst produziert der indische Markt jedes Jahr mehr Filme als Hollywood. Konkurrenz können die indischen Streifen den US-Produktionen aber nicht machen – bisher. Das könnte sich ändern, denn in den letzen drei bis vier Jahren hat auch die "westliche Welt" begonnen, sich für das indische Kino zu interessieren. Besonders in Europa entwickelt sich das "Bollywood"-Kino ("Bombay" + "Hollywood") zum Trend. Am 19. November 2004 wird nun zum ersten Mal ein indischer Bollywood-Film im deutschen Fernsehen laufen. Der Privatsender RTL II sendet den dreistündigen Mega-Streifen "Sometimes Happy, Sometimes Sad", der auch schon im Kino zu sehen war, zur besten abendlichen Sendezeit.

Erfolgreiche Übersetzung?

Als der Film vor ungefähr eineinhalb Jahren mit deutschen Untertiteln in den Kinos lief, war der Erfolg mäßig, nur etwa 7000 Zuschauer kamen. Der Hauptgrund seien die Untertitel gewesen, sagt Minea Bauer von RTL II. "Die wenigsten Leute in Deutschland setzen sich hin und schauen einen dreieinhalb Stunden langen untertitelten Film an. "Filme mit Untertiteln würden von den großen Zeitschriften häufig gar nicht erst rezensiert und so wüssten viele Kino-Gänger auch nichts von diesen Filmen, erklärt Minea Bauer. RTL II hofft nun mit der Übersetzung auf Erfolg. Dreieinhalb Monate habe die Synchronisation gedauert, sagt Minea Bauer. Keine leichte Aufgabe - so hätten besonders die Gesangseinlagen und kulturelle Unterschiede Schwierigkeiten bei der Übersetzung bereitet.

Große Gefühle

Sometimes Happy, Sometimes Sad

Einfache Erzählstruktur in "Sometimes Happy, Sometimes Sad"

"In guten wie in schweren Tagen" soll der deutsche Titel heißen. Es ist ein großes Familiendrama mit einer einfachen, nachvollziehbaren Erzählstruktur, eigentlich eine typische Seifenoper, sagt die RTL-II-Filmchefin. Auch wenn den deutschen Zuschauern die Gesichter und Kostüme zunächst ungewohnt erscheinen mögen, so werde sie doch die allgemeingültige Emotionalität sicher fesseln. Und das ist es auch, was nach ihrer Ansicht das indische Kino von amerikanischen und deutschen Produktionen unterscheidet. "Es sind sicherlich alles melodramatisch inszenierte Filme, die sich aber nicht durch eine rationale Erzählweise erklären, in denen es wichtig ist, Welten gut mit Computergrafiken darzustellen, damit sie glaubwürdig sind, sondern es sind Filme, die ihre Erzählungen über die Emotionen darbringen", sagt Minea Bauer. Diese Tiefe der Charaktere sei gerade im großen Hollywood-Kino in der letzten Zeit verloren gegangen.

Sometimes Happy, Sometimes Sad

Viel Film für wenig Geld

Ein Vorteil der indischen Produktionen ist auf jeden Fall ihr Einkaufspreis. Bollywood-Filme kosten zwischen 10 und 12 Millionen Dollar – wesentlich weniger als Hollywood-Produktionen. Der deutsche Privatsender RTL II hofft, mit diesem ersten deutsch-synchronisierten Bollywood-Film einen Zuschaueranteil von acht Prozent zu erreichen. Wenn er gut angenommt, wolle man auf jeden Fall weitermachen, sagt Minea Bauer.

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