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Filme

Neues vom Deutschen Film

Hof ist immer eine Reise wert. Für viele Filmfans ist es "das schönste Festival" Deutschlands. Die diesjährigen Hofer Filmtage präsentierten wieder viele Debüts - und eine legendäre Gestalt des europäischen Kinos.

Ein junger Mann springt in einer Halle mit ausgebreiteten Armen herunter - Szene aus Parkour, (43. Internationale Hofer Filmtage)

Lief zum Auftakt: "Parkour"

Jedes Jahr wartet die deutsche Filmbranche gespannt auf die Filme, die in Hof ihre Premiere feiern. Das Festival hat eine Aufgabe übernommen, die man im Fußball als Nachwuchsarbeit bezeichnen würde. Denn der mittlerweile dienstälteste Festivalleiter Europas, Heinz Badewitz, holt Kurzfilme und damit junge Filmemacher genauso nach Hof wie abendfüllende Spiel- und Dokumentarfilme. Und er bleibt an den Talenten dran, die er einmal entdeckt hat und die bereits einen Kurzfilm beim Festival präsentieren konnten.

Drama und Komödie, kurz und lang

Auffällig viele junge Regisseure kamen zur 43. Ausgabe der Filmtage mit ihrem Debütfilm oder dem zweiten Langfilm - sozusagen als Wiederholungstäter aus Überzeugung zurück nach Hof. Darunter Marc Rensing, dessen "Parkour" auch gleich als Eröffnungsfilm zu sehen war. Oder Michael Dreher, der mit seinem Kurzfilm "Fair Trade" zahlreiche Preise gewonnen hatte und jetzt mit dem Langfilm "Die zwei Leben des Daniel Shore" auch eine Mörderrolle für Nikolai Kinski geschrieben hat. Die nächste Generation ist damit am Start – und das auch im Bereich der "guten Unterhaltung". Die diesjährige Hof-Komödie von Regisseur Frieder Wittich heißt "13 Semester", spielt im studentischen Milieu, überzeugt durch ein schönes Timing und trifft dabei auch noch den Zeitgeist der Nullerjahre.

Ein junges Paar in Badebekleidung - von oben fotografiert - Szene aus 13 Semester, (43. Internationale Hofer Filmtage)

Publikumshit in diesem Jahr in Hof und demnächst im Kino: "13 Semester"

Deutschlandkomplex: immer mehr Dokumentarfilme

Dieses Jahr gab es in Hof so viele Filme wie nie zuvor aus dem Bereich Dokumentarfilm. Politische, gesellschaftliche, auch private Themen. Und es ist schön zu sehen, dass auch schwierige und spezielle Geschichten nicht nur ernsthaft behandelt werden, sondern auch begeisterte Zuschauer finden. "Pink Taxi" war einer dieser Filme. Er geht zwar vordergründig um die Fahrerinnen eines Moskauer Taxiunternehmens, das nur Frauen befördert und beschäftigt, eigentlich spricht der Film aber für alle russischen Frauen und wirft - wie der Regisseur Uli Gaulke meint - "auch einen Blick in die russische Seele“.

Eine Frau steht vor einem pinken Taxi (43. Internationale Hofer Filmtage)

"Pink Taxi"

Ausgezeichnet: Christian Petzold und „Waffenstillstand“

Die Filmtage haben keine großen Preisgelder, aber den Filmpreis der Stadt Hof. Dieses Jahr ging die Ehrung an einen, der in den letzten Jahren viel für den deutschen Film getan und ihn als wichtigster Vertreter der sogenannten "Berliner Schule" mit gestaltet hat: Christian Petzold, für Festivalchef Badewitz "einfach der beste deutsche Regisseur“. Der "Förderpreis Deutscher Film" ging ans Produzenten-Team Florian Deyle und Martin Richter für "Waffenstillstand" – dem Erstling von Lancelot von Naso, einer solide gemachten Produktion, die aber nicht das ganz große Kinofeeling versprüht. Das fehlte auch in anderen deutschen Produktionen ein wenig.

Ein Mann kommt aus einem Wagen mit erhobenen Händen, davor Soldaten - Szene aus Waffenstillstand (43. Internationale Hofer Filmtage)

Förderpreis Deutscher Film 2009 - "Waffenstillstand"


Starke Geschichten aus der Realität

Die wirklichen Überraschungen fand man trotzdem - nur kamen sie dieses Jahr vor allem aus dem Ausland. "Sin nombre“, das Debüt des 32-jährigen Amerikaners Cary Joji Fukunaga ist ein Beispiel dafür. Ein großer Film über zwei große lateinamerikanische Themen, Bandenkriege und die illegale Einwanderung in die USA. Dass diese Symbiose, spannend und in großartigen Bildern erzählt, nicht nur funktioniert, sondern ein Kinoerlebnis wird, hat "Sin nombre" auch den jahrelangen Recherchen von Fukunaga zu verdanken, der in spanisch drehte und nie aus den Augen verlor, wie nahe sein Drehbuch der Realität kommt.

Ein großer gelber Schriftzug Plastic Planet über Landschaft - Plakat von Plastic Planet ( 43. Internationale Hofer Filmtage )

Plastik für alle

Ganz in der Realität angesiedelt ist hingegen der Dokumentarfilm "Plastic Planet“ des Österreichers Werner Boote. Eine Recherche über die Auswirkungen des allgegenwärtigen Kunststoffs für Umwelt und Gesundheit und ein gutes Beispiel dafür, dass nur Filme etwas bewirken können, die nicht langweilig sind.

Retrospektive Lou Castel

Den Anspruch eines Internationalen Filmfestivals, das zugleich deutsche Produktionen stark in den Mittelpunkt rückt, erfüllte Hof mit der diesjährigen Retrospektive voll und ganz: Sie war dem Schauspieler Lou Castel gewidmet. Der wurde in Kolumbien geboren und einst in Rom entdeckt. Dort bekam er seine erste Hauptrolle bei Marco Bellocchio. Sein Name ist außerhalb von Cineastenkreisen wenig geläufig, doch sein Gesicht verbindet man mit dem Kino-Aufbruch der 60er und 70er Jahre. Er spielte unter anderem bei Fassbinder, Chabrol und Wenders. Eine gelungene Reminiszenz an die Hofer Vergangenheit.

Der Schauspieler Lou Castel, daneben junge Frau (43. Internationale Hofer Filmtage)

Lou Castel

Doch auch dieses Jahren waren die Filmtage keine Nostalgie-Parade, sondern wieder ein vitaler Treffpunkt für die deutsche Film-Community und das Hofer Kino-Publikum - mit vielen ausverkauften Vorstellungen.

Autorin: Renate Heilmeier

Redaktion: Jochen Kürten

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