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Reise

Neues Schweben in Wuppertal

Am Sonntag startet die legendäre Wuppertaler Schwebebahn in ein neues Zeitalter. Das über 100 Jahre alte Verkehrssystem wurde in einem langwierigen Mammutprojekt generalüberholt.

Die Schwebebahn ist einzigartig, deshalb musste der Ausbau maßgeschneidert sein. Zwei Jahrzehnte lang wurden auf der 13,3 Kilometer langen Trasse Bahnhöfe und die massigen Gerüste erneuert. Insgesamt hat die Verjüngungskur 634 Millionen Euro gekostet. Der ganze Fahrweg wurde nach und nach neu gebaut. Die Erneuerung dauerte so lange, weil bei laufendem Betrieb saniert wurde.

Deutschland Wuppertaler Schwebebahn (picture-alliance/dpa/R. Weihra)

Der historische "Kaiserwagen" neben einem neuen Modell

Am Sonntag kommen auch fünf Wagen der neuen Generation auf die Strecke. "Wir sind aufgeregt, wir freuen uns, und die Leute freuen sich auch", sagt Holger Stephan, der Sprecher der Wuppertaler Stadtwerke. Bis Anfang 2018 sollen alle 31 neuen Wagen am Gerüst hängen. Dann kann die Schwebebahn an den 20 Bahnhöfen zwischen Vohwinkel und Oberbarmen schneller und im Zwei-Minuten-Takt fahren. 

Deutschland Wuppertaler Schwebebahn (picture-alliance/dpa/R. Weihra)

Mehr Platz für die Fahrgäste und größere Panoramafenster

Die neuen hellblauen Wagen sind von außen so groß wie die alten, innen aber geräumiger. Es gibt mehr Platz für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer. Und erstmals überhaupt gibt es gepolsterte Sitze. Die ausgemusterten alten Wagen werden größtenteils an Fans verkauft.

Deutschland Wuppertaler Schwebebahn (picture-alliance/dpa/WSW mobil GmbH/S.Tesche-Hasenbach)

Leiser, schneller, schöner - neue Wagen auf Testfahrt

Die Schwebebahn hat Wuppertal weit über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen bekannt gemacht. Sie wurde zum Wahrzeichen der Stadt mit 350.000 Einwohnern. Ein öffentliches Verkehrsmittel, das über die Köpfe der Menschen hinweg saust und 24 Millionen Fahrgäste im Jahr befördert, ist schon etwas Besonderes. Das drückt sich auch in der Fülle der Souvenirs aus. Von den neuen Wagen im Spielzeugformat wurden schon über 1700 verkauft. Die Schwebebahn in Wuppertal gibt es als Weingummi und Plätzchenausstecher, auf Kaffeetassen und Kugelschreibern. 

Deutschland Wuppertaler Schwebebahn (picture-alliance/blickwinkel/S. Ziese)

Ohne Stau durch die Innenstadt

85.000 Fahrgäste steigen an Werktagen auf den meterhohen Bahnsteigen ein und gleiten auf etwas schaukeliger Fahrt durch die Stadt an der Wupper. Ende des 19. Jahrhunderts konnten sich nur reiche Industriestädte eine Verrücktheit wie die Schwebebahn leisten. Andere bauten U-Bahnen - im Tal der Wupper strebte man nach oben.

Deutschland Wuppertaler Schwebebahn (picture-alliance/blickwinkel/S. Ziese)

Historische Jugendstil-Station Werther Brücke

Die Städte Barmen und Elberfeld, 1929 zu Wuppertal vereinigt, verwirklichten das verwegene Projekt. Die Trasse verläuft in der dicht bebauten Stadt meist über dem Fluss. Schon vor der Eröffnung 1901 kam sogar das Kaiserpaar und stieg ein. Ein "Kaiserwagen" aus der allerersten Baureihe ist immer noch zu Sonderfahrten unterwegs.

Wuppertal Schwebebahn 1912 ARCHIV (picture alliance / IMAGNO/Austrian Archives)

Alles einsteigen! Bahnhof Döppersberg 1912

Bekanntester Fahrgast aber ist ein kleiner Elefant: 1950 löste "Tuffi" bei einer Werbefahrt eine Panik an Bord aus. Der nervös gewordene Dickhäuter durchbrach ein Fenster und landete in der Wupper. Der Elefant kam mit ein paar Kratzern davon, die schwebende Bahn aber war um eine sagenhafte Geschichte reicher. Mit dem Ausbau der Trasse verknüpft ist aber auch das schlimmste Unglück in der Geschichte der Schwebebahn: Im Jahr 1999 stürzte ein Zug ab, weil ein Metallteil an der Fahrschiene vergessen worden war. Fünf Fahrgäste verloren ihr Leben.

Ulrike Hofsähs (dpa)