1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Neues psychiatrisches Gutachten zu Breivik

Psychiater hatten den geständigen norwegischen Attentäter Breivik für unzurechnungsfähig erklärt. Eine Gefängnisstrafe wäre damit ausgeschlossen. Nach massiver Kritik sollen jetzt weitere Untersuchungen Klarheit bringen.

Breivik (Foto: dapd)

Wie steht es um den Geisteszustand des geständigen Attentäters von Oslo und Utöya?

Angesichts der Schwere von Behring Breiviks Taten sei eine neue Untersuchung seiner Schuldfähigkeit angebracht, sagte Richterin Wenche Elizabeth Arntzen am Freitag (13.01.2012) vor Journalisten in Oslo. Das Gericht beauftragte demnach zwei weitere Experten, den Geisteszustand des 32-jährigen Rechtsextremen zu untersuchen. Ein früheres Gutachten vom November hatte ihn wegen paranoider Schizophrenie für unzurechnungsfähig erklärt. Demnach müsste Breivik in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werden und käme nicht ins Gefängnis. Die Richterin erklärte, die weitverbreitete Kritik an der ersten Untersuchung habe die Neuauflage nötig gemacht.

Fahnen und Blumen als Zeichen der Trauer (Foto: dapd)

Große Anteilnahme nach den verheerenden Anschlägen im Juli 2011

"Methodisch und rational"

Opfer-Anwälte forderten ein neues Gutachten, weil mehrere Nebenkläger das Vorgehen Behring Breiviks während des Massakers auf der Insel Utöya als methodisch und rational wahrnahmen.

Nach den Worten der Richterin hat zudem das Personal in dem Osloer Gefängnis, in dem Breivik derzeit einsitzt, keine Anzeichen dafür bemerkt, dass dieser psychotisch sei. Ob Breivik mit den Psychiatern kooperieren wird, bleibt offen. In einem von seinem Anwalt eingereichten Antrag hatte er die Notwendigkeit für weitere Untersuchungen zurückgewiesen. Mit dem Gutachten beauftragt wurden die beiden norwegischen Psychiater Agnar Aspaas und Terje Toerrisen.

"Höchstwahrscheinlich alleine geplant"

Der 32-jährige Attentäter hatte am 22. Juli 2011 zunächst im Regierungsviertel von Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet. Anschließend erschoss er in einem Sommerlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya 69 überwiegend jugendliche Teilnehmer.

Breivik erklärte hinterher, er halte sich nicht im juristischen Sinne für schuldig. Er verstehe sich als Widerstandskämpfer gegen die Islamisierung des Abendlandes und als Kommandeur einer Bewegung zum Schutz des Christentums und der weißen Rasse. Allerdings fanden Ermittler keinerlei Hinweise auf eine solche Bewegung. Sie gehen vielmehr davon aus, dass Breivik die Taten höchstwahrscheinlich alleine geplant und durchgeführt hat.

Autor: Herbert Peckmann (dapd, afp dpa)
Redaktion: Rolf Breuch

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema