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Aktuell Amerika

Neues Polizeivideo aus South Carolina

Die tödlichen Schüsse eines US-Polizisten auf einen Schwarzen hat ein Augenzeuge gefilmt. Nun wurde auch ein Polizeivideo veröffentlicht. Zudem werden Details über die Vergangenheit des Polizisten bekannt.

Nach den tödlichen Schüssen eines weißen Polizisten auf einen flüchtenden Afroamerikaner im US-Bundesstaat South Carolina ist ein weiteres Video aufgetaucht. Es zeigt die Verkehrskontrolle im Vorfeld der Schüsse und wurde von US-Behörden veröffentlicht. Aufgenommen wurden diese Bilder mit einer sogenannten Dashcam, einer Kamera, die auf dem Armaturenbrett des Streifenwagens angebracht war.

Normale Verkehrskontrolle

Auf den Bildern ist zu sehen, wie der inzwischen wegen Mordes angeklagte Polizist eine offenbar routinemäßige Verkehrskontrolle eines dunklen Mercedes beginnt, nachdem er diesen angehalten hat. Er geht zur Fahrertür des Wagens und erläutert dem Fahrer, dass er ihn wegen eines nicht funktionierenden Rücklichts angehalten habe. Anschließend verlangt der Beamte die Papiere und den Versicherungsnachweis für das Auto. Es ist zu hören, wie der Fahrer erwidert, dass er keine Registrierung oder Versicherung für das Fahrzeug habe, weil er gerade erst dabei sei, den Wagen zu kaufen. Nach einem weiteren kurzen Gespräch kehrt der Polizist zunächst zu seinem Streifenwagen zurück.

Später ist zu sehen, wie der Fahrer aus dem Wagen steigt und dem Polizisten etwas signalisiert. Der Beamte fordert ihn daraufhin auf, sich wieder in den Wagen zu setzen. Der Fahrer kommt dieser Aufforderung zunächst nach. Etwa 20 Sekunden später öffnet er die Tür aber erneut und läuft davon. Von den späteren tödlichen Schüssen ist auf dem Video, das aus dem Streifenwagen heraus aufgenommen wurde, nichts zu sehen. Diese Szene hielt allerdings ein Augenzeuge in einem anderen, bereits zuvor veröffentlichten Handy-Video fest, das zur Mordanklage gegen den Polizisten geführt hatte.

Polizist wurde schon einmal auffällig

Nun kam heraus, dass der weiße US-Polizist sich bereits zuvor wegen übermäßiger Gewalt gegen einen Schwarzen verantworten musste. Das geht aus einer Beschwerde in der Personalakte des mittlerweile aus dem Polizeidienst entlassenen und wegen Mordes angeklagten Michael Slager hervor. Konsequenzen hatte der Vorfall aus dem September 2013 allerdings nicht: Slager wurde von den Vorwürfen entlastet.

Damals war Slager demnach in North Charleston mit einem Kollegen zu einem Einbruch gerufen worden. Die Betroffene führte die Polizisten zum Haus des mutmaßlichen Täters, wo ein wohl Unbeteiligter an der Tür erschien. Obwohl die Frau klarstellte, dass er nicht der gesuchte Einbrecher sei, sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, woraufhin Slager seinen Elektroschocker einsetzte. So berichteten es eine Augenzeugin und der Betroffene, der später die Beschwerde einreichte. Slager habe ihm grundlos einen Schock verpasst und ihn geschlagen und gezerrt. Der zweite Polizist sagte dagegen, Slager habe den Taser einsetzen müssen, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

Slager arbeitete zuvor für Küstenwache

Slagers auf Video festgehaltene Todesschüsse auf den flüchtenden Walter Scott lösten in den USA eine Welle der Empörung aus. Das Video eines Passanten hatte gezeigt, dass der 33 Jahre alte Michael Slager achtmal auf den 50-jährigen Scott gefeuert hatte, der bei einer Verkehrskontrolle aus seinem Wagen sprang und weglief. Slager hatte sich auf Notwehr berufen und muss voraussichtlich an diesem Freitag vor Gericht erscheinen. Der erschossene Scott soll am Samstag beerdigt werden.

Slager kam seiner Akte zufolge 2009 zur Polizei und hatte seiner Bewerbung zufolge sechs Jahre für die Küstenwache gearbeitet. Leistungsbeurteilungen zeichnen das Bild eines guten Mitarbeiters, der die Anforderungen erfüllt. Er habe stets Sicherheitsvorschriften eingehalten und sich stets um die Sicherheit seiner Kollegen gesorgt. Er besaß auch die Lizenz, einen Elektroschocker einzusetzen.

Unterdessen ist in South Carolina ein weiterer Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze bekanntgeworden: Ein Polizist, der vergangenes Jahr einen Afroamerikaner nach einer Verfolgungsjagd erschoss, wurde festgenommen. Bei einer Verurteilung drohen ihm laut "Washington Post" bis zu zehn Jahre Haft und 1.000 Dollar Strafe.

as/sp (dpa, rtr, ape)