1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Neues Medikament gegen Tuberkulose schürt Hoffnung

Auf der AIDS-Konferenz in Melbourne wurden die Ergebnisse aus einer Medikamentenstudie vorgestellt. Ihre neue Wirkstoffkombination sei ein Fortschritt für Millionen HIV-positiver Tuberkulose-Patienten.

Um den tödlichen HIV-Erreger in Schach zu halten, müssen HIV-Patienten jeden Tag mehrere Tabletten schlucken. Wenn diese Patienten sich dann auch noch zusätzlich mit Tuberkulose infizieren - was nicht selten vorkommt - brauchen sie noch mehr Medikamente.

Dann können Probleme auftauchen. Zum Beispiel, wenn die unterschiedlichen Wirkstoffe anfangen, sich gegenseitig zu beeinflussen. "Ein Medikament kann dafür sorgen, dass ein anderes Medikament im Körper in größeren oder geringeren Mengen verfügbar ist", sagt Mel Spigelman, Präsident und Geschäftsführer der

TB Alliance

im DW-Interview. Die in New York ansässige gemeinnützige Organisation "Global Alliance for TB Drug Development" hat sich der Entwicklung neuer Arzneimittel gegen Tuberkulose verschrieben.

Ukraine: Tuberkulose-Patienten im Krankenhaus in Kiew (Foto: ITAR-TASS/ Alexei Ivanov).

Tuberkulose ist weltweit verbreitet

Laut Spigelman "verursacht vor allem der Wirkstoff Rifampicin, der Teil der Standardbehandlung gegen Tuberkulose ist, viele Wechselwirkungen mit den antiretroviralen Medikamenten gegen HIV". Eine neue Wirkstoffkombination der TB Alliance könnte dieses Problem lösen. "Bis jetzt haben wir keine Wechselwirkungen gefunden, die dagegen sprächen, das Medikament gleichzeitig mit antiretroviralen Mitteln einzunehmen", sagt Spigelman.

Behandlungszeit verkürzen

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation erkranken jedes Jahr über acht Millionen Menschen an Tuberkulose; mehr als eine Million stirbt daran. "HIV und TB sind eine tödliche Kombination: Jede diese Erkrankungen beschleunigt den Verlauf der jeweils anderen", schreibt die WHO auf ihrer Webseite. "TB führt mit einem Fünftel aller Todesfälle die Liste der Todesursachen bei HIV-infizierten Menschen an."

Die neue Wirkstoffkombination PaMZ hat gerade Phase II ihrer

klinischen Studie

erfolgreich abgeschlossen. Forscher haben sie darin mit der Standardbehandlungsmethode verglichen. Ein Fünftel der Probanden waren auch mit HIV infiziert.

Tuberkulose-Tabletten (Foto: Denis Meyer, dpa - Report).

Die Behandlung der Tuberkulose ist langwierig

"Die Ergebnisse zeigen, dass PaMZ mehr Tuberkulose-Bakterien in den Patienten tötet als die Standardtherapie - und das sogar in einem kürzeren Zeitraum", verkündeten die Forscher am Montag (21.07.2014) in Melbourne. Sie gehen davon aus, dass ihr Wirkstoff-Cocktail die Behandlungszeit für Tuberkulose-Patienten auf vier Monate verringern kann. Somit würde er auch die Kosten für die Behandlung der TB auf einen Bruchteil der jetzigen Kosten verringern. Derzeit dauert eine Tuberkulose-Behandlung mindestens ein halbes Jahr. Im Falle von multiresistenten Erregern kann sie aber auch bis zu zwei Jahre dauern. Während dieser Zeit muss sich der Patient einer aufwändigen und nebenwirkungsreichen Chemotherapie unterziehen, zu der auch regelmäßige Injektionen gehören.

Sogar gegen einige resistente TB-Stämme

"PaMZ besteht aus drei einzelnen Antibiotika, die wir vor Jahren miteinander kombiniert haben - erst im Reagenzglas und dann in Versuchstieren", sagt Spigelman. Eine der Substanzen, Pyrazinamid, gehört bereits jetzt zur Standard-TB-Therapie. Die anderen beiden, PA-824 und Moxifloxacin, sind neue Arzneimittelkandidaten. Die drei Wirkstoffe können zu einer einzigen Tablette zusammengefasst werden.

Tuberkulose-Bakterien (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU).

Einige Tuberkulose-Stämme sind bereits resistent gegen die wichtigsten TB-Medikamente geworden

Die Forscher sagen, dass der neue Wirkstoff-Cocktail sogar gegen einige medikamentenresistente TB-Stämme wirkt. Per Definition sind das Bakterien, gegen die die bisher stärksten TB-Medikamente, Isoniazid und Rifampicin, nicht mehr wirken. Etwa 450.000 Menschen erkranken jedes Jahr an einer solchen Art der Tuberkulose. Spigelman glaubt, dass ein Drittel dieser Patienten mit dem neuen Mittel behandelt werden könnten. "Einige resistente TB-Stämme haben allerdings Resistenzen gegen Pyrazinamid und Moxifloxacin entwickelt, zwei der Wirkstoffe, die das neue Medikament enthält", sagt er. Für diese Patienten bräuchte man komplett neue Wirkstoffe.

Geld für Fortsetzung der klinischen Studie benötigt

Die dritte und letzte Phase der klinischen Studie soll 50 Studienorte in Afrika, Asien, Osteuropa und Lateinamerika umfassen. Sie könnte bereits Ende dieses Jahres beginnen. "Aber das ist noch nicht ganz sicher", sagt Spigelman, "denn wir sind immer noch dabei, das nötige Geld für die Studie zu besorgen."

Die Bill und Melinda Gates Foundation hat bereits "erhebliche Finanzierungsmittel" angekündigt, schreibt die TB Alliance auf ihrer Webseite. Aber offensichtlich reicht das nicht aus, um eine sehr teure Phase-III-Studie zu finanzieren. "Aus ethischen Gründen können wir mit der klinischen Studie erst dann beginnen, wenn wir die finanziellen Ressourcen haben, sie auch zu Ende zu führen", sagt Spigelman.

Schon im April hat Bill Gates andere Organisationen aufgefordert, die klinische Studie finanziell zu unterstützen. "Die bisherigen Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass diese neue Wirkstoffkombination der Durchbruch sein könnte, den wir brauchen, um gegen diese tödliche und gefährliche Krankheit besser vorzugehen", so Gates.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema