1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Neues Kirchenzentrum im Hamburger Hafen

Im neuen Hamburger Stadtteil HafenCity sollen bald 12.000 Menschen wohnen und bis zu 40.000 arbeiten. Auch die Kirchen werden dort präsent sein mit einem bisher einmaligen Projekt - dem "Ökumenische Forum HafenCity".

Selbst Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, der gewöhnlich nüchtern und zurückhaltend formuliert, zeigte sich binnen weniger Sätze zwei Mal "begeistert". Der Sozialdemokrat geriet bei der Eröffnung des "Ökumenisches Forum" regelrecht ins Schwärmen. Die gemeinsame Präsenz der Kirchen zwischen Reedereien und Banken, Verlagen und anderen Wirtschaftsgebäuden sei "ein symbolisch überzeugendes und praktisch nutzbares Zeichen der Ökumene“.

Ebenso wie Olaf Scholz betont die evangelische Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs den Gegensatz zur Nachbarschaft. "Inmitten der gläsernen Fassaden" frage der sechsgeschossige Kirchenbau nach Fundamenten und Orientierung. Das Haus stehe für die Bereitschaft der Christen, für die Stadt da sein zu wollen, so die Bischöfin. Nicht nur die neue Kapelle, sondern der gesamte Bau soll einen Kontrapunkt setzen zur Nachbarschaft. Neben der Kanzlei der Bischöfin wird das Haus einen Weltladen und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beherbergen. Außerdem gehören 26 Wohnungen zu dem Gebäude. Zum größten Teil finanzierte die evangelische Kirche das 13,5 Millionen Euro teure Haus.

Bischöfe und Geistliche zahlreicher christlicher Kirchen feierten am bisherigen provisorischen Quartier gemeinsam den Aufbruch zum neuen Kirchenzentrum. 19.6.12 Einstellungsdatum

Feierliche Einweihung des Zentrums

Spiritualität und Spirit

Spiritualität soll die Menschen unter dem gemeinsamen Dach zusammenbringen. Zahlreiche Konfessionen sind im Verein "Brücke – Ökumenisches Forum HafenCity" gemeinsame Träger des Projekts. Während die Kirchen auf Spiritualität setzen, erhoffen sich die Verantwortlichen der städtischen Bauplanung "Spirit". Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, setzt darauf, dass der neue Stadtteil nicht nur den „kommerziellen Charakter“ hat, der für langfristigen Erfolg unabdingbar sei. Derzeit entwickele sich ein "Spirit", der nicht übergestülpt wird, sondern stetig wächst." Dieser "Spirit" könne Gemeinschaft und Identität schaffen, wo die meisten Menschen in der Stadt sonst meist Fremde blieben.

Zündende Ideen

Die Glocke in der Straßenfront des Gebäudes. 19.6.12 Einstellungsdatum

Ökumänisches Zentrum Hafencity Hamburg

Vor 15 Jahren sprach der damalige Hamburger Erste Bürgermeister Henning Voscherau erstmals über Pläne für einen komplett neuen Stadtteil zur Elbe hin. Seitdem bildet sich zwischen der Speicherstadt aus dem späten 19. Jahrhundert und dem Fluss ein neues Gesicht Hamburgs heraus. Bereits weltbekannt ist die künftige Elbphilharmonie, das architektonisch anspruchsvolle Konzerthaus auf einem ehemaligen Hafenspeicher. Doch deren Fertigstellung verzögert sich immer wieder. Die Kosten sind längst explodiert. Seit dem vergangenen Herbst tut sich fast nichts mehr auf der Baustelle.

Bald nach Beginn der kommunalen Planungen für den neuen Stadtteil entschlossen sich die Kirchen, in der HafenCity mit einem gemeinsamen Angebot Flagge zu zeigen. Schon seit Ende 2008 lud eine provisorische Kapelle, ein besserer Container, Bauarbeiter, Büroangestellte oder Touristen zum täglichen Gebet oder zu Momenten der Stille. Nun verlosch dort die letzte Kerze, als Geistliche der verschiedenen Kirchen und eine kleine Gemeinde zu Abschied und Umzug zusammenkamen. Hamburgs katholischer Erzbischof Werner Thissen nannte das gemeinsame Engagement der Kirchen "einen Wegweiser auf dem Weg zur Einheit der Christen". Wenn nun 19 Konfessionen in der HafenCity gemeinsam "vor Anker gehen", sei das ein historischer Moment. Dann nahmen Bischöfin und Bischof, Pfarrerinnen und Pfarrer Bibel, Standkreuz und andere liturgische Elemente. Mit Blasmusik ging es dann in einem feierlichen Gang vom Provisorium zum Neubau in der Shanghaiallee 12-14

Vielfalt des Glaubens

Eine Reliquie des Heiligen Laurentius (gestorben 258) findet sich in der Ziegelwand der Ökumenischen Kapelle. 19.6.12 Einstellungsdatum

Alter Knochen

Im Erdgeschoss des hohen roten Klinkerbaus die neue ökumenische Kapelle. Sie spiegelt die Vielfalt der Konfessionen wider. Der 60 Quadratmeter große Gebetsraum beherbergt eine orthodoxe Ikone ebenso wie Kernaussagen der reformatorischen Kirchen sowie eine katholische Reliquie, ein kleines Knochenstück des 258 im Martyrium verstorbenen Heiligen Laurentius. Auf den vier hohen Holztüren der Kapelle steht mehrsprachig die "Charta Oecumenica". Mit diesem Text aus dem Jahr 2001 verpflichteten sich die Kirchen zu ökumenischem Miteinander. Und ganz passend zur Vielfalt des Baus erschallen beim Eröffnungsgottesdienst Gesänge auf Deutsch, Russisch und Latein, schwermütig anmutender Gesang der Orthodoxie neben neuen Klängen aus Taize.

Der Altarraum der Kapelle des Ökumenischen Forums in Hamburg ist am Montag (18.06.2012) kurz vor der Einweihungsfeier festlich beleuchtet. Nach 20-monatiger Bauzeit hat am Montag das Ökumenische Forum in der Hafencity eröffnet. 19 Kirchen aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen - von orthodoxen über die evangelisch-lutherische und die römisch-katholische bis hin zu freien Kirchen - haben sich für dieses bundesweit einmalige Projekt in dem Verein «Brücke - Ökumenisches Forum HafenCity» zusammengeschlossen. Foto: Daniel Reinhardt dpa/lno

Altarraum der Kapelle

Für kirchliches Leben im Alltag von Haus und Kapelle will eine kleine ökumenische Gemeinschaft sorgen, der "Laurentiuskonvent". Seit 2008 betreute sie bereits die provisorische Kapelle. "Wir möchten den Stadtteil durch unsere Präsenz mit prägen", sagt Antje Heider-Rottwilm, Pastorin des Konvents und Leiterin des Ökumenischen Forums. Sie fühlt sich ermutigt durch die Erfahrung der ersten Jahre im Provisorium. "Immer wieder erleben wir Menschen aus den Büros und Läden auf der Suche nach einem Ort der Stille." An jedem Werktag lädt die kleine Gemeinschaft zum Gebet.