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Deutschland

Neues Küken unterm Bundesadler

Der neue Bundestag ist kleiner, jünger und weiblicher als der alte. Auf den blauen Sesseln unter dem Bundesadler - auch "fette Henne" genannt - werden zur ersten Sitzung einige prominente Neueinsteiger Platz nehmen.

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Interessenvertretung für alle?

Die bekanntesten neuen Gesichter im Bundestag gehören den beiden Parteivorsitzenden der Grünen: Claudia Roth und Fritz Kuhn. Sie können ihr Parteiamt aber nur behalten, wenn die Grünen auf ihrem Parteitag im Oktober die Trennung von Amt und Mandat aufheben. Als erster Grüner überhaupt hat der Parteilinke und Friedensaktivist Christian Ströbele ein Direktmandat gewonnen. Für die CDU ziehen Generalsekretär Laurenz Meyer, Reck-Weltmeister Eberhard Gienger und Fußball-Schiedsrichter Bernd Heynemann neu ins Parlament ein. Zu den bekannteren neuen SPD-Abgeordneten zählt der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs, Ortwin Runde.

Alt und neu

Anna Lührmann, die jüngste Abgeordnete aller Zeiten im Bundestag

Bekannt wird bald auch Anna Lührmann von den Grünen sein. Sie stand auf Platz fünf der hessischen Landesliste und ist mit 19 Jahren nun die jüngste Abgeordnete im Parlament. "Unser neues Küken", nannte ein Mitarbeiter des Bundestags sie im Gespräch mit DW-WORLD. Alterspräsident ist und bleibt der 70-jährige Bundesinnenminister Otto Schily von der SPD.

Insgesamt ist der Bundestag jünger geworden. Das Durchschnittsalter sinkt um ein halbes Jahr auf 49, 3 Jahre. Nach Angaben des Bundeswahlleiterbüros stellt die SPD die älteste Fraktion mit einem Durchschnittsalter von 50,65 Jahren, vor der FDP mit 50,57 und der CDU/CSU mit 48,66 Jahren. Die jüngste Partei sind die Grünen mit einem Durchschnittsalter von 45,09 Jahren.

EX-Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem CDU-Parteitag in Frankfurt

Rund ein Drittel der bisherigen Bundestagsabgeordneten werden dem neuen Parlament nicht mehr angehören. Dazu zählt auch Altkanzler Helmut Kohl von der CDU und viele seiner früheren Minister. Der ehemalige Bundeswirtschafstminister Helmut Haussmann fiel dem - an den Erwartungen gemessenen - enttäuschenden FDP-Ergebnis zum Opfer. Die Parteilinke und ehemalige Vorsitzende der Jungen Sozialdemokraten Andrea Nahles schied ebenfalls aus.

Grüner Frauenpower

Insgesamt gibt es jedoch in diesem 15. Bundestag mehr Frauen. Heinz Christoph Herbertz, Leiter des Bundeswahlleiterbüros sagt im Gespräch mit DW-WORLD: "Es sind jetzt 32,2% Frauen, im Vergleich zu 30,8% nach der Wahl 1998." Nur bei den Grünen hätten die Frauen mit 58,2% die Mehrheit. In der SPD-Fraktion liege der Frauenanteil bei 37, 8% in der CDU/CSU-Fraktion bei 22,2%. Es folge die FDP mit 21,3% so Herbertz.

Auch im neuen Parlament ist die am häufigsten vertretene Berufsgruppe die der "Administrativ entscheidenden Berufstätigen". "Das hört sich nur kompliziert an", sagt Herbertz. "Es sind zum Beispiel Abteilungsleiter in der Verwaltung, Gewerkschafsfunktionäre oder Verbandsgeschäftsführer." Auch im neuen Parlament gebe es weder Bergleute, noch Maler oder Hilfsarbeiter. Die Zahl der Lehrer werde aber überschätzt, es seien insgesamt nur 30, so Herbertz. "Beamte haben es eben leichter aus ihrem Job auszusteigen und später wieder zurückzukehren", erklärt Herbert Hönigsberger, Politikberater beim deutschen Bundestag im Gespräch mit DW-WORLD.

Schlauer Bundestag

Bundestag Plenarsaal

Insgesamt sei auch das neue Parlament wieder hochgebildet, so Hönigsberger. "Das geht zwar zu Lasten der Repräsentativität, aber die Anforderung alle Bevölkerungsgruppen im Bundestag abzubilden ist überzogen", sagt er. Nicht jeder sei geeignet und das nicht nur wegen der Schwierigkeiten im Beruf eine Auszeit zu bekommen. Ein Bundestagsmandat bedeute Stress. "Es gehört auch eine gewisse Bildung dazu, man muss viel lesen und diskutieren", so Hönigsberger.

Wirtschaftler schreckten oft die langwierigen, horizontal-kommunikativen Entscheidungsprozesse ab. "Manager sind es gewohnt, Anweisungen zu geben, im Bundestag muss man Kompromisse aushandeln. Aber Jugendliche, Frauen und bestimmte Berufsgruppen seien eindeutig unterrepräsentiert. "Doch", sagt Hönigsberger, "es gibt für jeden Abgeordneten viele Möglichkeiten, sich einen authentischen Einblick in alle Probleme zu verschaffen. Wenn man will!". Die Qualität der Entscheidungen im Bundestag sei nicht mit dem Alter, den Berufen oder sonstigen Quoten in Zusammenhang zu bringen. (sur)

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