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Kultur

Neues Jüdisches Museum

Anfang September öffnete das größte jüdische Museum Europas in Berlin seine Pforten, nachdem bereits der leere Bau ein Publikumsmagnet war.

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Der Festakt zur Eröffnung des Jüdischen Museums in Berlin begann mit einem Konzert des Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim. Danach führte Museumsdirektor W. Michael Blumenthal die 850 Gäste in den neu eingerichteten Museumsbau.

Im Zentrum des Museums soll nicht der Holocaust stehen, wenngleich der Massenmord an den Juden einen zentralen Aspekt darstellt. "Das Jüdische Museum ist ein deutsches Geschichtsmuseum ... unsere Aufgabe als Staatsmuseum ist es auch, die Besucher daran zu erinnern, dass die deutschen Juden normale, schaffende Bürger waren."

Deutsche Normalität?

Der Inszenierung der Eröffnung als Fest zeigt, wie die Bundespolitik die Stadt Berlin symbolisch in Besitz nimmt, und demonstriert ein unverkrampftes Selbstverständnis.

"Souverän werden historische Tiefendimension, aufgeklärte Moral, professionelle Politik und ökonomische Überlegenheit zusammengeführt. Suggeriert wird vor allem Normalität: eine Normalität von so gigantischem Ausmaß, wie sie dem neuen Deutschland angemessen ist. Wenn Berlin mit so weltläufiger, den Glamour nicht scheuender Professionalität seinem furchtbarsten Abgrund gegenübertreten kann, dann ist offensichtlich das Ärgste vorüber. Das Label Berliner Republik hat einen Inhalt bekommen. Deutschland ist souverän," interpretiert Mark Siemons in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung ".

Weniger euphorisch klingt Rafael Seligmann in der "Frankfurter Rundschau" : "Nach wie vor hegen bis zu 40 Prozent der Deutschen Vorurteile gegen Juden. Der Antisemitismus ist zwar tabu, und die Deutschen haben sich ihrer Vergangenheit in einem Maße gestellt, dass andere Nationen davon lernen können. Doch viele Vorurteile suchen sich heute ihr Ventil, zum Beispiel im Anti-Zionismus."

Seligmann kritisiert die nach wie vor partielle Wahrnehmung von Juden: "Wenn heute Deutsche, insbesondere Jugendliche, nach ihrem Judenbild gefragt werden, dann verweisen sie auf schießwütige Israelis, Klezmermusikanten aus dem Schtetl Osteuropa - vor allem aber auf unendliche Leichenberge. Sechs Millionen ist ein Synonym für Juden."

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