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Politik

Neues "Great Game" in Zentralasien

In Taschkent tagen die Staatschefs von China, Russland und vier weiteren ehemaligen Sowjetrepubliken. Im Zentrum der zweitägigen Gespräche stehen der Anti-Terror-Kampf und die neue geostrategische Rolle Zentralasiens.

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Russlands Präsident Putin trifft den usbekischen Präsidenten Karimow in Taschkent


Die in den 1990er-Jahren als Folge des Zusammenbruchs des sowjetischen Imperiums entstandenen mittelasiatischen Republiken stehen vor einer schwierigen Doppelaufgabe: Einerseits müssen sie die Reste des repressiven Regimes überwinden, andererseits ihr ökonomisches Potential entfalten.

Vor den Terroranschlägen in New York und Washington im September 2001 konkurrierten hauptsächlich China und Russland um die Gunst dieser an Bodenschätzen reichen Staaten. Im Zuge der Antiterrorbekämpfung hat sich derweil die USA als dritte Kraft etabliert.

Im Interesse der Sicherheit

Im Juni 2001 gründeten Russland, China, Usbekistan, Tadschikistan, Kasachstan und Kirgisien die "Shanghai Cooperation Organization" (SCO). SCO entstand eigentliche als Nachfolgeorganisation von "Shanghai Five", die sich 1996 als eine Sicherheitsgruppe für grenzübergreifende Demilitarisierung der Mitgliederstaaten gebildet hatte.

Darüber hinaus verpflichteten sich die Gründungsmitglieder zur Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und Separatismus. Damit war vor allem der Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus in der Region gemeint.

Diese Verpflichtung wurde ergänzt durch die Aussicht auf wirtschaftliche, kulturelle und technologische Zusammenarbeit. Sollte dies je verwirklicht würden, würde damit ein regionaler Zusammenschluss mit gigantischen Potentialen entstehen. Denn diese Region erstreckt sich auf etwa 30 Millionen Quadratkilometer mit etwa 1,5 Milliarden Menschen und einem Bruttoinlandsprodukt von über 1,5 Billionen US-Dollar.

Russland und China zielten darauf ab, dadurch ihre eigene strategische Partnerschaft zu festigen und diesen Zusammenschluss eventuell als Gegengewicht zur Nato zu entwickeln.

US-Präsenz hat Situation problematisiert

Die Präsenz der USA in der Region hat jedoch vorerst einen Strich durch die Rechnung der ambitionierten Vorhaben Chinas und Russlands gemacht. Die mittelasiatischen Republiken, in denen immer noch autokratische Strukturen vorherrschen, waren in doppelter Hinsicht von dem massiven US-Engagement in Afghanistan an der Südflanke der SCO betroffen: Sie haben einerseits die Chance gesehen, durch ein befriedetes Afghanistan einen kostengünstigen Zugang zum Westen für ihre Rohstoffe zu finden. Sie haben gleichzeitig darauf abgezielt, die Gefahr des Terrorismus zu bannen und mithin auch oppositionelle Kräfte in Schach halten zu können.

Trotz der vorhandenen Hemmnisse versucht die SCO, andere Staaten in der Region - von der Mongolei über Afghanistan und Pakistan bis Indien - in einen lockeren Zusammenschluss einzubinden. Auf dem Gipfeltreffen der SCO werde ein “Durchbruch” bei den Verhandlungen erwartet, teilte ein Sprecher des usbekischen Außenministeriums am Dienstag (15.5.2004) in Taschkent mit. Die Staatschefs werden in der usbekischen Hauptstadt ein Anti-Terrorismus-Zentrum eröffnen. Es soll als eine Art Denkfabrik im Kampf gegen Terrorismus und für den Austausch von Informationen dienen.

Karzai als Beobachter eingeladen

Afghanistans Präsident Hamid Karzai ist als Beobachter eingeladen und will sich zu bilateralen Gesprächen mit dem russischen und chinesischen Staatschef treffen. Afghanistan hofft auf eine aktivere Bekämpfung des Terrorismus und intensive Wirtschaftskooperationen, damit das Land am Hindukusch als Transitland davon profitieren könnte.

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