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Asien

Neues "Great Game" am Hindukusch

Afghanistan liegt in einer rohstoffreichen Region, deren Bodenschätze schon immer die Begierde der Regional- und Weltmächte geweckt hat. Inzwischen konkurrieren auch die USA und China um die Ressourcen Zentralasiens.

Landschaft Afghanistan, im Vordergrund ein Bauer (Foto: dpa)

Ungeheure Mineralienschätze liegen unter Afghanistans Erde

Im 19. Jahrhundert waren es die Russen und Briten, die um Einfluss in der Region pokerten. Es war ein hoch brisantes politisches Spiel - das sogenannte "Great Game". Die Rohstoffe Afghanistans sollen mehrere Billionen Dollar wert sein. Noch viel höher werden die Energiequellen in anderen zentralasiatischen Staaten eingeschätzt – ein riesiger, bisher zum größten Teil unberührter Kuchen.

Hunger nach Rohstoffen

Menschen in der staubigen Weite der afghanischen Landschaft (Foto: AP)

Vertreter eines chinesischen Staatsunternehmens begutachten eine Kupfermine

Iran, Pakistan, Indien, Russland und vor allem die USA und China würden gern ein großes Stück von diesem Kuchen für sich beanspruchen. Es gibt, und darin sind sich viele Experten einig, jenseits des Krieges gegen den Terrorismus in Afghanistan auch einen Kampf um Ressourcen. Der Zugang zu den Rohstoffquellen sei bisher nicht ausreichend geregelt, meint Thomas Greven, Privatdozent für Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. "Im schlimmsten Falle, wenn es zum Konflikt kommt, reicht es nicht, Verträge über den Abbau von Rohstoffen zu haben. Der Zugang zu Rohstoffquellen muss über Militär-Basen und sicherheitspolitische Kooperationen abgesichert sein."

Wer wird den Ton angeben?

Eine neue Straße in Afghanistan wird geteert (Bild: DW)

Neue Straßen in Afghanistan: von den USA gebaut, von China genutzt

Die USA und China konkurrieren seit mindestens einem Jahrzehnt um die Rohstoff-Quellen der Welt. Beide Länder wissen, dass der direkte Zugang zu Energiequellen darüber entscheidet, wer seinen Wohlstand behalten oder ausbauen kann. Das neue "Great Game" in Zentralasien sei also auch ein Kampf darum, ob das 21. Jahrhundert ein chinesisches oder amerikanisches wird, sagt Thomas Greven. "Für die USA ist es nicht gleichgültig, dass man in Afghanistan und in anderen Ländern Zentralasiens Rohstoffvorkommen findet." Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers missfalle es Washington, dass Peking versuche, die Rohstoffquellen des Landes für sich zu beanspruchen, ohne sich an dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus in Afghanistan zu beteiligen.

Die chinesische Regierung betreibt seit Jahren eine offensive "Einkaufs"-Politik in Afghanistan und anderen zentralasiatischen Ländern. Peking sicherte sich zum Beispiel - sehr zum Ärger von Washington - die Ausbeutungsrechte für die größte Kupfermine der Region im Osten Afghanistans. Kaufpreis: drei Milliarden Dollar. Auf den Straßen, die die USA in Afghanistan gebaut haben, werden bald die voll beladenen Lastwagen Richtung China rollen. Offiziell lehnt Peking politische Großmachtambitionen in Afghanistan und der Region ab. Viele Beobachter glauben aber, China habe das Ziel, zumindest in Asien tonangebend zu sein. Für Jürgen Stetten, Leiter des Asienreferats bei der Friedrich Ebert Stiftung liegt die Wahrheit "irgendwo in der Mitte". Seiner Ansicht nach kann "China, selbst wenn es wollte, es sich nicht mehr leisten, kein geostrategischer Spieler zu sein. Und das gilt sicher auch für Regionen wie Afghanistan und den Afghanistan-Konflikt."

Direkte Konfrontation vermeiden

US-Soldaten vor Militärfahrzeugen (Foto: AP)

Die Präsenz von US-Militär in Afghanistan bereitet China Sorgen

China meidet aber bislang eine direkte Konfrontation mit den USA. Die kommende Weltmacht fühlt sich von der Präsenz der rund einhunderttausend US-Soldaten in seiner unmittelbaren Nachbarschaft massiv bedroht. Die Pläne der US-Regierung, auch über das Jahr 2014 hinaus in Afghanistan engagiert zu bleiben, machen Peking daher große Sorgen, sagt Jürgen Stetten. "Es liegt auf der Hand, dass China kein Interesse hat, von amerikanischen Militärbasen umzingelt zu sein". China wisse aber, erklärt der Asienexperte, dass es sehr schwierig sein wird, diese Situation zumindest mittelfristig abzuwenden. Und deswegen, glaubt Stetten, setze China vor allen Dingen auf eine enge Zusammenarbeit mit Pakistan, das in der unmittelbaren Nachbarschaft von China und Afghanistan liegt.

Die Nähe zu Pakistan ist für China aus mehreren Gründen von großer Bedeutung: Peking sieht zum einen in Islamabad einen treuen Verbündeten gegen Indien - seinen größten Rivalen in der Region. Zum anderen glaubt China, mit Hilfe der islamischen Republik Pakistan seine Interessen in Afghanistan besser durchsetzen zu können – besonders nach einem Abzug der USA.

Armes reiches Afghanistan

Eine Prognose über den Ausgang des neuen "Great Game" will Asienexperte Stetten nicht abgeben. Noch sei offen, wer am Ende als Sieger aus dem großen Spiel hervorgehen werde. Für Afghanistan aber könne es zu einem Desaster kommen, meint Stetten. "Weil eine Rückkehr der Taliban oder aber Stellvertreterkonflikte zwischen den großen Rivalen in der Region, sei es China, sei es Indien, seien es die USA – das Land Afghanistan dauerhaft in einen Konflikt führen würde, aus dem es auf absehbare Zeit nicht wieder herauskommt", antwortet Stetten.

Autor: Ratbil Shamel

Redaktion: Ana Lehmann

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