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Aktuell Afrika

Neues Gesicht an der Spitze Afrikas

Die Afrikanische Union hat eine neue Kommissionspräsidentin. Mit Südafrikas Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma steht erstmals eine Frau an der Spitze der AU. Ihr erklärtes Ziel: sie will die Gemeinschaft stärken.

Die südafrikanische Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma wurde in Addis Abeba in einer Kampfabstimmung zur neuen Kommissionspräsidentin der Afrikanischen Union (AU) gewählt. Die 63-jährige Ärztin und frühere Ehefrau von Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma erhielt im dritten Wahlgang die Stimmen von 37 der 54 Mitgliedsstaaten. Amtsinhaber Jean Ping aus dem westafrikanischen Gabun unterlag. Der Kampf um den Chefposten hatte die Organisation seit Monaten blockiert. Im Januar endete die Abstimmung ohne Ergebnis, weil keiner der beiden Kandidaten die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichte. Dlamini-Zumas Bewerbung wurde von den Mitgliedsstaaten der Südafrikanischen Entwicklungs-Gemeinschaft massiv unterstützt. Der seit 2008 als Chef der AU-Kommission amtierende Ping genoss die Rückendeckung der französisch-sprachigen afrikanischen Staaten. Sie befürchten, dass mit Dlamini-Zuma Südafrika und damit die englischsprachigen Länder ein zu starkes Gewicht bekommen.

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Afrikanische Union wählt neue Vorsitzende

Neue Chefin will vermitteln

Dlamani-Zuma erklärte nach ihrer Wahl, ihr wichtigstes Ziel sei es, Differenzen zu schlichten. Dabei geht es vorrangig um die Machtverhältnisse zwischen englisch- und französischsprachigen Ländern in der Afrikanischen Union. Zudem kündigte sie an, sie wolle die AU zu einer effektiveren Organisation machen. Afrika solle mit einer Stimme sprechen, die Union effizienter und handlungsfähiger werden, forderte Dlamini-Zuma. Denn die Gemeinschaft wird immer wieder als "zahnloser Tiger" kritisiert, der in jüngsten Krisen wie Mali, Libyen und dem Sudan keine eindeutige Stellung bezogen habe. Die neue Chefin kündigte bereits an, sie wolle in den bewaffneten Konflikten in Mali sowie zwischen dem Sudan und dem Südsudan vermitteln.

Machtzuwachs für Südafrika

Der regionalen Wirtschaftsmacht Südafrika verleiht die Wahl Dlamini-Zumas größeren Einfluss. Bislang galt innerhalb der AU das ungeschriebene Gesetz, dass keine Vertreter von großen, einflussreichen Mitgliedsländern den Vorsitz der AU-Kommission übernehmen. Es galt das "Gentlemen-Agreement" von Nigeria, Ägypten, Libyen, Algerien und Südafrika, keinen Anspruch auf den Chefposten der 54-Staaten-Organisation zu erheben. Das ist nun Vergangenheit.

Böse Zungen in Pretoria behaupten, Südafrika habe nur deswegen Dlamini-Zuma an die Spitze der Afrikanischen Union gedrängt, damit sie ihrem Ex-Mann zu Hause nicht im Wege steht. Denn Südafrikas Präsident Jacob Zuma soll die einflussreiche Politikerin, die das Innenministerium binnen kurzer Zeit auf Vordermann gebracht hat, fürchten. Nicht nur, weil die 63-Jährige sich als einzige seiner sechs Ehefrauen von dem bekennenden Polygamisten scheiden ließ, sondern auch, weil es unsicher schien, ob sie ihn im derzeitigen Machtkampf in der Regierungspartei ANC beistehen werde.

Dlamini-Zuma ist eine der einflussreichsten Politikerinnen Südafrikas. Die Veteranin des Freiheitskampfes gegen das rassistische Apartheidregime hat seit den ersten demokratischen Wahlen 1994 in jedem Kabinett einen Ministerposten innegehabt. Erst war die Ärztin Gesundheitsministerin, danach über zehn Jahre Außenministerin. Derzeit leitet sie das Innenressort. Die 63-Jährige gilt als scharfsinnig und sehr erfahren.

qu/ml (dpa, dapd, rtr, epd)

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