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Fokus Osteuropa

Neues Gesetz schränkt Glückspiel in Russland ein

In Russland wurden Spielhallen und Kasinos verboten: Ausnahme sind vier Sonderzonen in entlegenen Regionen des Landes. Tausende Menschen verlieren Jobs. Doch viele werden statistisch nicht erfasst.

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Kasinos in Moskau nun Vergangenheit

Am 1. Juli haben in Russland alle Kasinos und Spielhallen ihren Betrieb eingestellt. Das neue Glückspiel-Gesetz sorgt landesweit nach wie vor für Diskussionen. Die Gegner der Regelung halten sie für wirtschaftlich und sozial unbegründet, vor allem in Krisenzeiten. In den vergangenen Jahren brachten die Glückspielstätten dem föderalen Etat jährlich bis zu 27 Milliarden Rubel ein. Von nun an wird dieser Posten im Staatshaushalt leer bleiben. Befürworter des neuen Gesetzes sehen darin eine wirksame Maßnahme gegen die weit verbreitete Glückspielsucht. Kritiker hingegen warnen, dass nun das illegale Glücksspiel starken Zulauf bekommen wird.

Tausende Entlassungen

Die Schließung der Kasinos und Spielhallen bedeutet jedenfalls einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, denn in Russland waren in diesem Bereich zwischen 250.000 und 400.000 Menschen tätig. Die meisten von ihren verlieren jetzt ihren Job. "Unser Geschäft schließt. Etwa 3.000 Menschen wurden zum 1. Juli entlassen. Dabei handelt es sich nicht nur um Personal, das unmittelbar mit dem Glückspiel befasst war, sondern auch um Wachleute, Chauffeure, Köche und Kellner", berichtet Konstantin Kopylow, Generaldirektor des Unternehmens "Russische Investitionsgruppe", dem mehrere Kasinos gehören. Auch das Unternehmen "Storm International" wird etwa 3.000 Mitarbeiter entlassen, teilte ein Pressesprecher mit.

Währenddessen ist man im Moskauer Arbeitsamt über die steigende Arbeitslosigkeit nicht sonderlich besorgt. Der Leiter des Amtes, Oleg Neterebskij, erklärte: Nach dem 1. Juli müssten lediglich 4.000 Personen mit Arbeit versorgt werden, da die meisten Mitarbeiter der Kasinos und Spielhallen keine Einwohner Moskaus gewesen seien. Deswegen würden sich die Behörden der Hauptstadt nicht um deren Schicksal kümmern. Insgesamt waren in Moskau in Glückspielstätten rund 40.000 Menschen beschäftigt.

Neue Pokerclubs

Bereits Mitte Juni wurde in Moskau für Mitarbeiter von Glückspielstätten eine Jobbörse eingerichtet. Dennoch blicken diejenigen, die ihre Arbeit nun verlieren, pessimistisch in die Zukunft. Croupiers und Kasino-Manager gehen davon aus, dass es nur wenigen aus ihrer Berufsgruppe gelingen wird, beispielsweise auf Kreuzfahrtschiffen unterzukommen, weil es dort schon immer nur sehr wenige Stellen zu besetzen gab. Manchem Arbeitslosen wird es vielleicht gelingen, in einem der neuen Pokerclubs einen Job zu finden, die jetzt im ganzen Land eröffnen, nachdem das Pokerspiel vor kurzem offiziell als Sportart in Russland anerkannt wurde.

Vier offizielle Glückspiel-Zonen

Die Croupiers und Manager, die bereit sind, in einen der vier Orte umzuziehen, in denen die russische Glückspiel-Industrie auch künftig tätig sein darf, werden ihre Pläne wohl erst einmal aufschieben müssen. In den genehmigten Glückspiel-Zonen in Kaliningrad an der Ostsee, in Wladiwastok am Pazifik, in Krasnodar am Asowschen Meer und im Altai-Gebiet besteht keine entsprechende Infrastruktur. Experten zufolge wird beispielsweise das "baltische Las Vegas" erst in etwa zehn Jahren seinen Betrieb aufnehmen können.

Autor: Jegor Winogradow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann