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Asien

Neues Erdbeben erschüttert Krisenregion

Die Lage im zerstörten Atomkraftwerk in Fukushima ist noch nicht unter Kontrolle, da erschüttert ein weiteres starkes Beben den Nordosten Japans. Am Unglücksort steigen die Strahlenwerte erneut - die Arbeit steht still.

Zerstörtes Gebiet in Japan (Foto: AP)

Vom Tsunami und Erdbeben hinterlassen - nichts als Trümmer

Es war früh am Morgen in Japan, als ein weiteres Erdbeben die krisengeschüttelte Region im Nordosten erfasste. Der japanische Wetterdienst registrierte am Mittwoch (23.03.2011) die Stärke 6,0 auf der Richterskala. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben. Das Erdbeben traf vor allem die Region, in der sich das stark beschädigte Atomkraftwerk Fukushima befindet. Das Epizentrum lag etwa 72 Kilometer südöstlich davon. Das Beben war deutlich zu spüren, sagte ein Sprecher des Rathauses dort. Der Boden vibrierte 20 bis 30 Sekunden lang und Fensterscheiben klirrten.

Das Beben soll laut Angaben des japanischen Wetterdienstes nah an der Erdoberfläche gewesen sein. "Nach dem großen Erdbeben gab es wahrscheinlich einige tektonische Verschiebungen", sagte Hirofumi Yokoyama vom Wetterdienst.

Arbeit in Fukushima nicht bedroht

Noch immer versuchen Experten die Stromversorgung im Atomkraftwerk Fukushima in Gang zu bringen. Das jüngste Erdbeben hat daran nichts geändert. Der zentrale Kontrollraum des schwer beschädigten Reaktorblocks 3 hat nun wieder Licht, teilte die Betreiberfirma Tepco mit. Das Kühlsystem sei jedoch immer noch ohne Strom.

Feuerwehrmann sprüht Wasser auf die Anlage in Japan (Foto: AP)

Ungleicher Kampf - Wasser gegen Brennstäbe

So kann es jedoch nicht funktionieren und die Brennstäbe kühlen. Wenn die Experten es nicht schaffen, das Stromnetz rechtzeitig in Gang zu bringen, droht noch immer eine Kernschmelze. Bis allerdings überall im AKW Licht brenne, könnten noch mehrere Tage vergehen, sagte ein Tepco-Sprecher.

Die Regierung sprach noch immer von einer "äußerst angespannten Lage". Wegen erhöhter Strahlenwerte mussten die Arbeiten an Reaktor 2 wieder unterbrochen werden. Auch in Reaktor 1 stieg die Temperatur im Druckbehälter wieder an. Er musste erneut mit Wasser von außen gekühlt werden.

Was kann man noch essen?

Das japanische Gesundheitsministerium hat nun auch eine Liste mit elf Gemüsearten veröffentlicht, bei denen eine teilweise drastisch erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde. Darunter sind Spinat, Broccoli, Kohl und das japanische Blattgemüse Komatsuna. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Erste radioaktive Partikel aus Japan sollen am Mittwoch auch Mitteleuropa erreichen. Das teilte das Bundesamt für Strahlenschutz mit. Islands Strahlenschutzbehörde IRSA hat den Nachweis von radioaktivem Jod bereits bestätigt. Es stammt vermutlich aus dem japanischen Unglücksreaktor. Die Mengen seien allerdings ungefährlich für den Menschen, sagt ein IRSA-Sprecher.

Kritik an Informationspolitik

Offizielles Logo der IAEA

Welche Rolle spielt die Organisation?

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) vermutet nun, dass es auch ein Leck im Reaktorblock 1 gibt. Anlass sind erhöhte Strahlenwerte rund um die Anlage. Die Japaner selbst wüssten wahrscheinlich nichts über den genauen Zustand dieses Blocks, vermutet die IAEA. "Man habe den Eindruck, dass hier die Öffentlichkeit nicht angemessen und nicht wahrheitsgemäß unterrichtet wird", sagte der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur. Ihm lägen noch keinerlei Messdaten vor.

Auch die IAEA steht in der Kritik. Sie habe eine Wasserstoffexplosion im Abklingbecken von Reaktor 4 nicht veröffentlicht, sagte Greenpeace-Experte Heinz Smital. "Die Informationspolitik der internationalen Atomenergiebehörde ist skandalös", meint Smital. Die Explosion ereignete sich am 18. März. Das japanische Atomindustrie-Forum (JAIF) stufte sie in einem Bericht als "sehr ernst" ein. Die IAEA erwähnt sie wiederum in einem eigenen Bericht nicht mehr. Smital zufolge steht dort nun, dass keine Informationen zu dem Zeitpunkt verfügbar waren. Die IAEA sei unter Druck nach der Reaktorkatastrophe und wolle nun die Atomenergie weiterhin weltweit fördern. Dafür opfere sie sogar wissenschaftliche Seriosität, sagte Smital.

Autor: Nicole Scherschun (afp, rtr, dapd, dpa)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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