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Pressemitteilungen

Neues DW-Profil: Fokus auf Integration Europas und Regionalisierung

Intendant Bettermann legt Eckpunkte für Dialog mit dem Bund vor - Einstimmige Billigung durch Aufsichtsgremien - Strategische Schritte zur Optimierung der Akzeptanz - Höhere Priorität für interkulturelle Verständigung

Die Deutsche Welle (DW) wird den Fokus ihrer Programme künftig stärker auf den Prozess der europäischen Integration innerhalb der EU sowie der potenziellen Beitrittsländer in Mittel-, Ost und Südosteuropa richten. Sie wird sich angesichts der neuen Rolle Deutschlands in der internationalen Völkergemeinschaft intensiver mit den Staaten und Gesellschaften der islamischen Welt auseinandersetzen und damit einen kompetenten Beitrag zur interkulturellen Verständigung leisten. Ferner wird die DW für geostrategisch wichtige Gebiete in der Welt ihre journalistischen Angebote regionalisieren und ihre elektronischen Transportschienen im Interesse einer besseren Akzeptanz bei den Zielgruppen auf die technischen Gegebenheiten dieser Medienmärkte ausrichten. Dies sind zentrale Ziele einer Neupositionierung des deutschen Auslandsrundfunks, die DW-Intendant Erik Bettermann am 18. März 2002 vor Journalisten in Köln erläuterte.

Der Global Player der "Deutschland AG", der für viele an Deutschland und Europa interessierte Menschen weltweit häufig das einzige elektronische "Informationsportal" darstelle, ihnen somit die Grundwerte und kulturellen Standards der Demokratie der Bundesrepublik vermittle, "kann gerade nicht die geopolitischen Anforderungen ignorieren, mit denen unser Land spätestens seit den Anschlägen des 11. September konfrontiert ist", betonte der Intendant. "Und wir können angesichts der restriktiven Budgetentwicklung der letzten Jahre eben nicht die Augen vor den rasanten medientechnologischen Entwicklungen insbesondere auf liberalen Medienmärkten verschließen, die uns praktisch ständig eine Anpassung
unserer Programm-, Markt- und Technikstrategien abverlangen", unterstrich Bettermann.

Die Aufsichtsgremien der DW haben nach den Worten Bettermanns in ihrer gemeinsamen Sitzung am 15. März 2002 in Köln das Konzept des Intendanten für eine Neupositionierung des deutschen Auslandsrundfunks einstimmig gebilligt. Der Rückhalt von Rundfunk- und Verwaltungsrat sowie des Hauses für eine moderne Zukunftsentwicklung ermutige ihn, nunmehr den Dialog mit dem Bund zu suchen und für die Fülle an konkreten Einzelentscheidungen und Innovationen die erforderliche fachliche und finanzielle Absicherung zu erreichen. Bettermann hatte unmittelbar nach Amtsantritt mit allen Bereichen des Hauses eine intensive Zieldebatte geführt, die in einem differenzierten Unternehmensprofil dokumentiert ist. "Dieses Profil ist praktisch die ‚Magna Charta' der Informationskompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DW und die zentrale Ressource der Zukunftssicherung für die DW im 21. Jahrhundert", hob der Intendant hervor.
Nach dem Unternehmensprofil der DW - so Bettermann - werde der deutsche Auslandsrundfunk seine etwa in Südosteuropa durchgängig geschätzte Funktion als Präventions- und Krisenmedium keineswegs zurückfahren. "Wir werden auch weiterhin die Erwartungen der vielen erfüllen, die von uns in Ländern mit eingeschränkter oder fehlender Informationsfreiheit unabhängige und unzensierte Informationen erwarten." Dies gelte nicht minder für die Rolle des Senders als internationaler Kulturmittler: "Für viele, keineswegs nur für Auslandsdeutsche, ist Deutschland eine der großen Kulturnationen schlechthin. Kultur ist und wird künftig noch stärker eine unserer zentralen Programmleistungen." In der globalen Kommunikation der Gegenwart muss das Spektrum der Programminhalte nach den Worten Bettermanns jedoch dynamisch und entwicklungsoffen betrachtet werden. Mit dem Fokus auf die europäische Integration und der Regionalisierung von Programmangeboten werde exakt dies geleistet.
DW-TV: Programm in Dari und Paschtu für Afghanistan geplant
Als Beispiel für eine verbesserte "Regionalkompetenz" nannte Bettermann die geplante Etablierung eines Angebots von DW-TV in Dari und Paschtu für Afghanistan, die Einführung arabisch untertitelter Sendungen zielgerichtet für Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten sowie - bei Sicherung des finanziellen Mehraufwands - die Aufnahme von Programmen in Russisch für Russland und die GUS-Staaten. Das Regionalisierungskonzept ziehe sich auch wie ein "roter Faden" durch eine Vielzahl von Programmänderungen bei DW-RADIO für strategisch relevante Zielgebiete - etwa China, Indien oder bestimmte Zonen Afrikas. "Diesem Regionalisierungskonzept müssen auch unsere Sender- und Satellitenkapazitäten angepasst werden," führte der Intendant aus. Der strategische Ausbau unseres Satellitennetzes erlaube die Präsenz von spezifischen Programmen für spezielle Zielgruppen. "Damit sind wir dichter an den Bedürfnissen und kulturellen Eigenarten unseres Publikums, was unsere Akzeptanz und Reputation erhöht", machte Bettermann deutlich. Flankiert und "wesentlich unterfüttert" werde das Konzept der Regionalisierung durch das erst im Herbst neupositionierte Angebot von DW-WORLD. Bettermann: "DW-World mit seinen journalistischen und Serviceangeboten in 31 Sprachen wird als eigenständige journalistische Schiene des Hauses fortentwickelt und ausgebaut."

GERMAN TV, das deutschsprachige Qualitätsangebot von ARD, ZDF, DW für Zuschauer in den USA und weiteren Weltregionen, bedeutet nach den Darlegungen Bettermanns im Konzept der Neupositionierung der DW "eine völlig neue Qualität". Die ersten Nachfragesignale vom US-Markt unmittelbar nach der offiziellen Präsentation des Best-of-Projekts am 6. März 2002 in Washington stimmten ihn zuversichtlich, meinte der Intendant. Strategisch sei der Zeitpunkt "der weltweiten Marktdurchdringung" mit GERMAN TV entscheidend: "Dann kann sich DW-TV als ein differenzierter profilierter Sprachenkanal mit unverändertem deutschen Kernanteil positionieren - mit anderen Worten: auch stärkere regionale Kompetenz gewinnen", sagte der Intendant. Dies sei in dem Maße zu erreichen, wie GERMAN TV mit seinem Unterhaltungs- und Kulturangebot für seine spezifische Zielgruppe weltweit reüssiere.
Debatte über funktionsgerechte Finanzierung
Vom Bund erwartet Bettermann in den kommenden Monaten eine "substantielle Debatte um Strategien, Ziele und eine funktionsgerechte Finanzierung des deutschen Auslandsrundfunks". Die im Gesetz für die DW eingeräumte Finanzierungsgarantie müsse durch eine verfahrensrechtlich eindeutige Regelung ergänzt werden, "die eine Feststellung und Bewertung unseres Finanzbedarfs von unabhängiger Seite erlaubt". Die DW benötige existentiell eine höhere finanzielle Planungssicherheit - insbesondere über größere Zeiträume. Nicht zuletzt gehe es mit Blick auf die für 2003 anstehende Novellierung des DW-Gesetzes um eine "Schärfung" des Programmauftrags. Die Eckpunkte seien die Untermauerung der öffentlich-rechtlichen, staatsunabhängigen Grundkonstruktion sowie die Öffnung des Auftrags über die Vermittlung eines Deutschlandbildes hinaus für Informationen über weltpolitische Ereignisse und Themen sowie über Entwicklungen in speziellen Zielregionen. Bettermann: "Ein deutscher Auslandsrundfunk, der sich im 21. Jahrhundert, im Zeitalter der Globalisierung positioniert und wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich für eben diese globale Welt stärker öffnen."

Köln, 18. März 2002
45/02
  • Datum 19.03.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/20pn
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