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Wirtschaft

Neues Biobenzin lässt auf sich warten

Autofahrer, Augen auf! Im neuen Jahr kommt der neue Kraftstoff Super E10 mit erhöhtem Biosprit-Anteil an die deutschen Tankstellen, wenn auch etwas später als erwartet. Wird das Tanken damit teurer?

Symbolbild Biosprit mit einem roten Benzinkanister vor einem gelben Rapsfeld (Foto: Fotalia)

Vom Rapsfeld in den Benzinkanister: Biosprit soll die Umwelt schonen

Nach dem Willen der Bundesregierung sollte das neue Benzin mit zehn Prozent Biosprit-Anteil, kurz Super E10, ab Anfang Januar an den Tankstellen eingeführt werden. Doch die Autofahrer werden wohl noch einige Wochen warten müssen. Die 14.000 Zapfsäulen in Deutschland würden nicht zum Jahreswechsel umgestellt, sondern erst "im Laufe des ersten Quartals", sagte Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes am Dienstag (28.12.2010).

Die Einführung sei "mit einem erheblichen Aufwand verbunden". Die Raffinerien müssten umgestellt sowie der Transport des neuen Gemisches organisiert werden, so Picard. Die Tankstellen müssten ihre Preistafeln und Kassensysteme anpassen. Zudem seien Warnhinweise an den Zapfsäulen wichtig, da nicht alle Autos Super E10 vertragen. Der Marktführer Aral geht davon aus, dass sein Netz mit 2500 Tankstellen ab Ende Januar für das Bioethanol-Gemisch ausgestattet wird, beim Konkurrenten Shell soll dies "im Laufe des ersten Quartals" geschehen.

E10 soll beim Klimaschutz helfen

Die neue Kraftstoffsorte E10 hat einen Anteil von zehn Prozent Bio-Ethanol, doppelt so viel wie das herkömmliche Super-Benzin. Das "E" steht dabei für Ethanol, die "10" für den künftig zehnprozentigen Anteil von Bio-Ethanol im Benzin. Ethanol ist der chemische Begriff für das umgangssprachliche Wort Alkohol. Der Ökosprit wird aus Pflanzen wie zum Beispiel Zuckerrohr oder Zuckerrüben hergestellt.

Zuckerrohr wie dieses aus Venezuela ist ein Grundstoff für Bioethanol

Zuckerrohr wie dieses aus Venezuela ist ein Grundstoff für Bioethanol

Mit der Einführung von Super E10 zum Jahreswechsel setzt die Bundesregierung Vorgaben der EU zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes von Autos um. Der Bundesrat hatte die Einführung des Kraftstoffs Ende November gebilligt.

Das Problematische an E10: Nach Angaben des Umweltministeriums vertragen rund vier Millionen Fahrzeuge den neuen Kraftstoff nicht. Er kann bei ihnen Metallbauteile etwa am Motor oder Kraftstoffleitungen aus Kunststoff schädigen. Für die betroffenen Fahrzeuge soll es deswegen zumindest bis 2013 den bisherigen Sprit mit fünf Prozent Bio-Anteil geben.

90 Prozent der Autos verkraften E10

Wer wissen will, ob sein Auto das Benzin mit dem höheren Biosprit-Anteil schadlos verbrennen kann, sollte sich bei Hersteller, Händler oder Automobilclubs informieren. Von dem Problem können übrigens auch neuere Autos betroffen sein. Dieselfahrer sind von der Einführung des neuen Kraftstoffs nicht betroffen.

Eine Strassenbahn und Autos fahren in Frankfurt am Preisschild einer Tankstelle vorbei (Foto: AP)

Benzinpreise bald wieder höher?

Unklar ist bisher, ob E10 zu Preiserhöhungen für das neue oder alte Super-Benzin führt. Die Mineralölwirtschaft möchte keine Angaben machen, unter anderem weil sie sich nicht dem Vorwurf von Absprachen aussetzen will. Denkbar ist, dass der neue Kraftstoff teurer als das alte Super-Benzin wird, weil das in größerer Menge beigemischte Ethanol mehr kostet als Benzin. Denkbar ist aber auch, dass die Ölkonzerne den Preis für E10 quersubventionieren, indem sie das herkömmliche Super teurer verkaufen.

Die Autofahrer zahlen drauf

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie demonstriert Zuversicht, er rechnet nicht mit zusätzlichen Aufschlägen. "Die Mineralölindustrie hat selbst ein Interesse daran, E10 zu verkaufen, denn sie ist gesetzlich verpflichtet, Biokraftstoffe in den Markt zu bringen", sagte Verbandspräsident Claus Sauter.

Sicher ist dagegen, dass die Autofahrer am Ende die Zeche zahlen. Das Tanken wird voraussichtlich schon deshalb teurer, weil die Mineralölwirtschaft hohe Millionenbeträge für die Umrüstung von Tankstellen und Zapfsäulen, zusätzliche Logistik und den Mischprozess für den Kraftstoff in den Raffinerien aufbringen muss. Das schlägt auf der Kostenseite zu Buche. Zudem müssen die Ölkonzerne Ethanol, das teurer ist als Benzin, auf dem Weltmarkt kaufen.

Umweltschützer protestieren 2008 vor dem Umweltministerium in Bonn gegen den Anbau von Pflanzen für Biosprit (Foto: AP)

"Biosprit macht Hunger", meinen Umweltschützer bei dieser Protestaktion in Bonn

Vor allem jedoch hat Ethanol einen geringeren Energiegehalt als konventionelles Benzin, so dass der Verbrauch im Vergleich zum alten Kraftstoff steigt - im Schnitt um drei Prozent. "Bio ist nicht umsonst zu haben", resümiert Aral-Sprecher Detlef Brandenburg.

Bei Umweltschützern ist der Einsatz von Biosprit längst umstritten. Einige Gruppen kritisieren, dass der Anbau von Pflanzen für die Biospriterzeugung in Entwicklungsländern in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion trete und so den Hunger verstärken könne. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hält andere Instrumente für besser, um das Klima zu schonen. So würden für den Anbau der nötigen Pflanzen zum Beispiel klimaschützende Waldflächen gerodet. Sinnvoller seien spritsparende Autos und neue CO2-freie Technologien.

Autor: Reinhard Kleber (afp, dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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